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Juso-Chef kritisiert Abkehr vom Acht-Stunden-Tag im Koalitionsvertrag als „Frechheit“

Steht im Koalitionsvertrag: Juso-Chef zu Abkehr von Acht-Stunden-Tag: "Frechheit"

Der traditionelle Acht-Stunden-Tag soll bald der Vergangenheit angehören: Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD stattdessen auf eine wöchentliche Arbeitszeitregelung verständigt. Dagegen erhebt Juso-Chef Philipp Türmer deutliche Einwände. Auch Arbeitsministerin Bärbel Bas distanziert sich von diesen Plänen.

Türmer wirft Bundeskanzler Friedrich Merz vor, mit der geplanten Einführung der Wochenarbeitszeit die Interessen der Beschäftigten zu ignorieren. „Den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen, ist kein Zeichen des Fortschritts, sondern eine Frechheit“, erklärte Türmer gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

„Wir sprechen hier von Menschen, die nach langen Doppelschichten kaum Erholung finden, die nach jahrzehntelanger körperlicher Arbeit mit gesundheitlichen Schäden in den Ruhestand gehen und die täglich für andere im Einsatz sind“, betonte Türmer weiter. „Die maximale Arbeitszeit schützt Beschäftigte davor, mit 50 Jahren ausgebrannt oder körperlich kaputt zu sein und arbeitsunfähig zu werden.“

Merz solle seiner Meinung nach selbst mehr Verantwortung übernehmen. „Angesichts der zahlreichen Fehler, die seine Regierung derzeit begeht, sollte er diese Maßstäbe zuerst an sich selbst anlegen“, so der Juso-Chef.

Arbeitsministerin Bas möchte das Thema ungern aufgreifen

Union und SPD planen, anstelle des etablierten Acht-Stunden-Tags eine wöchentliche Arbeitszeitregelung einzuführen. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: „Zur konkreten Ausgestaltung werden wir einen Dialog mit den Sozialpartnern führen.“ Der Acht-Stunden-Tag ist in Deutschland seit 1918 gesetzlich verankert. Das Arbeitszeitgesetz schreibt aktuell vor: „Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten.“ Nur in Ausnahmefällen sind bis zu zehn Stunden täglich erlaubt.

Arbeitsministerin Bärbel Bas äußerte sich am Dienstag zurückhaltend zur Abschaffung des Acht-Stunden-Tags. „Wenn es nach der SPD und mir persönlich geht, würden wir das Thema am liebsten gar nicht anpacken, aber es steht im Koalitionsvertrag“, sagte Bas, die zugleich SPD-Vorsitzende ist. Auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes appellierte sie, gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften eine Lösung zu finden. DGB-Chefin Yasmin Fahimi wies Merz auf dem Kongress darauf hin, dass viele Arbeitnehmer befürchten, dass die Reformen letztlich zu Einschnitten und Kürzungen führen könnten, „die aus unserer Sicht eine einseitige Belastung und den Abbau von Schutzrechten bedeuten“.