Videoaufnahmen zeigen Soldaten bei Siedlerrandale im Westjordanland – Vorwürfe gegen israelisches Militär
Im Westjordanland haben israelische Siedler mehrere palästinensische Ortschaften überfallen. Dabei wurden Tiere gestohlen, Eigentum in Brand gesetzt und Bewohner angegriffen. Ein besonders schwerwiegender Vorfall involvierte auch einen israelischen Soldaten.
Bei erneuten Übergriffen von israelischen Siedlern nahe der Stadt Nablus im Westjordanland erlitten neun Palästinenser teilweise schwere Verletzungen. Videoaufnahmen, die laut der Zeitung „Times of Israel“ veröffentlicht wurden, zeigen, wie ein israelischer Soldat zusammen mit maskierten Siedlern zwei palästinensische Männer attackiert. Das israelische Militär distanzierte sich von diesem Verhalten des Soldaten.
Einer der angegriffenen Palästinenser zog sich schwere Kopfverletzungen zu. In von palästinensischen Medien verbreiteten Aufnahmen ist ein junger Mann zu sehen, der blutend auf der Straße liegt und von einem Sanitäter des Roten Halbmonds versorgt wird. Ein weiteres Video dokumentiert, wie ein Angreifer ihn mit einem Gegenstand niederschlägt. Augenzeugen berichteten gegenüber der Zeitung „Haaretz“, dass er mit einer Eisenstange am Kopf getroffen wurde. Anschließend entfernten sich die Siedler und der Soldat vom Tatort.
„Haaretz“ berichtete, dass Dutzende maskierte Männer vier palästinensische Dörfer in der Nähe einer illegalen israelischen Siedlung attackierten. Dabei wurden Steine geworfen, Eigentum in Brand gesetzt, Bewohner angegriffen und über 100 Schafe gestohlen. Die Angriffe hätten ihren Ursprung darin, dass Siedler zuvor den Diebstahl einer eigenen Schafherde gemeldet hatten, so die Zeitung unter Berufung auf eine Quelle der israelischen Sicherheitskräfte.
Ein Vertreter des Ortes Huwara gab an, dass zwischen 100 und 150 Siedler an den Übergriffen auf die Kleinstadt beteiligt waren. „Wo immer es Schafgehege gab, stürmten sie diese und griffen die Tiere an.“ Israelische Soldaten hätten verhindert, dass die Bewohner sich den Siedlern näherten, während diese die Häuser im Dorf überfielen.
Derzeit werden fünf Verletzte im Krankenhaus behandelt. Drei von ihnen wurden durch Schüsse verletzt. Einer erlitt durch einen Schlag mit dem Gewehrkolben eine schwere innere Augenverletzung. Ein weiterer wurde am Rücken getroffen, und ein Mann über 60 Jahre wurde schwer am Rücken verletzt. Auf Videoaufnahmen ist zu erkennen, dass einige Siedler bewaffnet waren.
Nach Angaben von „Haaretz“ dauerten die Überfälle etwa zwei Stunden an, ohne dass Sicherheitskräfte eingriffen. Das israelische Militär erklärte, später seien Truppen in das Gebiet entsandt worden – „nach Meldungen über den mutmaßlichen Diebstahl von Vieh israelischer Zivilisten“ –, um „die israelischen Zivilisten und das Vieh zu schützen und eine Eskalation zu verhindern“.