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Warum Trump die Wahl gewann: Geheimer Bericht zum Harris-Debakel wird veröffentlicht und wirft unbequeme Fragen auf

Warum gewann Trump die Wahl?: Geheimbericht zu Harris-Debakel wird öffentlich - und wirft ungemütliche Fragen auf

Die Demokraten tragen nach der Präsidentschaftswahl 2024 weiterhin die Last der Niederlage. Ein lange unter Verschluss gehaltener Bericht soll die Gründe für Kamala Harris’ Niederlage gegen Donald Trump aufdecken. Dabei werden jedoch mehrere heikle Aspekte ausgespart.

Monatelang verweigerte die Führung der Demokratischen Partei die Herausgabe des Berichts zur Wahlniederlage 2024. Daraufhin warfen Parteimitglieder der Führung Vertuschung vor, nun herrscht Verwunderung über die Umstände der Veröffentlichung. Vor den entscheidenden Zwischenwahlen machen die Demokraten keinen starken Eindruck.

Vom erhofften Befreiungsschlag zum Aktenvernichter – so lässt sich das 192-seitige Dokument aus Sicht der Parteispitze wohl zusammenfassen. Das Democratic National Committee (DNC) zeigt sich mit dem von Parteistrategen Paul Rivera verfassten Bericht unzufrieden. Bereits zu Beginn ist jede Seite mit dem Hinweis versehen: „Dieses Dokument spiegelt die Ansichten des Autors wider, nicht die des DNC.“

Für die Untersuchung wurden über 300 Personen in allen US-Bundesstaaten befragt. Dem Weißen Haus unter Joe Biden wird vorgeworfen, die Kandidatur von Kamala Harris nicht ausreichend vorbereitet zu haben. „Wäre das Weiße Haus frühzeitiger Möglichkeiten nachgegangen, Harris besser einzubinden, hätte dies möglicherweise das Ansehen des Präsidenten gestärkt und sie besser auf die Spitzenkandidatur vorbereitet.“

Bericht: Demokraten vernachlässigten wichtige Wählergruppen

Es wird kritisiert, dass Harris mit dem kontroversen Thema Migration belastet wurde. Sie sollte eine Lösung für die Lage an der Südgrenze der USA präsentieren – ohne Erfolg. Diese Schwäche wurde 2024 für die Demokratin zum Problem, während Trump daraus ein zentrales Wahlkampfthema machte.

Der Bericht bemängelt zudem, dass Harris’ Kampagne zu zögerlich war, Trump anzugreifen. Die Unfähigkeit, die öffentliche Meinung gegen Trump zu beeinflussen, wird als „großer Fehler“ bezeichnet. Man hätte „die Wähler an seine Inkompetenz erinnern müssen“. „Angesichts der Fähigkeit rechter Gruppen, die Vizepräsidentin zu diffamieren, wäre es unerlässlich gewesen, überzeugender darzulegen, warum Trump nicht wiedergewählt werden sollte“, heißt es weiter. „Die Argumente waren vorhanden, doch die Darstellung blieb schwach.“

Meinungsforscher hatten dem Harris-Team nahegelegt, dass „selbst moderate Distanzierungen“ von Bidens Politik ihr politisch nutzen würden. Allerdings sei hier „kaum Bewegung“ erkennbar gewesen, so der Rivera-Bericht. Potenzielle Wähler hätten keinen überzeugenden Grund gehabt, Harris zu unterstützen.

Auch die Wahlkampffokussierung auf städtische und vorstädtische Regionen wird kritisiert. Menschen im ländlichen Amerika und im Süden seien kaum eingebunden worden. „Harris hat das ländliche Amerika abgeschrieben und auf die städtischen und vorstädtischen Gebiete gesetzt“, heißt es im Bericht. Diese Sichtweise war bei den Demokraten weit verbreitet.

Brisante Nahost-Thematik bleibt unerwähnt

Die Analyse geht über die verlorene Wahl 2024 hinaus. Es wird festgestellt, dass die Demokraten seit Obamas erfolgreicher „Yes, we can“-Kampagne 2008 keine ausreichenden bundesweiten Strukturen aufgebaut haben. „Die Demokraten haben auf allen Regierungsebenen an Boden verloren“ und versäumt, in Staaten und Kommunalpolitiker zu investieren, so Rivera.

Der Autor stellt zudem fest, dass die Republikaner besser darin sind, effektive Kampagnen zu organisieren. „Manchmal scheint es, als wollten die Demokraten Debatten gewinnen, während die Republikaner Wahlen gewinnen“, heißt es. „Die Demokraten agieren oft in einem rationalen Umfeld, obwohl die Wählerschaft von Emotionen geprägt ist.“

Eine umfassende Lösung für die Probleme der Demokraten bietet der Bericht nicht. Auffällig ist, dass besonders heikle Themen komplett ausgeklammert wurden. Welchen Einfluss hatte die Nahost-Politik der Biden/Harris-Regierung auf die Wahl? Führte sie zur Demobilisierung junger linker Wähler? Das wird im linken Flügel der Partei diskutiert, doch im Bericht fehlen jegliche Hinweise – die Begriffe Israel und Palästina tauchen nicht auf.

Die Parteiführung betont, dass die Aussagen im Bericht mangels Belegen nicht verifiziert werden können. Im gesamten Text finden sich Hinweise auf fehlende Quellen oder Fehler. „Als ich den Bericht Ende letzten Jahres erhielt, war er bei Weitem nicht fertig“, erklärt DNC-Chef Ken Martin, der für die lange Zurückhaltung verantwortlich war. „Ohne Quellenmaterial hätte eine Überarbeitung bedeutet, von vorne zu beginnen – jedes Gespräch, Interview und jeder Datensatz.“

Parteichef blockierte Veröffentlichung lange

Der frühere Obama-Stabschef und mögliche Präsidentschaftskandidat 2028, Rahm Emanuel, kritisierte: „Der Bericht ist nicht das Papier wert, auf dem er steht.“ Statt das Problem offen anzusprechen, ließ Martin den Bericht unter Verschluss und entfachte so eine Debatte.

Martin, dessen Funktion sich nicht mit einem deutschen Parteivorsitzenden vergleichen lässt, hatte eine transparente Aufarbeitung des Harris-Debakels versprochen. Doch trotz Wahlniederlagen für Demokraten im Weißen Haus und Kongress lieferte er den Bericht nicht.

Anfang des Monats verteidigte er noch die Nichtveröffentlichung mit Blick auf demokratische Erfolge bei Nachwahlen. „Es gibt nichts, was wir verbergen wollen. Wir wollen nur aus den Fehlern lernen und nach vorn schauen“, sagte Martin. Ein Rückblick würde nur ablenken und dem politischen Gegner nutzen.

Die Debatte um das Papier wurde jedoch zum größeren Problem. Vertreter verschiedener Parteiflügel forderten Einsicht, Martin konnte keine überzeugende Erklärung für das Zurückhalten geben. Selbst Harris schien letztlich keine Einwände gegen die Veröffentlichung zu haben. „Nach den Erfolgen im November wollte ich keine Ablenkung schaffen, doch durch das Zurückhalten habe ich letztlich eine größere Ablenkung verursacht“, räumte Martin ein.

Demokraten blicken auf die Zwischenwahlen

Die Freigabe des Berichts erfolgte nicht freiwillig: CNN erhielt eine Version zugespielt und konfrontierte die Demokraten, die später das Dokument veröffentlichten.

Martin stand vor der Veröffentlichung bereits stark unter Druck. Kritiker machen ihn für die angespannte Finanzlage des DNC verantwortlich. Nach der Veröffentlichung wird über seine Zukunft in der Partei diskutiert. „Er hat ein Desaster verursacht und ist derzeit nicht die richtige Person für den DNC-Vorsitz“, schrieb der frühere Obama-Berater Dan Pfeiffer auf X. Gleichzeitig halten viele DNC-Mitglieder zu Martin.

Wenige Monate vor den wichtigen Zwischenwahlen dürfte eine innerparteiliche Auseinandersetzung wenig erwünscht sein. Im November werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel der Senatssitze neu vergeben. Die Demokraten sehen Chancen auf Erfolge. Sollte dies nicht gelingen, könnte die Debatte um die Parteiführung an Fahrt gewinnen.