Das Tourismusproblem bei der Weltmeisterschaft ist nicht global – es betrifft nur die USA
Die Weltmeisterschaft steht vor der Tür und die Erwartungen sind hoch: Millionen Fans, ausgebuchte Hotels und Milliarden an Tourismuseinnahmen. Doch in den Vereinigten Staaten ist dieser Ansturm bislang ausgeblieben – zumindest noch nicht sichtbar.
Meldungen über unterbelegte Hotels und langsamere Ticketverkäufe als erwartet werfen eine weitere Frage auf: Läuft bei dem größten Sportereignis der Welt etwas schief? Die Antwort hängt stark vom Standort ab.
Der Tourismus rund um die WM boomt – aber nicht dort, wo man es erwartet
Normalerweise verzeichnen Gastgeberländer in den Monaten vor dem Anpfiff einen deutlichen Anstieg bei Touristen. In den USA ist dieser Effekt bisher kaum eingetreten.
Die Hotelbuchungen in mehreren Austragungsstädten bleiben hinter den Erwartungen zurück, und die allgemeinen Trends im internationalen Reiseverkehr zeigen im Vergleich zu früheren Jahren einen Rückgang. Einige Experten führen dies auf hohe Preise zurück, andere auf globale Unsicherheiten oder politische Narrative, die das Bild im Ausland prägen. Was auch immer der Grund sein mag: Die bisherigen Anzeichen sprechen dafür, dass die USA nicht den üblichen Vor-WM-Tourismusboom erleben.
In Nordamerika sieht die Lage jedoch anders aus: Kanada und Mexiko, die Co-Gastgeber der WM, verzeichnen deutlich positivere Tourismuszahlen, sowohl in Prognosen als auch in realen Daten.
Kanada wird voraussichtlich das stärkste Tourismuswachstum unter den drei Gastgebern erzielen, mit einem deutlichen Anstieg der Reisedynamik, der auf das Turnier zurückzuführen ist. Mexiko wiederum verzeichnet bereits jetzt eine Zunahme internationaler Besucher und Ausgaben, was darauf hindeutet, dass der WM-Effekt dort früh greift. Daraus lässt sich schließen, dass das Turnier selbst nicht leidet, sondern die Auswirkungen regional sehr unterschiedlich sind.
Ein entscheidender Faktor könnte das Buchungsverhalten sein. Daten zeigen, dass viele Fans ihre Reisen näher an den Spieltagen buchen statt wie früher Monate im Voraus. Das könnte erklären, warum in allen drei Ländern, nicht nur in den USA, die frühen Hotelreservierungen verhalten ausfallen.
Doch es gibt einen Unterschied: In Mexiko und Kanada wandelt sich die Nachfrage bereits in tatsächliche Reisen um, während dieser Effekt in den USA bisher weniger konstant ist.
Eine einzelne Ursache für diese Diskrepanz gibt es nicht, doch mehrere Aspekte stechen hervor:
- Kosten: Höhere Preise für Unterkunft und Transport in den US-Austragungsstädten
- Geografie: Stadien, die ohne Auto schwerer erreichbar sind
- Wahrnehmung: Anhaltende politische und globale Narrative, die Reiseentscheidungen beeinflussen
Diese Faktoren treffen nicht in gleichem Maße auf alle drei Länder zu und könnten so die unterschiedlichen Auswirkungen erklären. Die WM kurbelt den Tourismus zwar an, aber nicht überall im gleichen Maße. Kanada und Mexiko profitieren bereits, die USA könnten noch nachziehen, vor allem wenn die Buchungen kurzfristig zunehmen. Aber aktuell heben sie sich deutlich vom Trend ab.
Mit dem Anpfiff in Sichtweite bleibt noch Raum für eine Wende. Große Sportereignisse erleben häufig eine späte Buchungswelle, und die Größe der WM bedeutet, dass selbst ein kurzfristiger Anstieg Hotels und Stadien schnell füllen könnte. Sollte sich der aktuelle Trend jedoch bestätigen, könnte es passieren, dass dieses globale Event zwar insgesamt erfolgreich ist, aber einer seiner wichtigsten Gastgeber Schwierigkeiten hat, mitzuhalten.