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Erfolg von Kiews Drohnenangriffen: Nur noch zwei der zehn größten russischen Raffinerien unversehrt

Kiews Angriffe zeigen Wirkung: Nur noch zwei Raffinerien aus Russlands Top 10 sind unversehrt

Die ukrainischen Drohnenangriffe auf Ölraffinerien setzen Russland unter erheblichen Druck und verursachen eine ernste Treibstoffknappheit. Von den zehn bedeutendsten Raffinerien wurden nahezu alle mindestens einmal getroffen. Lediglich zwei Anlagen, beide östlich des Urals, sind bisher verschont geblieben – doch auch diese sind nicht vollständig sicher.

Da sich die Frontlinien in der Ukraine seit längerer Zeit kaum verändern und keine Partei größere Geländegewinne erzielt, hat sich der Konflikt zu einem Stellungskrieg entwickelt. Neue Strategien sind daher gefragt. Die Ukraine konzentriert sich seit Wochen intensiv auf Angriffe gegen russische Ölraffinerien – mit teils beeindruckenden Erfolgen. Dabei werden nicht nur Anlagen nahe der ukrainischen Grenze im Südwesten Russlands attackiert, sondern auch Ziele tief im russischen Hinterland.

Beim Sankt Petersburger Wirtschaftsforum, einem Prestigeereignis für Wladimir Putin, wurde die Stadt Anfang Juni von gewaltigen Rauchwolken nach ukrainischen Angriffen am Anfang und Ende der Veranstaltung „begrüßt“ und „verabschiedet“. Wenige Wochen später griff die Ukraine eine Raffinerie in Moskau an – Bilder von der von schwarzem Rauch eingehüllten Hauptstadtregion verbreiteten sich weltweit.

Nicht alle ukrainischen Angriffe erhalten so viel Aufmerksamkeit in den westlichen Medien, zumal Meldungen über Attacken auf russische Energieanlagen mittlerweile alltäglich sind. Bereits Ende Mai 2026 berichtete Reuters, dass im europäischen Teil Russlands – also westlich des Urals – keine größere Raffinerie existiert, die nicht mindestens einmal Ziel ukrainischer Drohnen wurde.

Einige Anlagen wurden wiederholt attackiert: So wurde beispielsweise die Lukoil-Raffinerie in Wolgograd, die jährlich über 14 Millionen Tonnen Öl verarbeitet und mehr als fünf Prozent der gesamten russischen Raffineriekapazität ausmacht, mindestens zehnmal angegriffen.

Etwa ein Drittel der Raffineriekapazitäten steht still

Die Konsequenzen sind gravierend. Zahlreiche Raffinerien mussten ihre Produktion drosseln oder ganz einstellen, was eine ernste Treibstoffkrise ausgelöst hat. In Russland, einer der größten Rohstoffproduzenten, wird Benzin knapp. Laut Analysten der Beratungsfirma Energy Intelligence sank die tägliche Ölverarbeitung Anfang Juni auf unter vier Millionen Barrel – der niedrigste Wert seit mehr als 20 Jahren. Demnach ist ungefähr ein Drittel der Raffineriekapazitäten derzeit außer Betrieb. Brancheninsider berichten, dass etwa die Raffinerie in Moskau für mindestens sechs Monate geschlossen bleibt.

Im ganzen Land bilden sich lange Warteschlangen an Tankstellen. Autofahrer müssen teilweise stundenlang warten, in der Region Transbaikalien sind es Berichten zufolge sogar bis zu 36 Stunden. Selbst wer tanken kann, steht bald wieder an, denn die Abgabe ist vielerorts begrenzt – in Transbaikalien beispielsweise auf maximal 15 Liter pro Woche.

Auf der seit 2014 annektierten Krim wird Benzin ausschließlich über digitale Bezugsscheine per QR-Code ausgegeben und auf 20 Liter pro Woche limitiert. Auch in der Region Omsk, wo sich die größte Ölraffinerie Russlands befindet, gelten Verkaufsverbote für Kraftstoff in Kanistern sowie eine Beschränkung auf 40 Liter pro Tankfüllung.

Diese Raffinerie in Omsk ist neben der Anlage in Angarsk am Baikalsee eine von nur zwei der Top-10-Raffinerien des Landes, die bisher von ukrainischen Drohnen nicht getroffen wurden. Zwar gab es im August 2024 dort eine Explosion mit anschließendem Großbrand, der zeitweise etwa die Hälfte der Kapazitäten lahmlegte, doch Hinweise auf eine ukrainische Beteiligung lagen nicht vor.

Beide unversehrten Anlagen befinden sich östlich des Uralgebirges, im asiatischen Teil Russlands, also weit entfernt von der ukrainischen Grenze. Dennoch sind sie nicht vollständig vor Angriffen geschützt.

Vereinzelt zeigen Vorfälle, dass ukrainische Drohnen auch weit entfernte Ziele erreichen können. Am 20. Juni meldeten russische Behörden einen Drohnenangriff auf eine Raffinerie in der westsibirischen Region Tjumen, etwa 2000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Zwar wurden die Drohnen abgefangen und es entstanden keine Schäden, doch der Vorfall verdeutlicht die zunehmende Reichweite dieser Angriffe.

Angriffe aus dem russischen Inland

Hinzu kommt, dass Drohnenoperationen nicht zwangsläufig direkt von ukrainischem Gebiet aus gestartet werden müssen. Im Juni 2025 führte der ukrainische Geheimdienst SBU die Operation „Spinnennetz“ durch: Dabei wurden zahlreiche kleine Drohnen mit Sprengstoff in Containern versteckt. Diese Container wurden von ahnungslosen russischen Fahrern auf Transportern in die Nähe der Ziele gebracht. Per Fernsteuerung stiegen die Drohnen durch offene Containerdächer auf und griffen Militärflugplätze an – auch im Fernen Osten Russlands. Obwohl die Operation mehrere Monate im Voraus geplant war, zeigt sie, dass selbst vermeintlich sichere Regionen nicht mehr automatisch vor Angriffen geschützt sind.

Während an der Front kaum Fortschritte erzielt werden, versucht die Ukraine, Russland auf anderem Weg unter Druck zu setzen – mit wachsendem Erfolg. Die Treibstoffknappheit, steigende Preise und die zunehmende Sichtbarkeit des Krieges im Alltag belasten die russische Wirtschaft und Gesellschaft spürbar.

Präsident Putin räumte die Versorgungsprobleme öffentlich ein und berief eine Krisensitzung ein. Der Kreml erwägt inzwischen sogar Benzinimporte und prüft ein mögliches Exportverbot für Diesel. Während der Krieg lange Zeit für viele Menschen abstrakt blieb, wird er nun im Alltag spürbar – an Tankstellen, in den steigenden Preisen und durch sichtbare Angriffe auf eigenem Territorium. Ob und wann dieser Druck politische Konsequenzen haben wird, bleibt offen. Fest steht jedoch: Die Ukraine hat erfolgreich Wege gefunden, den Krieg nach Russland selbst zu tragen.