Berlin Tag & Macht: Deutschland ohne Punkte – Drückt Merz den ESC-Knopf?
Deutschland hofft nicht länger auf einen bedeutenden Neuanfang. Für die Mehrheit wäre es schon ein Erfolg, wenn überhaupt jemand den Motor startet. Friedrich Merz sieht sich Pfiffen ausgesetzt, während die SPD im Veto-Modus verharrt. Wird Merz den ESC-Knopf drücken?
Offiziell steht das „C“ in CDU weiterhin für „christlich“. Doch manche im Netz vermuten, dass dies nur noch nostalgischer Natur ist – vergleichbar mit Faxgeräten, FDP-Wahlsiegen oder pünktlichen Zügen. Handelt es sich dabei um berechtigte Kritik oder schlicht um Spott? Einige Entscheidungen und Äußerungen der Unionsparteien und ihrer Führung hinterließen zuletzt den Eindruck, dass christliche Werte wie Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Menschenwürde oder Barmherzigkeit kaum noch eine Rolle spielen.
Doch trifft das wirklich zu? Entfernt sich die CDU von ihrer auf der Bibel basierenden „Liebe deinen Nächsten“-Philosophie? Oder hat sich ein großer Teil des Social-Media-Diskurses – und damit auch ein nicht unwesentlicher Teil der Berliner Journalisten – durch einen linken, von Wokeness geprägten Trend so weit von der Mitte entfernt, dass fälschlicherweise der Eindruck entsteht, die CDU stehe bereits mit einem Fuß im rechtsextremen Umfeld der AfD?
Egal wie man es sieht – eines ist sicher: Mit dem christlichen Menschenbild als Erbe dessen, was einst als Glaube an Gott begann, dürfte der CDU zumindest eines geläufig sein: was eine schlechte Nachricht bedeutet. Und davon gab es in der vergangenen Woche viele.
BMI-unabhängige Fleischbeschau
Die Porsche SE, Muttergesellschaft von Volkswagen, einst ein Paradebeispiel deutscher Ingenieurskunst und enormer Unternehmensgewinne, meldet einen Verlust von fast einer Milliarde Euro. Die Linke, bekannt für ihr „From the River to the Sea“-Franchise, fordert das Hissen palästinensischer Fahnen vor Berliner Rathäusern. Die Gewerkschaft Verdi ruft zu bundesweiten Streiks im Einzelhandel auf. Und selbst am Vatertag, dem traditionellen Tag für oberkörperfreie Fleischbeschau und Bierkonsum mit Bollerwagen, empfängt Deutschland die Familienväter mit schlechtem Wetter. Kurz gesagt: Eine Woche, die man lieber vergessen möchte.
Auch für die schwarz-rote Regierungskoalition war sie kein Gewinn: Laut einer aktuellen INSA-Umfrage wünschen sich 49 Prozent der Deutschen ein sofortiges Ende der Regierung.
Steht der Escape-Button der CDU kurz bevor? Merz erklärte kürzlich, er habe keinen Auftrag, seine Partei zu zerstören. Doch den ESC-Knopf müsste die Regierung selbst drücken. Merz, Klingbeil, Bas und Söder beteuern, weitermachen zu wollen.
So bleibt dem Volk nur, sich dem echten ESC zuzuwenden, dem Eurovision Song Contest. Vielleicht eine Gelegenheit? Im Blumenkasten des Kanzleramts keimt die zarte Hoffnung, dass die Flut an schlechten Nachrichten durch die ESC-Euphorie überlagert und von den Titelseiten verdrängt wird. Doch auch hier folgte ein Dämpfer, härter als Amira Alys Reaktion auf ihre letzte Kreditkartenabrechnung.
Die Chancen der deutschen Vertreterin Sarah Engels, bekannt aus DSDS, sind eher gering. Laut internationalen Buchmachern führen das finnische Duo Linda Lampenius/Pete Parkkonen mit ihrem Song „Liekinheitin“ mit 34 Prozent Wahrscheinlichkeit das Feld an. Deutschland rangiert mit unter einem Prozent auf Platz 23.
Germany, Zero Points
Immerhin hat die Regierung die ESC-Fans schon auf die Niederlage „Germany: Zero Points“ vorbereitet – mit mehreren identischen Konjunkturprognosen. Eine Trendwende soll nun ausgerechnet ein weiterer Koalitionsgipfel bringen. Mutig, wenn man bedenkt, was vom letzten Gipfel übrig blieb. Tipp: Die 1000-Euro-Entlastungsprämie ist es nicht.
Außerdem soll Merz den Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil angeschrien haben. Vermutlich, weil die Blockadehaltung der SPD-Reformen die Koalition in der Öffentlichkeit als eine Gruppe widerspenstiger Verweigerer erscheinen lässt. Nur beim DGB pfeift man auf Reformen und den Kanzler. Dabei hatte Merz den Gewerkschaftlern doch nur erläutert, warum er recht hat und sie nicht. Haben sie offenbar nicht verstanden.
Unterdessen etabliert sich die AfD an der Spitze der Stimmungsbarometer von RTL und ntv. Wo bleibt der erhoffte Stimmungsumschwung? Es hilft nichts. Jetzt muss Sarah Engels liefern.