Langjährige Allianz auf dem Prüfstand: Wie der Iran-Krieg die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien belastet
Der Krieg im Iran bringt die Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien ins Wanken. Riad verweigert die Unterstützung für einen US-Militäreinsatz und setzt damit eine jahrzehntelang gewachsene Allianz unter Druck.
Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar durchlaufen die traditionellen Bündnisse in der Golfregion eine ernsthafte Belastungsprobe. Besonders das Verhältnis zwischen Washington und Riad gerät zunehmend unter Spannung. Im Verlauf des Konflikts wurden die Golfstaaten, die zahlreiche US-Truppen beherbergen, mehrfach Ziel iranischer Angriffe.
US-Präsident Donald Trump bezeichnete Saudi-Arabiens Kronprinzen Mohammed bin Salman einst als „fantastischen Kerl“. Heute hingegen kritisiert er ihn offen: „Er sollte lieber freundlich zu mir sein“, so Trump zu Beginn des Krieges, und fügte hinzu, der Kronprinz hätte nicht erwartet, sich derart bei ihm einschmeicheln zu müssen. Bei der Abwehr iranischer Raketen kamen vor allem US-Abfangraketen zum Einsatz. Saudi-Arabien möchte jedoch eine weitere Verwicklung in den Konflikt vermeiden. Droht nun das Ende der einst engen Verbündeten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Was verbindet die USA und Saudi-Arabien?
Die Vereinigten Staaten und das islamisch-konservative Königreich sind seit Jahrzehnten enge Partner. Besonders die militärische Kooperation gilt als zentraler Pfeiler ihrer Beziehung. Die USA unterhalten mehrere Militärstützpunkte in Saudi-Arabien, darunter den größten Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan, an dem etwa 2.000 US-Soldaten stationiert sind.
Während Washington Saudi-Arabien militärisch schützt, bleibt das Königreich als bedeutender Ölproduzent, regionaler Machtfaktor und wichtiger Investor in den USA von großer Bedeutung für amerikanische Interessen. Die USA sichern Saudi-Arabien insbesondere gegen Bedrohungen durch den Iran und verbündete Gruppen wie die Huthi im Jemen ab.
Was genau ist geschehen?
Ursprünglich wollte Trump in der Straße von Hormus Stärke demonstrieren. Diese Passage ist ein entscheidender Transportweg für den Export von Öl und Flüssiggas und somit für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung. Seit Kriegsbeginn hat der Iran die Schifffahrt dort durch Angriffe und Drohungen nahezu lahmgelegt.
Am Montag starteten die USA das „Projekt Freiheit“, um die stark eingeschränkte Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr freizugeben. Doch nur rund einen Tag später kündigte Trump überraschend an, den Einsatz „für kurze Zeit“ auszusetzen. Nicht der Gegner aus Teheran stoppte die Initiative, sondern offenbar der Widerstand der engsten Golf-Alliierten.
Trumps Rückzug erfolgte, nachdem Saudi-Arabien den USA untersagte, einen Luftwaffenstützpunkt sowie den saudischen Luftraum zur Unterstützung des Projekts zu nutzen, berichtete der Sender NBC News unter Berufung auf zwei US-Beamte. Diese Entwicklung stellt eine ernste Belastung für die Beziehungen dar: Ohne saudische Häfen und Stützpunkte ist die US-Militärpräsenz in der Region stark eingeschränkt. Laut dem „Wall Street Journal“ hat die amerikanische Initiative den größten Konflikt in den militärischen Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien seit Jahren ausgelöst.
Welche Konfliktpunkte bestehen zwischen Saudi-Arabien und den USA?
Obwohl Saudi-Arabien über Jahrzehnte der wichtigste Sicherheits- und Energielieferant der USA in der Region war, wächst nun das gegenseitige Misstrauen. Saudi-Arabien fühlt sich in Entscheidungsprozessen der USA oft übergangen und nicht ausreichend eingebunden.
Unter Kronprinz Mohammed bin Salman verfolgt Riad eine „Saudi First“-Strategie. Das Land will seine wirtschaftliche Umgestaltung („Vision 2030“) nicht durch einen Flächenbrand gefährden, den man als von den USA provoziert ansieht. Die USA hingegen sind enttäuscht über die fehlende Unterstützung ihrer wichtigsten arabischen Verbündeten. Das frühere Vertrauen ist beschädigt, und Experten beschreiben die aktuellen Beziehungen als nüchterner und weniger loyal.
Wie wirkt sich der Iran-Krieg auf die Partnerschaft aus?
Der Konflikt verstärkt die Entfremdung zwischen den Partnern. Der Iran hat bereits mehrfach US-Stützpunkte in den Golfstaaten und im bedeutenden Königreich angegriffen. Die Attacken auf die Prinz Sultan Air Base in Riad verdeutlichen Saudi-Arabien, dass es selbst zur Zielscheibe wird, wenn es den USA militärischen Handlungsspielraum gewährt.
In der Haltung gegenüber dem Iran zeigen sich zunehmende Differenzen. Während die USA verstärkt auf militärische Abschreckung und Eskalationsbereitschaft setzen, strebt Saudi-Arabien eine Deeskalation an. Riad versucht, Neutralität zu wahren, um eine tiefere Verwicklung zu vermeiden. Entscheidungen orientieren sich stärker an den eigenen Sicherheitsinteressen und nicht automatisch an US-Positionen. Strategische Kooperationen bestehen jedoch weiterhin.
Nach Angaben des „Wall Street Journal“ haben Saudi-Arabien und Kuwait ihre Beschränkungen für das US-Militär inzwischen aufgehoben. Im Fall Saudi-Arabiens war dies das Ergebnis mehrerer Telefonate zwischen Trump und dem Kronprinzen.
Welche Konsequenzen hat das für die US-Militärpräsenz in der Region?
Fachleute sehen das Ende der uneingeschränkten US-Vorherrschaft im Nahen Osten. Saudi-Arabien orientiert sich zunehmend multilateral und bezieht Vermittler wie Pakistan oder China mit ein, um einen Ausweg aus der Eskalationsspirale mit dem Iran zu finden. Die US-Regierung muss akzeptieren, dass ihre Golfpartner nicht mehr automatisch jede militärische Initiative mittragen, wenn ihre eigene nationale Sicherheit unmittelbar betroffen ist.