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Gewalt eskaliert: Erkenntnisse zu den Krawallen nach der Messerattacke in Belfast

Gewalt außer Kontrolle: Was über die Krawalle nach der Messerattacke in Belfast bekannt ist

Sirenen heulen, Feuer lodert, schwarzer Rauch steigt auf: In Belfast kam es in der Nacht nach einem brutalen Messerangriff zu schweren Ausschreitungen. Die Aggression der Gewalttäter richtete sich gezielt gegen Zuwanderer – ein Ereignis vor dem Hintergrund zunehmender rassistischer Spannungen in Großbritannien. Auch am folgenden Tag zeigten Aufnahmen zerstörte Straßen. Das ist bisher über die Vorfälle bekannt – und was noch unklar bleibt.

Was geschah bei den Krawallen?

Am Dienstagabend versammelten sich maskierte Gruppen an mehreren Orten in Belfast und setzten Wohnhäuser, einen Bus, Fahrzeuge sowie Barrikaden in Brand. Auf den Straßen attackierten sie gezielt Menschen mit ausländischem Erscheinungsbild und Wohnhäuser von Migranten. Familien mussten aus brennenden Gebäuden gerettet werden. Die nordirische Ministerpräsidentin Michelle O’Neill sprach gegenüber CNN von „Szenen unerhörter Brutalität“. Nach BBC-Berichten wurde eine seit 20 Jahren in Belfast lebende afrikanische Familie von maskierten Männern aus ihrem Haus vertrieben. Auch ein türkischer Friseursalon wurde demnach angegriffen. Zudem kam es zu Zusammenstößen zwischen den maskierten Gruppen und der Polizei.

Was löste die Krawalle aus?

Auslöser war ein brutaler Messerangriff, dessen Video online verbreitet wurde. Im Anschluss verbreiteten sich Gerüchte, ein Migrant habe einen Einheimischen beinahe getötet. Daraufhin richtete sich die Wut vieler Menschen gegen Zuwanderer.

„Viele sind wütend und tief erschüttert, was verständlich ist. Doch Gewalt dieser Art hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Meine Gedanken sind bei dem Verletzten, seinen Angehörigen und allen Betroffenen dieses schrecklichen Vorfalls“, erklärte O’Neill.

Was ist über den Messerangriff in Belfast bekannt?

Der Angriff, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde, fand am Montagabend gegen 22:30 Uhr Ortszeit im Stadtzentrum von Belfast statt. In einem im Netz kursierenden Video ist zu sehen, wie ein Täter mit einem Messer auf einem blutüberströmten Mann sitzt und ihn attackiert, offenbar mit dem Versuch, ihm die Kehle aufzuschlitzen. Zwischendurch hebt der Angreifer das Messer und ruft laut. Nach einiger Zeit näherten sich mehrere Passanten und Polizisten, um den Angreifer von seinem Opfer zu trennen. Am Tatort wurde ein Küchenmesser sichergestellt. Premierminister Keir Starmer verurteilte den Angriff als „entsetzlich“.

Was weiß man über das Opfer?

Das Opfer ist laut Berichten ein Mann in seinen Vierzigern. Er wurde mit schweren Verletzungen an Augen, Rücken und Gesicht ins Krankenhaus eingeliefert, so der stellvertretende Polizeichef Nordirlands, Ryan Henderson. Sein Zustand gilt weiterhin als ernst.

Was ist über den Täter bekannt?

Die Behörden identifizierten den Messerstecher als einen 30-jährigen Mann, der vermutlich aus dem Sudan stammt. Er war im Februar 2023 von Paris nach Dublin geflogen und anschließend nach Nordirland eingereist. Dort beantragte er Asyl und erhielt im September 2023 die Erlaubnis, bis 2028 im Vereinigten Königreich zu bleiben. Somit besitzt er einen legalen Aufenthaltsstatus in Nordirland. Der Mann befindet sich in Haft und soll wegen versuchten Mordes, Besitzes eines messerähnlichen Gegenstands in der Öffentlichkeit und Morddrohungen angeklagt werden. Ein Gerichtstermin ist noch am selben Tag geplant.

Hat die Tat einen terroristischen Hintergrund?

Nach Angaben von Henderson gibt es bislang keine Anzeichen für einen terroristischen Zusammenhang. Die Ermittlungen befinden sich jedoch noch in einem frühen Stadium. In den nationalen Sicherheitsdatenbanken finden sich keine Hinweise auf den Täter, der der Polizei Nordirlands bisher unbekannt war.

Wer sind die Randalierer?

Der Belfaster Stadtrat Carl Whyte erklärte gegenüber der BBC, die Randalierer seien „nicht an der Einwanderungsdebatte interessiert, sondern wollen Chaos stiften und Gewalt auf die Straßen bringen.“ Jon Burrows, Vorsitzender der Ulster Unionist Party, berichtete, dass es sich vor allem um junge Männer und Kinder unter 16 Jahren mit verhüllten Gesichtern gehandelt habe, die glaubten, es sei ihre patriotische Pflicht, einen Bus anzuzünden, um Wohnungen von Migranten aufzuspüren.

„Diese Szenen waren absolut erschütternd“, sagte Burrows, der eigenen Angaben zufolge am Abend selbst im Osten Belfasts vor Ort war. Polizeichef Jon Boutcher bezeichnete die gewalttätigen Ausschreitungen als „einen massiven Akt der Selbstzerstörung durch hirnlose Idioten, die damit nur ihre eigene Zukunft gefährden“.

Wer rief zu den Protesten auf?

Die nordirische Justizministerin Naomi Long machte in der BBC rechtsextreme „Akteure mit bösen Absichten“ dafür verantwortlich. „Wir haben gestern einen Ansturm rechtsextremer Kommentatoren in den sozialen Medien erlebt, die offensichtlich versuchten, rassistische Spannungen zu schüren und dabei ein narratives Bild im Zusammenhang mit Einwanderung konstruierten“, sagte sie in der Sendung „BBC Breakfast“.

Anti-Einwanderungs- und rechtsgerichtete Accounts sollen laut CNN das Video in den sozialen Netzwerken, besonders auf X, genutzt haben, um zu Protesten aufzurufen. Auch US-Milliardär Elon Musk, Eigentümer von X, habe zu Demonstrationen angestachelt und entsprechende Inhalte geteilt. „Nur durch wiederholten und lauten Protest wird sich etwas verändern!“, schrieb Musk auf X, als er einen landesweiten Aufruf von Tommy Robinson, einem umstrittenen Agitator mit Vorstrafen wegen Körperverletzung und illegaler Einreise in die USA, verbreitete.

Wie reagiert die Politik auf die Vorfälle und Unruhen?

Premierminister Keir Starmer und die nordirische Regierungschefin Michelle O’Neill verurteilten den Angriff scharf. Starmer bezeichnete den Messerangriff als „grauenhaft“ und „abscheulich“ und betonte, er habe „null Toleranz für solche abscheulichen Gewalttaten auf unseren Straßen“. O’Neill sprach von „widerlicher Feigheit“, da maskierte Gruppen Familien aus ihren Häusern vertrieben hätten. „Rassismus, Einschüchterung und Gewalt sind inakzeptabel, wo immer sie vorkommen“, schrieb sie auf X.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Polizei kündigte an, ihre Präsenz in Belfast in den kommenden Tagen zu verstärken, um alle Bewohner zu schützen. Sie appellierte an die Bevölkerung, sich nicht weiter aufstacheln zu lassen und das Video nicht weiter zu verbreiten. Polizeichef Boutcher forderte alle Gesellschaftsmitglieder auf, gemeinsam gegen weitere Ausschreitungen vorzugehen. Dennoch scheint die Gewalt in einigen Teilen Belfasts außer Kontrolle geraten zu sein.