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Milliardenschulden der USA belasten UN-Friedensmissionen massiv

USA schulden Milliarden: UN-Friedensmissionen schrumpfen dramatisch

Die Aufgabe der UN-Blauhelme ist es, Frieden zu wahren, doch in den letzten Jahren hat sich ihre Zahl weltweit fast halbiert. Die Vereinten Nationen leiden vor allem unter erheblichen finanziellen Engpässen, die maßgeblich durch die Politik des US-Präsidenten verursacht werden.

UN-Blauhelme sind international aktiv, häufig unter gefährlichen Bedingungen: Sie sollen Konflikte entschärfen und Frieden sichern. Dennoch verschlechtern sich die Rahmenbedingungen für Friedensmissionen zunehmend. Die Mittel werden knapper, Einsätze nehmen ab und die Truppengrößen schrumpfen. Eine Untersuchung von Friedensforschern aus Stockholm zeigt, dass trotz wachsender Konflikte die gemeinsame Friedensarbeit immer weiter zurückgeht.

Nach dem aktuellsten Bericht des Sipri-Instituts sank die Zahl der UN-Blauhelme und weiteren eingesetzten Kräften 2025 auf den niedrigsten Wert seit mindestens 25 Jahren. Ende Dezember waren es 78.633 Personen – das entspricht einem Rückgang von 49 Prozent im Vergleich zu vor zehn Jahren, so die Forscher.

Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 58 internationale Friedensmissionen in 34 Ländern oder Regionen, drei weniger als 2024. „Setzt sich dieser Trend fort, droht eine gravierende Schwächung multilateraler Konfliktlösungen und eine nahezu vollständige Marginalisierung von Organisationen wie den Vereinten Nationen“, warnte Jaïr van der Lijn, Leiter des Sipri-Programms für Friedensoperationen, laut einer Mitteilung.

Finanzielle Lücken führen zum Rückgang der UN-Einsätze

Die Ursachen für den Rückgang beschreibt der Friedensforscher als einen „perfekten Sturm“ aus finanziellen, politischen und geopolitischen Herausforderungen. Besonders prägnant war eine Finanzierungslücke von zwei Milliarden US-Dollar, die im Sommer 2025 bei den UN-Friedensmissionen entstand. Wichtige Geldgeber kamen ihren Verpflichtungen laut Sipri nicht vollständig oder rechtzeitig nach. Dies zwang die Vereinten Nationen dazu, beim Personal zu kürzen. Erst Ende Januar 2026 warnte UN-Generalsekretär António Guterres erneut vor einem drohenden finanziellen Kollaps der Organisation.

Die USA spielen eine zentrale Rolle bei den Friedenssicherungseinsätzen der Vereinten Nationen und sind der größte Beitragszahler. Allein die USA haben der finanziell stark belasteten Organisation Milliarden an Beiträgen nicht gezahlt. Für die Friedensmissionen beläuft sich die Schuld laut UN-Angaben auf rund 2,2 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Das Gesamtbudget für das UN-Peacekeeping im Zeitraum 2025/2026 beträgt 5,38 Milliarden Dollar.

Politische Spannungen und blockierte Mandate erschweren Einsätze

Jaïr van der Lijn vom Sipri-Institut warnt vor den langfristigen Folgen des Rückgangs bei Friedensmissionen. „Dies wird wahrscheinlich zu einer Zunahme von Konflikten führen, die zudem schwerwiegendere Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben, da viele Staaten etablierte Normen aufgeben“, erklärte van der Lijn laut Mitteilung.

Diese Aussage bezieht sich wohl auch auf den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, der die UN mehrfach kritisch hinterfragte. Während der Reformbedarf der Vereinten Nationen allgemein anerkannt ist, sehen Kritiker in der US-Politik vor allem den Versuch, die Organisation finanziell und politisch unter Druck zu setzen. Im Rahmen seiner „America First“-Strategie kürzte Trump die Finanzierungen zahlreicher UN-Organisationen drastisch oder stellte sie ein. Der Austritt der USA aus mehreren UN-Gremien hat zudem das Vertrauen in die Vereinten Nationen beeinträchtigt. Im UN-Sicherheitsrat erschwerten zudem harte Forderungen und Vetodrohungen der ständigen Mitglieder die Verlängerung von Mandaten für Einsätze, so die Friedensforscher.

Ein Beispiel hierfür ist die seit 1978 bestehende UN-Friedensmission UNIFIL im Libanon. Die sonst übliche Mandatsverlängerung scheiterte 2025 vor allem am Widerstand der USA. Gemeinsam mit Israel forderten sie ein Ende der Mission, die nun im Dezember 2026 ausläuft. Aktuell sind laut UN mehr als 7.500 Blauhelmsoldaten aus rund 50 Ländern im Einsatz. Israel und die USA bewerten den Einsatz jedoch als ineffektiv. Welche Maßnahmen nach UNIFIL folgen, ist derzeit noch unklar.

Regionale Initiativen und neue Herausforderungen

Seit 2014 wurden laut Sipri keine neuen UN-geführten Friedensmissionen mehr beschlossen. Stattdessen haben sich regionale Initiativen herausgebildet. Diese kämpfen jedoch ebenfalls mit Finanzierungsproblemen und komplexen Entscheidungsprozessen aufgrund geopolitischer Rivalitäten – etwa im Sudan und in der Ukraine. „Regionalen Organisationen fehlen wichtige Kompetenzen für eine erfolgreiche, integrierte Friedenskonsolidierung“, erläuterte Sipri-Forscherin Claudia Pfeifer Cruz. Der Rückgang der UN-Missionen hinterlasse daher eine „wachsende Lücke, die von alternativen Modellen nicht ausgeglichen werden kann“.

Eine Folge der sinkenden Unterstützung für die Vereinten Nationen sei laut den Forschern, dass internationale Krisen immer häufiger außerhalb klassischer multilateraler Einsätze behandelt werden. Statt gemeinsamer Friedensmissionen gebe es vermehrt einseitige oder bilaterale Lösungen sowie kurzfristige Absprachen. Diese seien „häufig stärker militarisiert und stärker von den Eigeninteressen der beteiligten Staaten geprägt“, heißt es im Sipri-Bericht.

Dennoch geben die Friedensforscher auch Anlass zur Hoffnung: „Ein Zusammenbruch der multilateralen Konfliktbewältigung ist nicht zwangsläufig“, betonte Claudia Pfeifer Cruz. Dafür müssten die Staaten jedoch ihre finanzielle Unterstützung erhöhen und größeren „politischen Handlungsspielraum“ schaffen.