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So tickt Trump wirklich: Merz muss zum Wrestler werden, wenn er Versöhnung will

So tickt Trump wirklich: Will Merz die Versöhnung, muss er Wrestler werden

US-Präsident Trump ist verärgert über Kanzler Merz, seit dieser behauptete, die USA würden vom Iran gedemütigt. Dabei agiert Trump weniger nach politischen Spielregeln, sondern vielmehr nach den Gesetzen des Wrestlings. Tatsächlich existieren bemerkenswerte Parallelen.

Donald Trump steht neben dem Ring, ruft „Was passiert hier?“, läuft aufgeregt umher, entdeckt einen Mann im Anzug, springt plötzlich auf ihn zu, wirft ihn zu Boden und verpasst ihm theatralisch einige Faustschläge auf den Kopf. Kurz darauf hält ein muskelbepackter Helfer den Geschlagenen auf einem Stuhl fest, während Trump zum Elektrorasierer greift und dem Mann die Haare abrasierte.

Der Mann wehrt sich, schreit und bittet um Gnade. Doch Trump zeigt keine Nachsicht, im Gegenteil. Er verteilt Rasierschaum auf dem Kopf seines Gegners und beginnt, auch die letzten Stoppeln abzurasieren. Der gedemütigte Mann blickt in die Kamera, während Trump und das Publikum lachen.

Diese Szene stammt aus dem „Battle of the Billionaires“, dem Kampf der Milliardäre vom 1. April 2007. Trump, damals Ende 50, gefeierter TV-Star und Immobilienmogul, war einer der Kontrahenten in dieser Wrestling-Inszenierung. Sein Gegner war Vince McMahon, der Chef des Wrestling-Verbandes WWE. Doch das ist hier nebensächlich.

Merz trägt zum Glück kurze Haare

Im Jahr 2007 saß Friedrich Merz noch im Bundestag und engagierte sich unter anderem in einem überparteilichen Antrag zur Überprüfung des Flugverkehrskonzepts über Berlin. Ob er damals Trumps Engagement im Wrestling verfolgte, ist nicht bekannt. Merz trägt seit seiner Jugendzeit kurze Haare, sodass er in dieser Hinsicht Trump nichts nachstehen muss. Dennoch wurde auch er kürzlich von Trump „rasiert“ – im übertragenen Sinn.

Vor einer Schulklasse im Sauerland äußerte Merz, der Iran demütige derzeit ein ganzes Land, nämlich die USA. Diese Aussage in Marsberg entzündete eine politische Lunte, die bis ins Weiße Haus reichte. Merz schaffte es mit dieser Bemerkung sogar auf die Titelseite der „New York Times“. Seitdem gilt er bei Trump als unten durch.

Bis dahin galt „Chancellor Friedrich“ als Trumps Freund – oder zumindest in dessen Verständnis davon. Doch Trump konterte, ähnlich wie beim „Battle of the Billionaires“, jedoch mit seinen aktuellen Mitteln: Er kündigte neue Zölle an, befahl den Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland und sagte die Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern ab. Seither herrschte Funkstille, bis am Freitag eine vorsichtige Annäherung erfolgte – ein erstes Telefonat!

Trumps Wrestling-Strategie

Vielleicht eröffnet sich hier eine Chance auf Versöhnung. Damit diese Bestand hat, sollte Merz Trumps Wrestling-Vergangenheit verstehen. Denn Trumps Denken, Handeln und seine Kommunikation gleichen stark der Wrestling-Welt. Seine Ausstrahlung auf Fans wirkt, als stamme sie direkt aus diesem Umfeld – kein Wunder, war Trump selbst lange Zeit aktiver Teil der Szene und wurde sogar in die Wrestling-Hall-of-Fame aufgenommen.

Wrestling dreht sich um starke Männer, die kämpfen. Es ist eine Show, ein Schauspiel voller Emotionen und Geschichten. Ziel ist es, den Gegner erst verbal, dann körperlich zu bezwingen. Wahrheit, Ehrlichkeit oder Fairness spielen dabei kaum eine Rolle. Und ein wichtiges Gebot lautet: Niemals, wirklich niemals, Langeweile aufkommen lassen. Trumps Vorgehen könnte kaum besser diese Prinzipien widerspiegeln.

Ein Unterschied bleibt: Im Wrestling ist längst allen klar, dass es sich um eine Inszenierung handelt. Trump hingegen gelingt es in seiner eigenen Blase immer noch, die Illusion von Echtheit aufrechtzuerhalten – ähnlich wie in den Anfangszeiten des Wrestlings, als man versuchte, den Zuschauern eine echte Auseinandersetzung vorzugaukeln. Mit dem Internet wurde diese Strategie, „Kayfabe“ genannt, zunehmend durchschaut.

Mehr als nur Selbstinszenierung

Hinter Trumps Verhalten steckt mehr als reine Selbstbeweihräucherung. Wie im Wrestling geht es ihm darum, Emotionen zu wecken und Geschichten zu erzählen: vom Kampf David gegen Goliath, von Gut gegen Böse, von Amerika gegen den Rest der Welt. Für die Wrestling-Macher war das einst ein Mittel, die Zuschauer zu binden und hohe Gebühren zu rechtfertigen, erklärt Hallenberger.

Auch Trump nutzt diese Methode, um seine Wähler zu fesseln – eine Herausforderung besonders bei Themen wie Steuern, Rente oder Krankenversicherung. Sein Trick: „Er spricht selten über Politik“, sagt Hallenberger, „sondern immer über Gefühle.“

Beim Thema Migration geht es ihm nicht um Fakten, sondern um Angst. Seit Jahren erzählt er von Horden von Mördern und Vergewaltigern, die andere Länder aus Gefängnissen und „Irrenanstalten“ in die USA schicken würden – und die bösen Demokraten würden sie auch noch willkommen heißen, um Amerika zu zerstören. Gleichzeitig appelliert er an Stolz mit seinem großen Versprechen: Make America Great Again.

Die Realität holt ihn ein

Doch Trumps „Kayfabe“, seine Geschichte, dass alles, was er anfasst, zu Gold wird, stößt an Grenzen. Er versprach, keine „dummen Kriege“ mehr zu beginnen, verstrickte sich jedoch in einen schädlichen Konflikt mit dem Iran. Er versprach sinkende Lebenshaltungskosten und Wohlstand für alle Amerikaner – doch die Benzinpreise steigen auf Rekordniveau.

Trump hält an seiner Erzählung fest, alles unter Kontrolle zu haben. Doch es gelingt ihm nicht mehr, seine Illusion über die Realität zu stülpen. „Man kann Menschen für dumm verkaufen, aber nicht immer und überall“, sagt Hallenberger. Trumps Kommunikation stößt an ihre Grenzen. Immer wieder verkündet er den Sieg über das Mullah-Regime – doch es existiert weiterhin. Die Straße von Hormus bleibt geschlossen, obwohl sie vor dem Konflikt offen war.

Damit sind wir wieder bei Merz: Als dieser sagte, die USA würden vom Iran gedemütigt, durchbrach er das Kayfabe. Er zerstörte Trumps Illusion, riss den Vorhang weg – wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Plötzlich wirkte Kaiser Trump nackt. Ein No-Go im Wrestling und natürlich in der Trump-Welt. Eine Demütigung, die kein Wrestler einfach hinnehmen kann. Selbst wenn Trump persönliche Kritik verkraften könnte, müsste er reagieren, um nicht schwach im politischen Ring dazustehen.

Jumbo-Jet oder Flugzeugträger?

Hat Merz die Chance, die zaghafte Versöhnung am Telefon zu ergreifen? Im Wrestling gibt es immer wieder große Friedensschlüsse, tränenreiche Umarmungen zwischen Rivalen. Hallenberger bleibt jedoch skeptisch: „Merz ist kein ernstzunehmender Gegner für Trump. Er ist einfach zu unbedeutend. Eine Wrestling-Versöhnung funktioniert mit Xi oder Putin – aber nicht mit Merz, einem kleinen europäischen Würstchen.“

Versöhnung sei nur auf Augenhöhe möglich, alles andere sei teuer, so Hallenberger. „Merz könnte Trump einen Jumbo-Jet mit seinem Namen schenken“, scherzt er, in Anspielung auf eine Geste Katars. „Oder besser gleich einen Flugzeugträger.“ Denn die Größe eines Geschenks symbolisiert für Trump die Bedeutung der Freundschaft. Dafür wäre aber ein neues Sondervermögen nötig. Oder Merz tut, was Wrestler tun: Widerstand leisten und kämpfen – Hauptsache, es wird nicht langweilig. Vielleicht hätte Trump sogar seinen Spaß daran.