Audimax » Politik » In Deutschland außer Dienst, in der Ukraine unverzichtbar im Einsatz

In Deutschland außer Dienst, in der Ukraine unverzichtbar im Einsatz

In Deutschland ausgemustert, in der Ukraine unverzichtbar

Seit 2022 sind Gepard-Flugabwehrpanzer in der Ukraine aktiv im Einsatz. In dieser Zeit haben sie tausende russische Angriffsziele vernichtet und viele Leben gerettet. Trotz der fortschreitenden Entwicklung russischer Drohnen kann die bewährte Technik weiterhin mithalten.

Im Jahr 2012 endete in Deutschland eine bedeutende Ära: Nach jahrzehntelangem Dienst wurden die letzten Gepard-Flugabwehrpanzer der Bundeswehr außer Dienst gestellt. In den Niederlanden geschah dies sogar noch einige Jahre früher. Die Gründe dafür waren vielfältig: veraltete Technik, hohe Kosten und eine als gering eingeschätzte Bedrohungslage. Dass die Gepard-Panzer später in einem modernen Konflikt eine wichtige Rolle spielen würden, konnte damals niemand ahnen. Doch mit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 gewann das schwere Gerät vom Hersteller Krauss-Maffei Wegmann wieder an Bedeutung.

Obwohl der Gepard in Deutschland entwickelt und gefertigt wurde, war er auch in anderen Ländern ein zentraler Bestandteil der Flugabwehr. „Drago“ führt einen der niederländischen PRTL-Varianten (Spitzname Cheetah). Diese Modelle verfügen unter anderem über ein anderes Radarsystem.

Im Kommandostand des Panzers dominieren ältere technische Elemente, die an frühere Jahrzehnte erinnern. Es gibt nur wenige Bildschirme, stattdessen sind zahlreiche Schalter und Knöpfe vorhanden. An den Innenwänden finden sich Beschriftungen in niederländischer sowie deutscher Sprache. Ein kleines Schild weist darauf hin, dass der Panzer 1998 bei der Firma Wegmann in Kassel überholt wurde.

Die niederländische Regierung verkaufte ab 2013 insgesamt 60 Cheetah-Panzer an Jordanien. Im Jahr 2023 setzten sich die USA dafür ein, dass diese Fahrzeuge in die Ukraine geliefert werden. Das Land wird seit Jahren nahezu jede Nacht von intensiven russischen Luftangriffen heimgesucht.

Wie bei der Jagd

Entscheidend für den Abschuss eines Luftziels ist beispielsweise die Windgeschwindigkeit. Fehlen korrekte Angaben, sinkt die Trefferwahrscheinlichkeit auf etwa 50 Prozent. Das Bekämpfen von Drohnen beschreibt der Kommandeur als eine Art Jagd: „Hat man das Ziel erfasst, will man es unbedingt ausschalten.“ Bei massiven russischen Luftangriffen kann die Besatzung in einer einzigen Nacht mehrere Ziele zerstören.

Neben „Drago“ sind stets zwei weitere Soldaten in unmittelbarer Nähe des Cheetahs: der Fahrer und der Richtkanonier. Das Trio steht sieben Tage die Woche rund um die Uhr bereit und schläft sogar neben dem Panzer. Freizeit bleibt kaum.

Dass der Gepard in Deutschland und anderen Ländern einst ausgemustert wurde, überrascht „Drago“ nicht. „Früher dachte man noch an klassische militärische Konflikte und nicht an Drohnen.“ Seit 2022 habe sich die Lage jedoch grundlegend geändert. Der Cheetah sei ein hervorragender Flugabwehrpanzer – besonders für seine Zeit.

Würde man heute eine moderne Version für das 21. Jahrhundert entwickeln, müsste sie autonom funktionieren, meint der Kommandeur – also selbstständig als Bodendrohne fahren können. Zielerfassung und Waffenbedienung könnten dann ferngesteuert erfolgen, was den Personalbedarf deutlich senken würde. Im Notfall kann der Cheetah von nur einem Soldaten zur Position gebracht, das Ziel erfasst und abgeschossen werden. Das sei allerdings sehr anspruchsvoll, erklärt „Drago“.

Nach Angaben der Soldaten benötigt der Panzer kaum Reparaturen. Größere Instandhaltungen übernimmt eine Reparaturbrigade. Kleinere Reparaturen erledigen die drei Soldaten vor Ort selbst, ein Auslandseinsatz zur Wartung ist nicht nötig.

Mehr Gepard-Panzer für den Luftschutz erforderlich

Die Ukraine hat mindestens 60 Gepard-Flugabwehrpanzer aus Deutschland erhalten. Zusätzlich kommen die niederländischen Cheetahs über die USA aus Jordanien. Laut einem Bericht von „L’Echo“ aus dem April plant Belgien, 15 Gepard-Panzer von einem privaten Unternehmen zu erwerben und nach Überholung bereitzustellen.

Der Gepard kann Luftziele in einer Entfernung von etwa fünf Kilometern bekämpfen. Um ein großes Land wie die Ukraine effektiv vor Drohnenangriffen zu schützen, wäre eine deutlich höhere Anzahl an Fahrzeugen notwendig. Neben Rumänien setzt beispielsweise auch Brasilien noch Gepard-Panzer ein.

(Übersetzungen: Oleksiy Obolenskyj)