Frankreich fordert UN-Sicherheitsrat: Netanjahu intensiviert Bodenoffensive im Libanon
Israel setzt seine militärischen Maßnahmen gegen die Hisbollah im Libanon fort. Ministerpräsident Netanjahu hat nun die Ausweitung der Bodenoffensive angeordnet. Frankreich fordert deshalb eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.
Benjamin Netanjahu, der israelische Ministerpräsident, gab den Befehl zur Erweiterung der Bodenoperationen im Libanon. Trotz einer vor über sechs Wochen vereinbarten Waffenruhe rückten israelische Truppen weiter in den Norden vor und sicherten sich die historische Festung Beaufort sowie die strategisch bedeutende Hügelkette, teilte die Armee mit. Gleichzeitig rief Frankreich zu einer außerordentlichen Sitzung des UN-Sicherheitsrats auf.
Die israelischen Streitkräfte bewegen sich nun vom Litani-Fluss aus in Richtung des etwa zehn Kilometer nördlich gelegenen Zaharani-Flusses vor. Bisher kontrollierten sie das Gebiet bis zum Litani und forderten die Bevölkerung südlich des Zaharani erneut zur Evakuierung auf.
Dieser Vorstoß folgt intensiven Angriffen auf den Norden Israels durch die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz. Aufgrund der Raketen- und Drohnenangriffe wurden in Israel Schulen geschlossen und das öffentliche Leben eingeschränkt. Netanjahu erklärte, er habe das Militär angewiesen, die Bodenoffensive auszuweiten, um den Druck auf ehemals von der Hisbollah beherrschte Gebiete zu erhöhen.
„Die Macht der Hisbollah zerschlagen“
Verteidigungsminister Israel Katz betonte, dass die Soldaten die Festung Beaufort als Teil einer Sicherheitszone im Südlibanon halten würden. Der Feldzug sei noch nicht beendet; man sei entschlossen, die Macht der Hisbollah zu brechen, sagte er. Bei dem Einsatz wurde laut Armeeangaben ein israelischer Soldat getötet.
Die militärische Eskalation ereignete sich trotz diplomatischer Bemühungen in Washington. Dort hatten die USA am Freitag Vertreter Israels und des Libanon empfangen, um über einen Friedensplan und die Entwaffnung der Hisbollah zu verhandeln. Am 15. Mai verlängerten beide Seiten die Waffenruhe um 45 Tage.
Seit dem Eintritt der Hisbollah in den Konflikt mit dem Iran am 2. März sind laut libanesischer Regierung mehr als 3.370 Menschen ums Leben gekommen. Auf israelischer Seite starben im gleichen Zeitraum 24 Soldaten und 4 Zivilisten. Zudem wurden über 1,2 Millionen Libanesen sowie Zehntausende Israelis aus dem Grenzgebiet vertrieben.
Mit der Einnahme der rund 900 Jahre alten Kreuzritterburg Beaufort übt Israel erstmals seit dem Abzug seiner Truppen aus dem Südlibanon im Mai 2000 nach einer 18-jährigen Besatzung wieder Kontrolle über diese Stellung aus. Von der Hügelkette aus haben die Streitkräfte einen weiten Blick über den Südlibanon und den Norden Israels, von wo die Hisbollah ihre Angriffe gestartet hatte.
Frankreich: „Ein schwerwiegender Fehler“
Der israelische Oppositionspolitiker Naftali Bennett forderte unterdessen ein noch entschlosseneres Vorgehen, das sogar Angriffe auf Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut einschließen soll. Der Hisbollah-nahe Analyst Talal Atrissi erklärte, dass die israelische Armee derzeit ihre Ziele im Libanon erreiche. Aussagen von Seiten der libanesischen Regierung oder der Hisbollah liegen bislang nicht vor.
Nach der Ausweitung der israelischen Militäroperationen im Libanon forderte Frankreich eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. „Nichts kann die Fortsetzung der israelischen Militäreinsätze im Libanon und die immer weitergehende Besetzung libanesischen Territoriums rechtfertigen“, erklärte Außenminister Jean-Noël Barrot gegenüber dem Sender BFMTV. Er habe die Einberufung des Sicherheitsrats beantragt, da die Lage eine weitere Eskalation befürchten lasse, so Barrot.
Zwar anerkenne Frankreich das Recht Israels auf Selbstverteidigung gegen Angriffe der vom Iran unterstützten Hisbollah, doch „nichts rechtfertigt diese Entwicklung“, erklärte er weiter. Sie stelle einen „schwerwiegenden Fehler“ dar und verstoße gegen das Völkerrecht.