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Flucht gelingt: Radikale Siedler belagern palästinensisches Haus im Westjordanland seit zwei Wochen

Menschen gelingt die Flucht: Radikale Siedler belagern Haus palästinensischer Familie seit zwei Wochen

Im Westjordanland haben maskierte und bewaffnete Siedler über mehrere Tage hinweg das Haus einer palästinensischen Familie belagert. Die Bewohner berichten von Angriffen und Brandstiftung, obwohl israelische Sicherheitskräfte in der Nähe präsent waren. Mittlerweile hat die Familie ihr Zuhause offenbar vorübergehend verlassen.

Nach über zwei Wochen der Belagerung durch gewaltbereite israelische Siedler hat eine palästinensische Familie ihr Haus im Westjordanland aufgegeben. Raad Nasser, Vorsitzender des Dorfrats von Jalud, erklärte gegenüber der Zeitung „The Times of Israel“, dass die Familie Tobasi aus dem Dorf südlich von Nablus vor einigen Stunden ihr Heim verlassen habe, nachdem Siedler das Haus tagelang umzingelt und die Zufahrtsstraße blockiert hatten.

Die Zeitung „Haaretz“ berichtete am Nachmittag, dass zwei ihrer Journalisten vom israelischen Grenzschutz am Zugang zum Haus der Familie gehindert wurden. Nach Gesprächen mit den radikalen Siedlern auf der blockierten Straße verzichteten die Polizisten darauf, die Reporter weiter zu begleiten, um „Spannungen zu vermeiden“. Eine Journalistin von „Haaretz“ veröffentlichte am Abend ein Video, das offenbar jubelnde Siedler nach der Flucht der Familie zeigt.

Der Bericht erwähnt, dass die israelische Armee das Gebiet als militärische Sperrzone ausgewiesen hat, jedoch keine Maßnahmen ergriff, um die Siedler zu vertreiben. Laut der Zeitung war die Familie in den letzten Wochen wiederholt Angriffen ausgesetzt, nachdem zwei Siedleraußenposten in der Nähe ihres Hauses errichtet worden waren. Ein Familienmitglied wurde mit den Worten zitiert: „Sie attackieren jeden, der versucht, das Haus zu verlassen oder zu uns zu kommen. Unsere Lebensmittelvorräte sind fast aufgebraucht, und der Strom wurde abgeschaltet. Bald werden wir völlig von der Außenwelt abgeschnitten sein.“

Das Haus befindet sich auf einem abgelegenen Hügel in der Zone B des Westjordanlands, wo die palästinensische Autonomiebehörde für zivile Angelegenheiten zuständig ist, während die israelischen Sicherheitskräfte die Kontrolle behalten. Seit April, als ein Siedleraußenposten auf ihrem Grundstück errichtet wurde, berichtet die Familie von wiederholten Angriffen. Vor etwa zwei Wochen besetzten die Siedler ein im Bau befindliches Gebäude zwischen dem Haus und dem Dorfzentrum, wodurch die Familie laut Bericht vom Rest der Welt abgeschnitten wurde.

Angriffe und Brandstiftung

In den vergangenen Tagen zeigen Videoaufnahmen die Anwesenheit israelischer Soldaten in der Region, die die Siedler zwar filmten, aber nicht eingriffen. Den Berichten zufolge trugen die Siedler Masken, waren mit Schlagstöcken bewaffnet, warfen Steine und setzten das Haus der Familie sogar in Brand. Trotz dieses Brandanschlags bewegten sich die Siedler weiterhin unbehelligt auf dem Grundstück in unmittelbarer Nähe der Soldaten, wie „Haaretz“ berichtete.

Die Siedleraußenposten im Westjordanland sind auch nach israelischem Recht illegal. Aus dem Dorf Jalud gibt es immer wieder Meldungen über Siedlerangriffe, bei denen auch palästinensische Häuser in Brand gesetzt werden – zuletzt am vergangenen Dienstag. Die Gewalt durch jüdische Siedler hat im Westjordanland in diesem Jahr deutlich zugenommen.

In israelischen Medien wird daher vermehrt von „jüdischem Terror“ gesprochen. Den Sicherheitskräften Israels wird häufig vorgeworfen, nicht einzuschreiten oder sogar auf Seiten der Siedler zu agieren. Experten sehen in der Gewalt der Siedler zudem eine Strategie der rechts-religiösen Regierung Israels, die darauf abzielt, Palästinenser im besetzten Westjordanland zu vertreiben, um langfristig weitere Landnahmen zu ermöglichen.