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Russische Militärblogger verspotten den Oreschnik-Angriff

Russische Militärblogger spotten über Oreschnik-Angriff

In der Region um Kiew herrschte eine besonders grausame Nacht. Vier Menschen verloren ihr Leben durch den massenhaften Einsatz von Raketen und Drohnen, während zahlreiche Einschlagsstellen erhebliche Schäden aufwiesen. Auch die gefürchtete Oreschnik-Mittelstreckenrakete wurde eingesetzt – doch sie könnte nur ein vergleichsweise geringes Problem dargestellt haben.

Russland setzte bei dem nächtlichen Angriff auf die Kiewer Region neben vielen Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Kurzstreckenraketen auch eine ballistische Mittelstreckenrakete des Typs Oreschnik ein. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und staatlicher Stellen traf sie in der etwa 200.000 Einwohner zählenden Stadt Bila Zerkwa ein, die rund 80 Kilometer südlich vom Kiewer Stadtzentrum liegt.

Der dritte Einsatz der Oreschnik durch russische Streitkräfte sorgte erneut für großes Medieninteresse. Zahlreiche westliche Politiker verurteilten den Angriff scharf. Wie schon bei den vorherigen Angriffen soll die extrem schnelle Mittelstreckenrakete jedoch mit sogenannten Testsprengköpfen ohne Sprengladung ausgestattet gewesen sein. Der Militärexperte Nico Lange bezeichnete sie auf X als „Testsprengköpfe“.

Videos, die angeblich aus Bila Zerkwa stammen, zeigen vermutlich sechs Wiedereintrittskörper, die vom Mehrfachsprengkopf der Rakete abgesondert wurden und jeweils sechs Submunitionen enthielten. Größere Explosionen waren auf diesen Aufnahmen jedoch nicht zu erkennen.

Obwohl die Munition leer war, birgt sie durch ihre hohe Geschwindigkeit dennoch Gefahren. Bei den beiden vorherigen Angriffen sowie diesmal könnten die Schäden aber relativ begrenzt geblieben sein. Der Staatliche Dienst für Notfallsituationen der Ukraine berichtete von drei zerstörten Garagen in Bila Zerkwa und veröffentlichte entsprechende Bilder. Einige Analysten und Medien vermuten, dass die Oreschnik ein Industriegebiet oder einen militärisch genutzten Flugplatz ins Visier genommen haben könnte. Ukrainische Behörden haben hierzu jedoch keine Angaben gemacht.

Ein Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, Mykhailo Fedorow, schrieb auf X: „Diese ballistische Mittelstreckenrakete kann in nicht-nuklearer Ausführung keine gravierenden Zerstörungen anrichten, da ihre Gefechtsköpfe nicht für Angriffe am Boden konzipiert sind. Sie sind darauf ausgelegt, Nuklearsprengköpfe in der Luft zu zünden.“ Der Angriff diene vor allem der Einschüchterung. Ähnliche Aussagen gab es auch bei den beiden vorherigen Angriffen.

„Extrem teures Metall“

Einige russische Blogger machten sich regelrecht über den Einsatz der Oreschnik lustig. Auf einem Kanal des inhaftierten Ultranationalisten Igor Girkin hieß es: „Wieder nur leere Blindgänger, die außer einem ‚na ja, coolen Spezialeffekt‘ nichts bewirken. Oder man soll sich über die entstandenen Krater freuen, die den Gegner in Starobilsk überhaupt nicht bestrafen werden.“ In dem von Russland kontrollierten Starobilsk hatte die Ukraine laut russischen Angaben kürzlich ein Studentenwohnheim angegriffen und dabei 18 Menschen getötet. Kiew bezeichnete das Ziel als militärisch.

Der bekannte Blogger Romanow kommentierte den Oreschnik-Einsatz auf Telegram: „Nicht einmal Explosionen gab es. Einfach nur extrem teures Metall, das sinnlos in den Boden geschossen wurde. Für ein schönes Bild, an das ohnehin kaum noch jemand glaubt.“ Ein weiterer prorussischer Propagandist, Alexey Zhiwow, fragte: „Was steckt eigentlich hinter dem dritten ‚Oreschnik‘-Schlag? Gibt es eine offizielle Person, die das den Menschen auf Russisch einfach erklären kann?“ Russische Militärblogger stehen dem Kreml meist nahe und unterstützen offen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Russland präsentiert die Oreschnik immer wieder als eine Wunderwaffe, die angeblich von keiner Flugabwehr abgefangen werden kann. Beweise dafür fehlen bislang, doch durch die hohe Geschwindigkeit von bis zu 12.000 Kilometern pro Stunde könnte ein Abschuss tatsächlich sehr schwierig sein.