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Trump bricht Interview nach Fragen zu Kapitol-Stürmern wütend ab

Nach Fragen zu Kapitol-Stürmern: Trump bricht Interview wutentbrannt ab

Der US-Präsident nahm sich 40 Minuten Zeit für ein Interview mit NBC. Trotz sensibler Themen verlief das Gespräch zunächst ruhig – bis Fragen zu Entschädigungszahlungen für Kapitol-Stürmer aufkamen. Daraufhin begann Trump, zahlreiche unbelegte Behauptungen zu äußern, bis er schließlich das Interview wütend abbrach.

US-Präsident Donald Trump beendete ein Interview mit dem Sender NBC abrupt und verärgert, nachdem ihn eine Journalistin mit kritischen Fragen konfrontierte. Gegenüber der Moderatorin der NBC-Sendung „Meet the Press“, Kristen Welker, erklärte Trump: „Sie sind ein voreingenommener, unaufrichtiger Sender. Tut mir leid. Ich habe genug. Vielen Dank, Darling“, nachdem er mit seinen falschen Behauptungen zur manipulierten Präsidentschaftswahl 2020 zur Rede gestellt worden war.

Das Interview wurde am Samstag auf einem Bauernhof in Wisconsin aufgezeichnet, wo Trump Landwirte traf. Im Hintergrund waren ein Traktor und Heuballen zu sehen. Trotz des Regens, der die Tonaufnahme erschwerte, zeigte sich Trump gelassen. Als Welker fragte, ob die Aufnahmen wegen des Regens abgebrochen werden sollten, entgegnete Trump: „Nein, die Leute werden verstehen, dass wir auf einer Farm sind.“

Auf Fragen zu Themen wie dem Konflikt im Iran, Atomwaffen und seinem Wahlkampfversprechen, die USA nicht in Auslandskriege zu verwickeln, antwortete Trump zunächst noch relativ geduldig. Ärgerlich wurde er jedoch, als es um seinen vorgeschlagenen Entschädigungsfonds ging, der Personen zugutekommen sollte, die seiner Ansicht nach unter seinem demokratischen Nachfolger Joe Biden zu Unrecht verfolgt würden. Besonders im Mittelpunkt standen dabei jene, die am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington gestürmt hatten. Trump sagte: „Ich finde die Idee großartig, denn Leute wie Sie, die schmutzige Falschmeldungs-Presse, die unaufrichtige Presse, und auch der dumme Biden (…) haben Menschen zerstört.“

Auf die Nachfrage, ob Personen, die Polizisten attackiert hätten, Steuergelder erhalten sollten, ging Trump nicht direkt ein. Stattdessen behauptete er ohne Belege, korrupte Polizisten und FBI-Agenten hätten Menschen ins Kapitol eingeschleust. Er nannte unter anderem James Comey, den ehemaligen FBI-Chef, gegen den Trump während seiner zweiten Amtszeit juristisch vorging. Comey wurde jedoch bereits 2017 entlassen, offiziell wegen mangelnder Effektivität, vermutlich aber wegen seiner Ermittlungen zur mutmaßlichen russischen Einmischung zugunsten Trumps bei der US-Wahl. Welche Rolle Comey beim Kapitol-Sturm 2021 gespielt haben soll, blieb unklar.

Trump stellt Kapitol-Stürmer vollständig in Schutz

Welker versuchte wiederholt, Trump zu bremsen und wies darauf hin, dass er für seine Behauptungen keine Beweise vorgelegt habe. Dies galt auch für Trumps Aussage, viele Menschen hätten ihr Leben verloren, ihre Arbeit und Familien durch die Verfolgung zerstört. Zudem behauptete er, mehrere Kapitol-Stürmer hätten Selbstmord begangen – eine Behauptung, die nicht belegt ist. Es gibt jedoch Berichte, dass einige Polizisten, die den Kapitolsturm zu verhindern versuchten, Suizid begangen haben. Als Welker erwähnte, dass 172 Personen gestanden hätten, Polizisten angegriffen zu haben, sagte Trump, diese seien mit bis zu 15 Jahren Haft bedroht worden und hätten deshalb Angst gehabt. Er behauptete außerdem, Unschuldige seien inhaftiert worden.

Als Welker erneut darauf hinwies, dass Trumps behauptete Beweise in Gerichtsverfahren nie vorgelegt wurden, sprang Trump zu seiner zentralen Behauptung zurück: Die US-Präsidentschaftswahl 2020 sei manipuliert gewesen. Dies geschehe seiner Ansicht nach aktuell erneut in Kalifornien, bezogen auf die Gouverneursvorwahlen im bevölkerungsreichsten Bundesstaat. Trump kritisierte die lange Auszählung und unterstellte Betrug, ohne Belege vorzulegen. Er erklärte, er benötige keine Beweise, sondern müsse nur „hinsehen und hinhören“. Sollte sich seine Kritik auf die von Demokraten beschlossene Neuziehung der Wahlkreise in Kalifornien beziehen, vernachlässigt er, dass Republikaner kürzlich Ähnliches in Texas, Alabama und Florida getan haben.

Trump: Demokraten manipulieren, Medien berichten unfair

Im Verlauf des Gesprächs wurde Trump zunehmend gereizt und wiederholte seine Vorwürfe der Wahlmanipulation und der Unehrlichkeit der Medien. Auf Welkers Einwand, sie sei nicht unehrlich, erwiderte Trump, sie spiele den Demokraten in die Hände. Als Welker ihn bat, weiterzusprechen, bezeichnete Trump sie als „unehrlich oder dumm“. Er behauptete, er habe die Wahl mit einem Erdrutschsieg gewonnen, werde aber zu 94 Prozent negativ in der Presse dargestellt. Zudem erklärte er ABC, CBS und CNN kurzerhand zu „unehrlichen Medien“, wie er es schon öfter getan hatte.

Unmittelbar danach zog Trump sein Mikrofon ab, warf es auf den Boden und stand mit den Worten auf: „Sie sind ein voreingenommener, unaufrichtiger Sender. Tut mir leid. Ich habe genug. Vielen Dank, Darling.“ Welker berichtete, sie sei extra nach Wisconsin gereist. Trump entgegnete, er habe etwa eine Stunde mit ihr „im Regen“ verbracht und ihr ausreichend Zeit gegeben. Er forderte sie auf, die Presse zu reformieren, da ein Land mit unehrlichen Medien nicht großartig sein könne. Anschließend verließ er den Ort des Gesprächs. Welker erklärte später, Trump habe sich bereiterklärt, erneut mit ihr zu sprechen.