Greift Teheran einen Touristenort an? Iranische Behörde berichtet von US-Angriff auf geplantes Atomkraftwerk
Die Spannungen im Nahen Osten nehmen weiter zu. Während Israel von einem iranischen Angriff auf die jordanische Küstenstadt Akaba berichtet, verurteilt die iranische Atomenergieorganisation einen „aggressiven und brutalen Angriff“ der USA auf eine Baustelle für ein Atomkraftwerk.
Nach iranischen Angaben haben US-Streitkräfte ein im Bau befindliches Atomkraftwerk im Südwesten Irans attackiert. Die iranische Atomenergieorganisation erklärte, dass die Anlage Darchowin mit mehreren Geschossen unter Beschuss genommen wurde.
In einer vom staatlichen Fernsehen verbreiteten Mitteilung verurteilte die Organisation den Angriff als einen „aggressiven und brutalen Akt“, der gegen internationales Recht verstoße. Bisher wurden keine Angaben zu möglichen Schäden, Verletzten oder einer Freisetzung radioaktiver Stoffe gemacht.
Ende 2022 hatte der Iran mit dem Bau des AKW-Standorts Darchowin an der Grenze zum Irak begonnen. Der Druckwasserreaktor in der Provinz Chusestan soll eine Leistung von 300 Megawatt erreichen. Die Planung für das Kraftwerk in der Nähe des großen Flusses Karun begann bereits vor über 15 Jahren, nachdem frühere Projekte mit internationalen Partnern gescheitert waren. Nach aktuellem Zeitplan soll das Kraftwerk bis etwa 2030 fertiggestellt werden.
Kuwait berichtet von Angriff
Eine offizielle Stellungnahme der USA steht bislang aus. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) untersucht Berichte über einen nächtlichen Angriff auf die Baustelle in Darchowin. Laut IAEA befindet sich die Anlage noch in einem sehr frühen Bauabschnitt und es wurde bei der letzten Inspektion kein nukleares Material festgestellt.
Der von Teheran gemeldete Angriff ereignete sich vor dem Hintergrund der in den letzten Tagen wieder eskalierenden Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran. Zuletzt hatten Angriffe des Iran am Wochenende zum Tod von zwei US-Soldaten geführt und die Spannungen weiter verschärft.
In Kuwait löste ein neuer iranischer Angriff auf eine Strom- und Wasseraufbereitungsanlage ein Feuer aus. Das Ministerium für Strom, Wasser und erneuerbare Energien Kuwaits erklärte via X, dass die Anlage „zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen infolge der abscheulichen iranischen Aggression“ angegriffen worden sei. Die Feuerwehr arbeitet derzeit an der Brandbekämpfung.
Behörden zufolge waren zahlreiche Stromgeneratoren betroffen, weshalb ein Notfallplan aktiviert wurde. Zudem wurde am Samstag eine Ölanlage getroffen. Die Regierung des Golfstaats rief die Bevölkerung dazu auf, den Stromverbrauch zu reduzieren.
Raketenangriff auf Akaba?
Nach Angaben der israelischen Armee hat der Iran zudem die jordanische Küstenstadt Akaba am Roten Meer beschossen. Die israelischen Streitkräfte beobachteten Raketen aus dem Iran, die auf die Stadt abgefeuert wurden, die nur wenige Kilometer von der israelischen Grenze entfernt liegt. Es sei möglich, dass die Auswirkungen des Angriffs auch in Israel spürbar werden. In mehreren Regionen Jordaniens ertönten Warnsirenen, berichtete der regierungsnahe Fernsehsender Al-Mamlaka.
Nach Angaben der US-Botschaft wurde der Flughafen und Hafen in Akaba evakuiert. Die Evakuierung wird von den jordanischen Behörden durchgeführt und basiert auf einer „konkreten und glaubwürdigen Bedrohung“. Reisenden wird von der Nutzung des internationalen Flughafens und des Hafens abgeraten.
Jordaniens Kommunikationsminister Mohammed al-Mumani widersprach jedoch und erklärte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Petra, dass keine Evakuierungsanordnung für Flughafen oder Hafen vorliege. Der Betrieb laufe normal, was auch der Fernsehsender Al-Mamlaka bestätigte.
Später wurde von den jordanischen Streitkräften mitgeteilt, dass drei iranische Raketen abgefangen wurden, die auf das Königreich abgefeuert worden seien. Eine vierte Rakete sei in einem abgelegenen Gebiet eingeschlagen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Jordaniens. Es gab keine Verletzten oder Sachschäden, so ein Militärsprecher.
Akaba liegt an einem kurzen Küstenabschnitt am Roten Meer und grenzt im Westen an Israel sowie im Süden an Saudi-Arabien. Die einzige jordanische Küstenstadt sichert dem Land den direkten Zugang zu wichtigen Seewegen. Zudem ist die Stadt bei Strandurlaubern und Tauchern beliebt und dient als Ausgangspunkt für touristische Ausflüge in die Wüste Wadi Rum und zur antiken Felsenstadt Petra.