Koalition erzielt Einigung auf umfangreiches Reformpaket – Ergebnisse morgen früh
Entgegen der Erwartungen fand keine Nachtsitzung statt: Die Führungsspitzen von Union und SPD haben sich im Koalitionsausschuss auf mehrere Reformvorhaben verständigt. Konkrete Details liegen derzeit noch nicht vor; die Ergebnisse werden am Morgen vorgestellt.
Der Koalitionsausschuss im Kanzleramt endete am Mittwochabend nach rund acht Stunden Beratungen. CDU und SPD kündigten an, dass die Spitzen von CDU, CSU und SPD am Donnerstag um 9:00 Uhr die Ergebnisse präsentieren werden. Offiziell wurden zunächst keine Aussagen zu möglichen Einigungen bei den zentralen Reformprojekten gemacht. Nach Angaben aus Koalitionskreisen in der Nacht gab es jedoch eine Übereinkunft bezüglich einer Einkommensteuerreform sowie eines Wachstums- und Beschäftigungspakets.
Monatelang haben die Koalitionspartner an einem umfassenden Reformpaket gearbeitet, das die sozialen Sicherungssysteme stärken, steuerliche Entlastungen für Bürger bieten und die stagnierende deutsche Wirtschaft beleben soll. Die endgültigen Beschlüsse sollten bei dem Treffen im Kanzleramt gefasst werden. Die Ansetzung einer Pressekonferenz deutet darauf hin, dass eine Einigung erzielt wurde. Offene Fragen betreffen nun das Ausmaß des Reformpakets, das Bereiche wie Steuern, Rente, Gesundheit, Pflege, Arbeitsmarkt und Bürokratieabbau umfassen soll.
Die Einkommensteuerreform als größter Verhandlungspunkt
Erste Maßnahmen wurden bereits vor dem Treffen im Kanzleramt eingeleitet. Das Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung befindet sich bereits im parlamentarischen Verfahren. Bei der Rentenreform herrscht Einigkeit zwischen Union und SPD, die Vorschläge einer eigens dafür eingesetzten Kommission aus Politikern und Experten unverändert umzusetzen. Für Donnerstag wird die Vorlage eines Zeitplans erwartet.
Der bedeutendste Verhandlungspunkt war die Reform der Einkommensteuer. Die Koalition plant, ab dem 1. Januar 2027 insbesondere kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Eine zentrale Frage betrifft die Gegenfinanzierung: Je höher die Entlastungen ausfallen, desto größer sind die Kosten der Reform. Die SPD setzte sich für eine Anhebung des Spitzensteuersatzes und der Erbschaftsteuer ein, was von der Union abgelehnt wurde. Ebenfalls diskutiert wurden eine Erhöhung der Reichensteuer, eine Mehrwertsteuersteigerung, Subventionskürzungen sowie Einsparungen im Haushalt.
Problemlos verliefen die Vorbereitungen zum Bürokratieabbau. Die Koalition wird voraussichtlich eine Vielzahl von Maßnahmen in diesem Bereich vorstellen. „Meine Erwartung ist, dass wir einen bedeutenden Fortschritt bei der Modernisierung unseres Landes erzielen“, erklärte Merz kurz vor der Spitzenrunde zum Gesamtpaket. Zu diesem Zeitpunkt war bereits von etwa 30 vereinbarten Punkten die Rede.
Merz betont: Kein „Big Bang“ erwartet
Merz formulierte das Ziel, „alles dafür zu tun, damit private Haushalte konsumieren können und gleichzeitig die Industrie investitionsfähig bleibt.“ Zugleich betonte er, dass es keinen abrupten „Big Bang“ geben werde. Bereits in den vergangenen Wochen hatte er mehrfach darauf hingewiesen, dass der Reformprozess auch nach diesem Sommer fortgesetzt wird.
Das Reformpaket besitzt für das schwarz-rote Regierungsbündnis große Bedeutung. Bereits kurz nach Ostern gab es einen ersten Versuch, ein umfangreicheres Paket zu schnüren. Union und SPD verhandelten ein ganzes Wochenende in der Villa Borsig an einem Berliner See – doch die Gespräche scheiterten im Streit. Anschließend kam es zu Spannungen in der Koalition, und die Umfragewerte der Regierungsparteien sanken weiter.