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Putin verkündet ‚Befreiung‘: Ukraine bestreitet Einnahme von Kostjantyniwka

Putin feiert "Befreiung": Ukraine widerspricht: Kostjantyniwka ist nicht erobert

Der ukrainische Generalstab weist die russische Behauptung zurück, dass die Frontstadt Kostjantyniwka vollständig unter russischer Kontrolle stehe. Die Stadt hat aufgrund ihrer strategischen Bedeutung seit Ende 2025 heftige Kämpfe erlebt.

Entgegen russischer Meldungen, die eine Eroberung Kostjantyniwkas durch russische Truppen verkündeten, bestätigte der ukrainische Generalstab, dass ukrainische Einheiten weiterhin „Verteidigungsoperationen an festgelegten Positionen innerhalb der Stadt und an den Zufahrtswegen“ durchführen. Dies berichtete die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform unter Berufung auf einen Sprecher des Generalstabs.

Die in ukrainischen Medien zitierten Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin zur angeblichen Einnahme der Stadt seien laut Ukrinform „nicht korrekt“. Dennoch setzten die russischen Streitkräfte ihre Versuche, die Stadt einzunehmen, fort.

Am Freitag hatte Putin die „Befreiung“ von Kostjantyniwka in der Region Donezk verkündet. Die Stadt ist für die ukrainische Verteidigung von großer strategischer Bedeutung, da sie eine der letzten Bastionen auf dem Weg zu den ebenfalls wichtigen Städten Kramatorsk und Slowjansk darstellt. Alle drei Städte bilden einen wichtigen Verteidigungsgürtel für die Ukraine.

„Vollständige Kontrolle“ behauptet

Die russischen Meldungen über die Einnahme von Kostjantyniwka erschienen zeitgleich mit Putins Besuch beim russischen Generalstabschef. Im Fernsehen war der Präsident in Uniform zu sehen, wie er russischen Soldaten, vermutlich fernab der Front, seinen Dank aussprach.

Putin bezeichnete die Einnahme der Stadt als „von großer strategischer Bedeutung“ und behauptete, die russischen Streitkräfte behielten an der Front die strategische Initiative fest in der Hand. Parallel dazu erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow, Kostjantyniwka sei „komplett“ erobert und stehe nun vollständig unter russischer Kontrolle.

Die Stadt mit einst 78.000 Einwohnern vor dem Krieg ist seit Ende 2025 ein stark umkämpfter Ort. Bereits im Juni hatte Putin angekündigt, dass russische Truppen kurz davor stünden, die strategisch wichtige Stadt zu erobern. Der russische Kommandeur Anton Grunis berichtete, die Armee führe „Such- und Vernichtungseinsätze gegen einzelne ukrainische Soldaten durch, die sich in Gebäuden, Kellern und Ruinen verstecken“.

Der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow gab an, dass sich russische Truppen nun neun Kilometer vor der südlichen Großstadt Saporischschja befinden, die vor dem Krieg über 700.000 Einwohner hatte. Ein weiterer Kommandeur berichtete, dass seine Einheiten sich zehn Kilometer vor der Regionalhauptstadt Sumy im Norden befinden, die vor dem Krieg rund 250.000 Bewohner zählte.

ISW: Inszenierung statt Realität

Das Institute for the Study of War (ISW), eine US-amerikanische Denkfabrik, sieht die Lage anders: Die Stadt sei keinesfalls vollständig von russischen Truppen eingenommen. Zwar hätten die russischen Streitkräfte taktische Fortschritte in Kostjantyniwka erzielt, doch bestehe die russische Präsenz dort hauptsächlich aus kleinen Gruppen von Eindringlingen, die zwischen ukrainischen Positionen verteilt sind, so das ISW im jüngsten Lagebericht.

Der Besuch Putins bei der Armee werde als inszenierte Aktion gewertet, um die Berichterstattung im Westen zu beeinflussen. Seit Januar übertreiben Putin, Gerassimow und weitere ranghohe russische Befehlshaber bei öffentlichkeitswirksamen Lagebesprechungen mindestens einmal monatlich die russischen Geländegewinne. Ziel sei es, den Westen von der Fähigkeit zu überzeugen, einen schnellen Vorstoß entlang der gesamten Frontlinie zu erzielen. Tatsächlich machten die russischen Geländegewinne im Juni 2026 nur einen Bruchteil der Erfolge aus, die im Juni 2025 erreicht wurden. Insgesamt habe die russische Frühjahrs- und Sommeroffensive 2026 „keine operativ bedeutsamen Fortschritte“ erzielt.