Russland setzt Drohnen mit radioaktiven Raketen gegen Ukraine ein
Die Ukraine meldet den wiederholten Einsatz russischer Raketen, die eine erhöhte Radioaktivität aufweisen. Bei einer Untersuchung eines Exemplars wurde ein deutlich über dem Normalwert liegender Strahlenwert festgestellt. Obwohl keine akute Gesundheitsgefahr besteht, wird insbesondere vor den abgereicherten Uranstäben in den Sprengköpfen gewarnt.
Der ukrainische Inlandsgeheimdienst (SBU) gab bekannt, an den Trümmern einer russischen Shahed-Drohne mit montierter R-60-Rakete erhöhte Strahlenwerte gemessen zu haben. Die Drohne wurde laut SBU im April auf die Region Tschernihiw abgefeuert, und Bruchstücke wurden in der Nähe eines Dorfes gefunden.
Eine radiologische Analyse der Trümmer ergab eine Gammastrahlung von 12 Mikrosievert pro Stunde. „Dieser Wert liegt deutlich über der natürlichen Hintergrundstrahlung und stellt eine potenzielle Gesundheitsgefahr dar“, erklärte der Inlandsgeheimdienst.
Zum Vergleich: Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung in Deutschland beträgt 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Der in der Ukraine gemessene Wert liegt damit fast 50-fach höher, was bei kurzem Aufenthalt zwar noch keine akute Gefährdung bedeutet, jedoch bei längerer Exposition vermieden werden sollte. Zudem ist es wichtig, eine Kontamination durch radioaktive Partikel im Körper zu verhindern.
Der Sprengkopf der Rakete wurde laut SBU als radioaktiver Abfall deponiert. Er soll Stäbe aus abgereichertem Uran enthalten haben. Die Bevölkerung wurde angewiesen, sich nicht den Trümmerteilen zu nähern.
Wöchentliche Funde
Serhii „Flash“ Beskrestnow, Berater des ukrainischen Verteidigungsministers Mykhailo Fedorow, berichtete der Nachrichtenagentur Unian: „Es handelt sich um eine sehr alte sowjetische Rakete, deren Sprengkopf spezielle Stäbe aus abgereichertem Uran enthält. Diese sind äußerst gefährlich.“ Solche Raketen würden wöchentlich entdeckt, so der Experte.
Bezüglich der im April gefundenen Rakete erklärte Beskrestnow, der Sprengkopf sei intakt und zerfalle nicht. Die Strahlung könne vor allem für Fachkräfte, die mit den Trümmern umgehen, gefährlich sein.
Viele Streitkräfte weltweit setzen Waffen mit abgereichertem Uran ein, da dieses Metall die Durchschlagskraft von panzerbrechenden Geschossen und Bomben erhöht. Abgereichertes Uran ist etwa 60 Prozent so radioaktiv wie natürlich vorkommendes Uran und entsteht als Nebenprodukt bei der Urananreicherung für Kernkraftwerke.
Im Dezember vergangenen Jahres gelang den ukrainischen Streitkräften erstmals die Abschuss einer Shahed-Drohne mit einer montierten R-60-Rakete. Diese Luft-Luft-Rakete wurde entwickelt, um Ziele wie Hubschrauber oder Kampfflugzeuge zu bekämpfen, und kam 1975 in der Sowjetunion in den Einsatz.