Jovan Kirovski: Der erste Amerikaner, der die Champions League gewann – „Ich wollte der beste Spieler der Welt sein“
Bevor Spieler wie Clint Dempsey, Christian Pulisic oder Giovanni Reyna in Europa Schlagzeilen machten, ebnete ein Amerikaner still und leise den Weg im prestigeträchtigsten Vereinswettbewerb der Welt: Jovan Kirovski.
Während Steve Trittschuh als erster Amerikaner in der Champions League (damals Europapokal) spielte, war der in Kalifornien geborene Kirovski der erste, der den Titel gewann.
Der fußballbegeisterte Sohn mazedonischer Einwanderer erhielt seine erste Chance 1992, als er bei einem Jugendturnier in Nordirland als Gastspieler für die Glasgow Rangers überzeugte.
Mit 16 Jahren bekam er ein Angebot von Manchester United und verbrachte die folgenden vier Jahre bei den Reserven am Old Trafford, spielte dort an der Seite von David Beckham und Paul Scholes und trainierte gelegentlich mit der Profimannschaft. United bot ihm einen Vertrag an, doch da Kirovski mit einem Studentenvisum in Großbritannien war, wurde ihm die Arbeitserlaubnis verweigert. Im Juli 1996 wechselte er daher ablösefrei nach Deutschland zu Borussia Dortmund.
Der erste Amerikaner mit Champions-League-Titel
Als großgewachsener Stürmer mit starker Präsenz und Torinstinkt gab Kirovski am 4. Oktober 1996 sein Bundesliga-Debüt gegen den VfL Bochum und erzielte im darauffolgenden Spiel gegen Duisburg sein erstes Tor für Dortmund.
Vielleicht überzeugte ihn das Trainer Ottmar Hitzfeld dazu bewegte, ihn für das Champions-League-Gruppenspiel gegen Atlético Madrid zu nominieren. Kirovski kam sowohl im Hin- als auch im Rückspiel gegen Atlético als Einwechselspieler zum Einsatz. Allein diese Einsätze sicherten ihm die Sieger-Medaille, als Dortmund im Mai daraufhin in München Juventus Turin mit Zidane im Finale besiegte und Europameister wurde.
Abgesehen von seinen beiden kurzen Einsätzen gegen Atlético wurde Kirovski nur zwei weitere Male während dieser Europapokalsaison berücksichtigt – er saß beim Gruppenspiel gegen Steaua Bukarest auf der Bank und auch beim Hinspiel des Halbfinals gegen seinen ehemaligen Klub Manchester United. Trotzdem hatte er nicht nur eine Sieger-Medaille gewonnen, sondern war auch der erste amerikanische Fußballer mit einem Champions-League-Titel.
„Das Dortmund damals war ein ganz anderes Dortmund als heute. Wir hatten Jürgen Kohler, Matthias Sammer, [Andreas] Möller – alle Weltmeister, große Spieler. Für junge Spieler gab es kaum Chancen“, erzählte Kirovski Grant Wahl. „Für einen jungen Spieler war es unmöglich, in so ein Team hineinzukommen. Ich wollte nicht nur Profi werden, ich wollte der beste Spieler der Welt sein.“
Für den damals 20-jährigen Amerikaner war es dennoch ein unschätzbar wertvoller Lernprozess. „Ich bin von Alex Ferguson zu Ottmar Hitzfeld gewechselt. In meinem heutigen Beruf profitiere ich sehr davon, von solchen Persönlichkeiten zu lernen – sei es von den Spielern auf dem Feld oder den Trainern. Das hilft mir bis heute.“
Eine seltene Leistung
Kirovski bewahrt seine wertvolle Champions-League-Sieger-Medaille in einem Bankschließfach auf. Nur ein weiterer amerikanischer Fußballer besitzt eine – Christian Pulisic, der 2020/21 mit Chelsea gewann.