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Selenskyj richtet offenen Brief an Putin und warnt vor Folgen

Selenskyj schreibt Putin offenen Brief - und warnt ihn

Wolodymyr Selenskyj, der Präsident der Ukraine, hat sich mit einem offenen Brief direkt an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gewandt. Darin schlägt er ein Ende des Krieges sowie ein Treffen in einem neutralen Drittland vor. Bisher hat der Kremlchef auf diese Angebote nicht reagiert.

In dem öffentlich gemachten Schreiben fordert Selenskyj Putin auf, den Krieg zu beenden. Zudem bekundete er erneut seine Bereitschaft, sich beispielsweise in der Schweiz oder der Türkei zu treffen. Putin lehnt ein solches Treffen bislang ab und besteht darauf, dass Selenskyj stattdessen nach Moskau kommen solle.

Der ukrainische Staatschef warnte Putin außerdem, dass eine Fortsetzung des Konflikts seine persönliche Existenz gefährden könnte: „Auch Sie werden härter um Ihr eigenes Überleben kämpfen müssen – nicht um Russland, sondern um sich selbst. Dies ist keine Drohung von mir oder der Ukraine, sondern eine historische Tatsache, die Sie kennen: Wenn Russland ermüdet, folgt Wandel.“ Selenskyj betonte, die Ukraine werde auf diese Erschöpfung hinarbeiten.

Er bekräftigte seinen Willen, den Verteidigungskampf gegen den russischen Angriff fortzusetzen, falls keine Einigung erzielt werde. Dabei verwies er auf moderne Langstreckenwaffen, die Unterstützung zahlreicher Partner sowie die hohen Verluste auf russischer Seite von etwa 30.000 getöteten oder schwer verletzten Soldaten pro Monat.

„Wir wissen, dass 63 Prozent Ihrer Verluste Gefallene sind, während nur 37 Prozent verwundet werden. Im 21. Jahrhundert kann sich keine Armee ein solches Verhältnis leisten. Und der Anteil der Gefallenen wird weiter steigen“, erklärte Selenskyj.

Putin plant offenbar langfristige Kriegsführung

Weiterhin teilte Selenskyj mit, dass Geheimdienstinformationen darauf hinweisen, Putin wolle den Krieg bis 2027 oder 2028 fortsetzen. „Wir wissen auch, dass Sie hoffen, mit ballistischen Raketen Ergebnisse zu erzielen, die bisher nicht erreicht wurden. Sie beabsichtigen, Belarus stärker in den Konflikt einzubeziehen, und wir müssen uns darauf vorbereiten. Außerdem beobachten wir Ihre Versuche, in Zusammenhang mit Transnistrien Aktionen zu inszenieren.“

Es ist unwahrscheinlich, dass Selenskyjs erneuter Friedensappell in Moskau auf offene Ohren stößt. Der Kreml hat in der Vergangenheit alle Friedensinitiativen abgelehnt und beharrt auf seinen zentralen Forderungen, wie etwa dem Rückzug aus dem Donbass, den Putin zuletzt in St. Petersburg erneut betonte.