Trump und sein ungewöhnlicher Traum: Ein Tower in Tiflis als „Monte Carlo des Kaukasus“
Bereits im Jahr 2012 hegte Donald Trump erstmals die Vision vom „Monte Carlo des Kaukasus“. In Georgien wollte der spätere US-Präsident sein bislang größtes Prestigeprojekt realisieren: den Trump Tower. Nach langjährigen Verzögerungen soll das Vorhaben nun, 14 Jahre später, tatsächlich in Gang kommen – allerdings unter undurchsichtigen Umständen.
Zum Zeitpunkt seines Georgien-Besuchs 2012 war Donald Trump vor allem als Immobilienunternehmer bekannt. In dieser Funktion kündigte er feierlich an, zwei Trump-Türme im Land errichten zu wollen. Einer sollte in der Schwarzmeerstadt Batumi entstehen, der andere in der Hauptstadt Tiflis. Während seines Aufenthalts prägte Trump auch den Begriff „Monte Carlo des Kaukasus“.
Das Projekt in Georgien sollte als Sprungbrett für weitere Trump-Investitionen im postsowjetischen Raum dienen, berichtete das Wirtschaftsmagazin „Bloomberg“ einige Jahre später.
Im Jahr 2012 standen die Zeichen für Trump günstig: Der damals einflussreichste Politiker Georgiens, Milliardär Michail Saakaschwili, der von 2004 bis 2013 Präsident war, unterstützte das Vorhaben. Berichten zufolge verband die beiden sogar eine persönliche Freundschaft. Mittlerweile ist Saakaschwilis Stern verblasst: Er verbüßt eine Haftstrafe, nachdem ein Gericht 2018 festgestellt hatte, dass er 2005 die Prügelattacke auf einen Oppositionsabgeordneten angeordnet hatte. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands sitzt Saakaschwili die Strafe im Krankenhaus ab.
Nach Saakaschwilis Abwahl geriet Trumps Tower-Projekt in den Hintergrund. Bidsina Iwanischwili, der von 2012 bis 2013 kurzzeitige Ministerpräsident und Gründer der Partei „Georgischer Traum“, lehnte die Bauvorhaben vehement ab. Es folgte ein langwieriges Hin und Her, bis das Projekt im Januar dieses Jahres endgültig abgesagt wurde. Als Grund wurden mögliche politische Interessenkonflikte von Donald Trump angegeben.
Die Trump Organization, das Familienunternehmen des US-Präsidenten, teilte im Januar mit, dass Trumps Investitionen, Vermögenswerte und Geschäftsanteile in einem Trust liegen, der von seinen Kindern verwaltet wird. Trump selbst sei weder im Tagesgeschäft noch bei wichtigen Entscheidungen involviert.
„Große Skepsis in Tiflis“
Der Traum vom Trump Tower in Georgien schien vorerst beendet. Doch im April kam die überraschende Wendung: Laut dem „Wall Street Journal“ kündigte die Trump Organization an, den Tower nun doch in Tiflis bauen zu wollen. Der Politikwissenschaftler und Risikoanalyst Hannes Meissner bezeichnete diese Entwicklung im ntv-Podcast „Wieder was gelernt“ als „sehr überraschend“: „Das Projekt scheiterte erstmals 2012, ein weiterer Versuch 2017 war ebenfalls erfolglos. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass das Vorhaben in Batumi endgültig aufgegeben wurde.“
Wie und unter welchen Bedingungen der Bau nun realisiert werden soll, bleibt laut Georgien-Experte Meissner unklar. „In Tiflis herrscht derzeit große Skepsis, ob der Trump Tower angesichts der wechselhaften Geschichte tatsächlich gebaut wird.“
Sollten die Bauarbeiten beginnen, könnte das Gebäude mit 70 Stockwerken das höchste in Tiflis werden – ausgestattet mit luxuriösen Wohnungen, einem Hotel, Geschäften und Restaurants.
Heikle Verbindungen zum Baugrundstück
Das eigentliche Brisante ist jedoch nicht der geplante Bau selbst, sondern der Standort: Der Trump Tower soll auf einem Grundstück errichtet werden, das indirekt dem Iwanischwili-Clan gehört – dem Hippodrom, einer ehemaligen Pferderennbahn aus Sowjetzeiten im Westen von Tiflis.
Im Grundbuch steht offiziell der International Charity Fund Cartu als Eigentümer, eine von Bidsina Iwanischwili ins Leben gerufene Wohltätigkeitsorganisation. Diese Stiftung gehört vollständig zur Cartu Group, deren Hauptaktionär Uta Iwanischwili ist, der Sohn des ehemaligen Regierungschefs. Laut dem Guardian hält er 35 Prozent der Anteile der Cartu Group.
„Es ist unbestritten, dass Bidsina Iwanischwili hinter der Stiftung Cartu und dem gesamten Firmengeflecht steht. Auffällig ist, dass diese Wohltätigkeitsorganisation zu einer Art parallelem Staat geworden ist. So werden Wohlfahrtsleistungen, die normalerweise vom Staat getragen werden, über die Stiftung abgewickelt“, erklärt Meissner im Podcast. „Iwanischwili nutzt dies, um seine Legitimität im Land zu stärken, indem er soziale Leistungen aus der eigenen wirtschaftlichen und politischen Macht finanziert. Die Stiftung ist somit auch ein Machtinstrument.“
US-Sanktionen gegen Iwanischwili
Der milliardenschwere Ex-Ministerpräsident Bidsina Iwanischwili fungiert offiziell als Ehrenvorsitzender seiner Partei „Georgischer Traum“, agiert hinter den Kulissen jedoch als einflussreicher Strippenzieher in der georgischen Politik. Seine populistische, EU-kritische und russlandfreundliche Partei dominiert das Parlament mit absoluter Mehrheit und stellt seit 2012 durchgehend den Ministerpräsidenten – den mächtigsten Politiker des Landes.
Ein bedeutendes Problem ist jedoch, dass Iwanischwili seit 2024 von US-Sanktionen betroffen ist. Die damalige US-Regierung unter Joe Biden belegte ihn mit Sanktionen, weil er „die demokratische und euro-atlantische Zukunft Georgiens zugunsten Russlands untergraben“ habe, so die offizielle Begründung aus Washington. Seitdem dürfen US-Unternehmen, darunter auch die Trump Organization, grundsätzlich keine Geschäfte mit ihm tätigen. Im Gegensatz zu seinem Vater ist Uta Iwanischwili jedoch nicht von den US-Sanktionen betroffen.
Kritiker sehen im Trump-Tower-Projekt in Georgien einen Versuch, sich beim US-Präsidenten einzuschmeicheln, um die Sanktionen aufheben zu lassen. Transparency International warnt vor politischer Instrumentalisierung, die als Beton- und Glasbau getarnt sei.
Die georgische Regierung, die den Bau in Tiflis unterstützt, sieht darin ein Zeichen für Vertrauen in die wirtschaftliche Stabilität Georgiens. Nach dem Motto: Wenn die Trump Organization in Georgien investiert, zeige das die Sicherheit des Landes.
„Wer nicht mit Iwanischwili oder seinen Firmen kooperiert, hat in Georgien keine Chance“, betont Hannes Meissner. Iwanischwili kontrolliere sowohl die Wirtschaft als auch den Zugang ausländischer Unternehmen. Ohne seine Zustimmung gebe es keinen Trump Tower.