Merz kritisiert Spahn: „Erst sehr spät informiert“ nach Bruch mit Ex-Fraktionschef
Zu Beginn der Sommerpause sieht sich Kanzler und CDU-Vorsitzender Merz mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. Aufgrund der Leihmutteraffäre verlor er den Fraktionsvorsitzenden. Im ZDF-„Sommerinterview“ äußert er nun deutliche Kritik an Spahns Umgang mit seiner privaten Entscheidung.
Bundeskanzler Friedrich Merz bemängelte nach Jens Spahns Rücktritt dessen Informationspolitik bezüglich der Elternschaft durch eine Leihmutter in den USA. „Wir hatten kaum die Möglichkeit, mit ihm darüber zu sprechen. Er hat die Partei und die Fraktion erst sehr, sehr spät darüber informiert“, erklärte der CDU-Chef im ZDF-„Sommerinterview“. „Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätten wir das in Ruhe besprechen können, doch diese Zeit fehlte uns.“
Merz wurde laut Angaben beider Politiker Ende der vergangenen Woche von Spahn über die Elternschaft informiert. Diese Information gab der Kanzler eigenen Angaben zufolge nicht innerhalb der CDU weiter. „Ich habe seinem Wunsch entsprochen und ihm die Kommunikation überlassen.“ Spahn und sein Ehemann Daniel Funke hatten am Mittwoch über die „Bild“-Zeitung öffentlich gemacht, dass sie mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden sind. Auf die Frage, ob Spahn ihm mitgeteilt habe, wie er die Nachricht kommunizieren wolle, antwortete Merz verneinend.
Als Merz gefragt wurde, was ihm zuerst durch den Kopf ging, als Spahn ihn informierte, antwortete er: „Zunächst stand das Wohl des Kindes im Vordergrund. Ich habe dem Kind viel Glück gewünscht und mir gedacht: Hoffentlich geht er kommunikativ gut damit um und erklärt die Situation klar. Doch wir hatten kaum Zeit, darüber zu sprechen.“
„Wir haben dann gehandelt“
Merz gab an, mit einer derart großen Empörungswelle nicht gerechnet zu haben. „Zumindest nicht in diesem Ausmaß“, sagte er. „Das hing wahrscheinlich auch mit seiner Person und der Kommunikation zusammen, wodurch viel Empörung entstand“, fügte er hinzu. Im Verlauf des Samstags wurde ihm „sehr deutlich bewusst“, welchen Schaden Spahns Verhalten für die Glaubwürdigkeit der Union verursacht hatte. „Deshalb haben wir dann auch reagiert“, erklärte Merz.
Im ZDF-Interview wurde Merz außerdem gefragt, ob er sich von Spahn hintergangen fühle. Seine Antwort lautete: „Das möchte ich hier nicht öffentlich bewerten. Der Vorgang ist abgeschlossen, er ist zurückgetreten. Wir akzeptieren und respektieren diese Entscheidung.“ Gleichzeitig würdigte Merz Spahns Verdienste als Fraktionsvorsitzender bei den Reformbemühungen der letzten Wochen. „Dafür danke ich ihm.“