Kampfsport vor dem Weißen Haus: Bitte nicht politisch interpretieren!
Käfigkämpfe direkt vor dem Weißen Haus – mit dieser Vorstellung hätte kaum jemand gerechnet. UFC-Chef Dana White versucht, den Eindruck zu entkräften, dass das Event eine politische Botschaft trägt. Dennoch liefert US-Präsident Trump seinen Kritikern regelmäßig Anlass zur Debatte.
Donald Trump feiert seinen Geburtstag auf besondere Weise: Gemeinsam mit der Mixed-Martial-Arts-Organisation UFC veranstaltet er auf dem Südrasen des Weißen Hauses ein Kampfsport-Spektakel. Neben Golf zählt MMA zu Trumps liebsten Sportarten. Ob eine riesige Bühne im Vorgarten gerechtfertigt ist und ob das Ganze politisch aufgeladen ist, lässt der Veranstalter außen vor.
Justin Gaethje, einer der Hauptkämpfer am 14. Juni, äußerte sich im Interview mit Fox News deutlich: „Wer glaubt, die Kämpfe sollten nicht vor dem Weißen Haus stattfinden, ist ein Verlierer.“ Auf diese Aussage angesprochen, erklärte UFC-Präsident Dana White gegenüber Medien: „Das ist etwas hart formuliert.“ Dennoch sei es „unmöglich, manche davon zu überzeugen, dass das Event keine politische Dimension hat. Schließlich feiern wir den 250. Geburtstag Amerikas.“ White betonte: „Ich liebe dieses Land genauso wie jeder auf der linken Seite und genauso wie jeder auf der rechten Seite.“ Er investiere lediglich viel Geld, um gemeinsam mit den USA und der Welt den 250. Jahrestag zu zelebrieren.
In Washington seien zudem zahlreiche Veranstaltungen bis zum 4. Juli geplant, um dieses Jubiläum zu würdigen. „Ich frage mich, wie viele Menschen dagegen klagen und finden, dass sie nicht stattfinden sollten.“
Sportlich betrachtet ist das UFC-Event vor allem ein Fitness-Workout vor dem Thomas-Jefferson-Memorial. Zum ersten Mal findet ein Sportereignis auf dem Gelände des Weißen Hauses statt. Die Symbolkraft des Ortes lässt sich dabei nicht leugnen: Der Amtssitz des US-Präsidenten steht für die Demokratie des amerikanischen Volkes, aber auch für Macht. Bei Widerstand wird oft mit Nachdruck reagiert.
Auf eine Klage, die bemängelt, dass das Event vor allem die Marke UFC und Trumps 80. Geburtstag feiern soll, reagierten Trumps Anwälte prompt. Die Klage sei zu spät eingereicht, um die Veranstaltung noch zu verhindern. „Niemand zwingt die Kläger, UFC Freedom 250 gegen ihren Willen zu verfolgen.“ Das öffentliche Interesse spreche gegen eine Zustimmung zur Klage. Die Anliegen der Kläger seien rein ästhetischer Natur und rechtfertigten weder den Aufwand noch die Kosten.
Vom Lincoln Memorial zum Weißen Haus
Juristisch wird auf allen Ebenen argumentiert. Zudem würde eine Verzögerung die Gesundheit der Kämpfer gefährden, so die Anwälte. „Übermäßiges Abnehmen kann zu Hitzeschäden, Harnwegs- und Nierenproblemen bis hin zum Nierenversagen und Krampfanfällen führen“, heißt es in ihrer Stellungnahme. Dieses Argument trifft jedoch nur bedingt zu, da die Athleten ohnehin die strapaziöse Gewichtsreduktion durchlaufen und den Risiken ausgesetzt sind. Eine Prozessunterbrechung würde das Risiko eher erhöhen.
Vielleicht ist das Weiße Haus nur der Anfang: Vor dem Lincoln Memorial findet das offizielle Wiegen statt. Die Kläger befürchten, dass das Event eine Tür öffnet, um künftig nationale Denkmäler als Werbeflächen zu nutzen. Wenn man Trump über die Bühne namens „Die Klaue“ sprechen hört, scheint das in seiner Amtszeit nicht ausgeschlossen. Er verglich die Konstruktion sogar mit dem Eiffelturm und scherzte, man könne sie stehen lassen.
Kritiker sehen in der Inszenierung eine Form des Sportswashing, mit dem von Trumps politischem Fehlverhalten im Iran-Konflikt abgelenkt werden soll. Bislang bleibt das Event in Washington weitgehend unpolitisch. Kämpfer und Veranstalter stellen den Sport und die USA in den Mittelpunkt. Craig Borsari, der für die Eventproduktion verantwortlich ist, sagte: „Wir haben eine einzigartige Chance, unser Land und unsere Athleten zu feiern.“ Man habe viel geplant, um genau das zu vermitteln. Diese Gelegenheit hätte man „zu 100 Prozent“ auch genutzt, wenn ein demokratischer Präsident die Veranstaltung eröffnet hätte.
Ob das Event einen politischen Beigeschmack bekommt, wird sich möglicherweise schon am Samstag zeigen. Beim Fan-Fest im Ellipse Park werden 85.000 vorregistrierte Fans erwartet. Aus MMA könnte schnell MAGA werden. Entscheidend wird sein, wie Trump auftritt, was er sagt, an wen er sich richtet und ob er politische Spitzen oder Botschaften einfließen lässt.