„Warum immer zwischen 8 und 17 Uhr?“: Connemann fordert flexible Arbeitszeiten
Gitta Connemann, CDU-Politikerin, spricht sich für eine Anpassung der Wochenarbeitszeit aus, um sowohl den Unternehmen als auch den Beschäftigten entgegenzukommen. Gleichzeitig warnt sie vor weiter steigenden Sozialabgaben.
Als Bundesvorsitzende der Mittelstandsunion von CDU und CSU appelliert Connemann an einen Stopp der wachsenden Sozialabgaben. „Erreichen wir 50 Prozent, wäre unser Staat für Arbeitnehmer und Unternehmen kaum noch attraktiv. Das würde das Signal senden: Besser Schwarzarbeit“, erklärte sie im ntv-Frühstart.
Derzeit belaufen sich die paritätisch geteilten Sozialabgaben für Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf etwa 42,7 Prozent. Experten warnen, dass ohne Reformen der Sozialversicherungen die Beiträge bis 2035 auf 50 Prozent ansteigen könnten.
Connemann betont, dass diese kritische Schwelle schon früher überschritten würde. Um gegenzusteuern, müsse man Ausgaben begrenzen und Einnahmen stabilisieren. Ein wichtiger Ansatzpunkt sei dabei die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung.
„Mehr Arbeitszeit ist notwendig“
Gleichzeitig fordert die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium strukturelle Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Betriebe benötigen mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten. „Dort, wo Bedarf besteht, sollte auch die Arbeit an Wochenenden oder nachts erlaubt sein“, so Connemann. Dies könne auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. „Viele Mitarbeiter fragen sich, warum ihnen die Politik vorschreibt, zwischen 8 und 17 Uhr zu arbeiten.“
Grundsätzlich müsse in Deutschland „mehr gearbeitet werden, um im europäischen Vergleich mitzuhalten“, betonte Connemann. Damit sich Leistung wieder auszahle, müsse die Steuerpolitik reformiert werden. Besonders bei der Einkommensteuer bestehe Handlungsbedarf. Diese werde zu einer „Mittelstandssteuer“ und müsse gezielt angepasst werden, damit Beschäftigte und Unternehmen profitieren und Deutschland wettbewerbsfähig bleibt.
„China: Wettbewerber, Rivale und wichtiger Markt“
Auch in der Außenwirtschaftspolitik sieht Connemann dringenden Reformbedarf. China sei für deutsche Unternehmen sowohl der größte Konkurrent als auch ein unverzichtbarer Absatzmarkt. Im Vorfeld der China-Reise von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche plädiert die CDU-Politikerin für einen ausgewogenen Kurs. „Einerseits können wir es nicht akzeptieren, dass China uns mit Dumpingstahl überschwemmt. Hier sind Schutzmaßnahmen notwendig.“ Andererseits bleibe China ein bedeutender Markt. „Sie sind Wettbewerber, Rivale und zugleich Markt.“
Connemann fordert konkret, bestehende Handelslücken zu schließen, da China diese ausnutze. Ziel sei es, faire Wettbewerbsbedingungen durchzusetzen: „Wenn chinesische Unternehmen in unseren Markt eintreten wollen, dann bitte unter fairen Bedingungen und europäischen Standards.“
Neben der Politik sieht Connemann auch die Verbraucher in der Pflicht. Ihre Kaufentscheidungen beeinflussten unmittelbar die Produktionsbedingungen und die Wettbewerbsfähigkeit. „Jeder sollte sich bewusst sein, dass er mit seinem Einkauf das Umfeld mitgestaltet, in dem er lebt.“ Wer bei Plattformen wie Temu oder Shein einkaufe, entscheide sich oft für Produkte, „die nicht den europäischen Standards entsprechen“ – mit Konsequenzen für heimische Anbieter sowie Umwelt und Klima, so Connemann.