Merz rät Kindern vom Leben in den USA ab wegen gesellschaftlichem Klima
Friedrich Merz zeigt Bewunderung für die USA, doch in letzter Zeit werden seine kritischen Anmerkungen lauter. Beim Katholikentag empfahl er sogar, dass seine Kinder keine Zukunft in den Vereinigten Staaten anstreben sollten: „Also ich würde meinen Kindern heute nicht raten, in die USA zu gehen.“
Der Bundeskanzler Friedrich Merz sieht aktuell vom Aufenthalt seiner Kinder in den USA ab. Als Grund nannte er das „gesellschaftliche Klima“, das sich dort „plötzlich“ verändert habe, wie er beim Deutschen Katholikentag in Würzburg erklärte. „Ich würde meinen Kindern heute nicht empfehlen, in den USA zu studieren oder zu arbeiten.“
Im Rahmen des Katholikentags stellte sich Merz einer Diskussionsrunde mit jungen Menschen. „Ich bin ein großer Fan Amerikas, doch meine Bewunderung hat in letzter Zeit eher abgenommen“, äußerte er mit Blick auf die USA. Dabei erwähnte er auch die beruflichen Chancen dort. „Früher war die Frage, was gut ausgebildete junge Menschen erreichen können, in Amerika ganz anders beantwortet als heute.“ Heute hätten „die bestqualifizierten Fachkräfte in Amerika erhebliche Schwierigkeiten, eine Anstellung zu finden.“
Der bekennende Transatlantiker Merz distanzierte sich in letzter Zeit mehrfach von den USA und besonders von der Politik der Trump-Regierung. Er kritisierte Washington dafür, „offensichtlich keine klare Strategie“ im Iran-Konflikt zu verfolgen, und bemerkte in Bezug auf die US-Verhandlungen mit Teheran, dass „eine ganze Nation von der iranischen Führung gedemütigt werde.“
Trump reagierte verärgert auf Merz’ Aussagen und warf ihm Unwissenheit vor. Der Präsident machte wiederholt deutlich, dass er sich von Deutschland und anderen NATO-Partnern nicht ausreichend unterstützt fühle. Anfang Mai kündigte er daraufhin den Abzug tausender US-Soldaten aus Deutschland an.
„Jeden Abend bitte ich um Beistand“
Trotz der Herausforderungen, die etwa die USA unter Donald Trump darstellen, blickt Merz optimistisch in die Zukunft. „Ich bin zuversichtlich, weil ich mich nicht mit der Enttäuschung beschäftigen möchte“, erklärte er beim Katholikentag auf die Frage nach seiner Hoffnung. Die Bibel sei voller Hoffnung. Auch der Kanzler selbst zeigt sich zuversichtlich, das Land wieder stabil voranzubringen.
Auf die Frage, ob er in schwierigen Entscheidungen bete, antwortete Merz: „Ich gehe eigentlich jeden Abend mit dem Gedanken schlafen und bitte um Beistand.“ Es gebe auch einen katholischen Gottesdienst für Abgeordnete, den er gelegentlich besuche, wenn es die Zeit erlaubt.
Merz fordert mehr politisches Engagement
Merz appellierte zudem an junge Menschen, sich verstärkt in politischen Parteien zu engagieren. Er habe im Laufe der Jahre beobachtet, dass viele sich „punktuell für bestimmte Themen einsetzen“, sagte der Christdemokrat in Würzburg. Die Bereitschaft, sich „breitgefächert in einer Partei zu engagieren“, sei hingegen zurückgegangen. Deshalb wolle er besonders für mehr Engagement in der Kommunalpolitik werben.
Die kommunale Ebene – „die Stadt, das Dorf, der Kreis, in dem die Menschen leben“ – gestalte „die lokalen Rahmenbedingungen des Zusammenlebens“, betonte der Kanzler in der Diskussionsrunde. „Und gerade dort brauchen wir vor allem junge Menschen, die sich engagieren, und zwar nicht nur punktuell, sondern umfassend bei allen Themen.“