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90 Jahre Marine-Ehrenmal: Laboe ohne nationalsozialistischen Geist

90 Jahre Marine-Ehrenmal: In Laboe weht der Geist des Nationalsozialismus nicht mehr

Vor neun Jahrzehnten wurde das Marine-Ehrenmal in Laboe unter Anwesenheit von Adolf Hitler eröffnet. Während der nationalsozialistischen Herrschaft diente das markante Bauwerk an der Kieler Förde als Propagandainstrument. Heutzutage fungiert die Anlage als internationale Gedenkstätte für auf See verstorbene Seeleute aus aller Welt.

Der 72 Meter hohe Turm aus Backstein ist weithin sichtbar: Das Marine-Ehrenmal in Laboe feiert an diesem Wochenende seinen 90. Geburtstag. Am 30. Mai 1936 wurde die Gedenkstätte von den Nationalsozialisten mit Reichskanzler Adolf Hitler offiziell eingeweiht. An diesem Tag wird jedoch keine besondere Gedenkveranstaltung stattfinden.

„Wir beziehen uns nicht auf dieses Datum“, erklärt Jann Witt, Historiker des Deutschen Marinebundes am Marine-Ehrenmal Laboe. „Es gehört zwar zur Geschichte, ist aber nicht Teil unserer heutigen Gedenkkultur.“ Die Einweihung 1936 sei ganz im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie erfolgt, wovon man sich heute klar distanziere.

Die Idee, ein Ehrenmal für die Gefallenen der Kaiserlichen Marine im Ersten Weltkrieg zu schaffen, entstand bereits in der Weimarer Republik. Der Baubeginn war am 8. August 1927 – also mehr als fünf Jahre vor Beginn der NS-Herrschaft. Nach 1933 nutzte die NS-Propaganda das Denkmal gezielt, um den Gedanken der Rache für erlittene Marineverluste hervorzuheben, erläutert Witt.

Der 30. Mai 1936 fiel auf den Vorabend des 20. Jahrestags der Seeschlacht am Skagerrak von 1916, einem für die Nationalsozialisten symbolträchtigen Datum und Bezugspunkt zur Marine-Tradition des Kaiserreichs. In Laboe wurde dieser Tag mit einem großen Zapfenstreich und einer Flottenparade begangen. Anstelle Hitlers hielt Generaladmiral Erich Raeder, Oberbefehlshaber der Marine seit 1928, die Festrede, so der Historiker.

„Bis 1945 war das Ehrenmal eine NS-Heldenstätte, die vom Geist des Revanchismus geprägt war“, erklärt Witt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen zunächst die Briten die Verwaltung. Am 30. Mai 1954 ging die Anlage an den neu gegründeten Deutschen Marinebund über, der seitdem die Versöhnung und Völkerverständigung in den Mittelpunkt stellt. Seit 1996 ist das Ehrenmal eine internationale Gedenkstätte für Seeleute aller Nationen, die auf See ihr Leben verloren haben. Im kommenden Jahr wird der 100. Jahrestag der Grundsteinlegung des markanten Bauwerks an der Kieler Förde begangen, so Historiker Jann Witt.