Kanzleramtschef startet früh: Attestpflicht ab erstem Krankheitstag – „Das ist nicht zu viel verlangt“
Die Bundesregierung beabsichtigt, dass Arbeitnehmer künftig schon ab dem ersten Tag ihrer Erkrankung ein ärztliches Attest vorlegen müssen. Die bisher mögliche telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Kanzleramtschef Thorsten Frei verteidigt diese Pläne und weist den Vorwurf zurück, dadurch unnötige Bürokratie zu schaffen.
Thorsten Frei, Kanzleramtsminister, verteidigte im ntv-Interview die geplante Wiedereinführung der Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag. Angesichts der stark gestiegenen Fehlzeiten sprach er sich dafür aus, Krankmeldungen wieder konsequent durch ärztliche Bescheinigungen absichern zu lassen. „Uns ist wichtig, dass diejenigen, die tatsächlich krank sind, dies auch vom Arzt bestätigt bekommen. Das halte ich für eine angemessene Forderung“, erklärte der CDU-Politiker.
Den Einwand, die Maßnahme widerspreche dem Ziel, Bürokratie abzubauen, wies Frei zurück. Man kehre lediglich zu den Regelungen vor der Corona-Pandemie zurück. Für die Umsetzung werde eine „unbürokratische Lösung“ angestrebt.
Warnungen von Hausärzten vor überlasteten Praxen ließ Frei nicht gelten. Er betonte, dass die Arztpraxen in der Vergangenheit mit solchen Situationen „sehr gut zurechtgekommen“ seien. Sollte es dennoch zu Engpässen kommen, bestehe „immer die Möglichkeit, nachzusteuern“.
„Ich unterstelle nichts“
Frei verwies zugleich auf die Entwicklung der Krankmeldungen in Deutschland. Er gehe grundsätzlich davon aus, „dass jeder, der nicht zur Arbeit kommt, auch tatsächlich krank ist“. Allerdings liege die Anzahl der Krankheitstage hierzulande etwa doppelt so hoch wie in Frankreich und habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Auf die Frage, wie viele Beschäftigte seiner Ansicht nach unberechtigt fehlen, wollte Frei keine konkrete Einschätzung abgeben: „Darüber möchte ich nicht spekulieren.“ Auffällig sei jedoch, dass besonders zu Wochenbeginn und vor dem Wochenende vermehrt Krankmeldungen eingehen. „Das lässt sich meiner Meinung nach nicht rein medizinisch erklären“, so der CDU-Politiker.
Den Vorwurf, er unterstelle den Beschäftigten, sie würden „Blaumachen“, wies er zurück: „Ich unterstelle nichts, ich analysiere lediglich die vorliegenden Zahlen.“
Details zur konkreten Ausgestaltung der Regelung ließ Frei offen. SPD-Chef Lars Klingbeil hatte im RTL/ntv-Interview erklärt, niemand müsse zum Arzt gehen, wenn er wirklich krank sei. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte, dass bestehende Regelungen in Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen und Arbeitsverträgen weiterhin gelten. Auch Frei kündigte eine „pragmatische Lösung“ an, bei der „Tarifpartnern und Unternehmen vor Ort viele Freiräume eingeräumt werden“.
Das Hauptziel der Reform bei Krankmeldungen sei eine Steigerung der Arbeitsleistung: „Tatsächlich müssen wir das Arbeitsvolumen erhöhen. Das ist eines von mehreren Mitteln, mit denen wir das erreichen wollen“, erläuterte Frei.