Der Weltmeister, von dem Sie kaum wussten, dass er im Frankreich-Kader für 2026 steht
N’Golo Kanté gehört zu nur drei französischen Spielern, die bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 noch keine einzige Spielminute absolviert haben.
Während sich Frankreich auf die entscheidenden Turnierphasen vorbereitet, sind nur Lucas Hernández, Robin Risser und Kanté von Didier Deschamps bislang nicht eingesetzt worden. Auch Warren Zaïre-Emery stand bis zu seinem Einwechselung in der 75. Minute des Viertelfinalspiels gegen Marokko auf dieser Liste.
Besonders Kantés Nichtberücksichtigung überrascht dabei am meisten.
Über Jahre hinweg vertraute Deschamps dem erfahrenen Mittelfeldspieler uneingeschränkt, und viele Fans rechneten damit, dass Kanté bei der WM eine bedeutende Rolle spielen würde.
Vom Stammspieler zum ungenutzten Ersatz
Die Realität entwickelte sich jedoch ganz anders.
Kantés Karriere hat in den letzten Jahren allmählich an Fahrt verloren, doch Deschamps hielt stets an ihm fest. Überraschenderweise berief der Trainer ihn sogar in den Kader für die UEFA-Europameisterschaft im vergangenen Sommer, wo Kanté in vier Spielen von Beginn an auflief und den Eindruck erweckte, seine physische Stärke zurückgewonnen zu haben, die ihn während Frankreichs WM-Triumph 2018 unverzichtbar machte.
Deschamps zog den aktuellen Fenerbahçe-Spieler sogar dem Real-Madrid-Profi Eduardo Camavinga für diesen WM-Kader vor.
Diese Entscheidung stieß auf Kritik, zumal Camavinga trotz einer wechselhaften Saison einer der vielversprechendsten jungen Mittelfeldspieler Frankreichs bleibt. Kanté hingegen hatte in der letzten Länderspielperiode vor der WM im März noch viele Einsatzminuten gesammelt und bewiesen, dass er weiterhin viel zu bieten hat.
Die Rückkehr nach Europa reichte nicht aus
Zwischen 2022 und 2024 war Kanté zwei Jahre lang nicht Teil der Nationalmannschaft, eine Phase, die mit seinem Wechsel nach Saudi-Arabien zusammenfiel.
Trotzdem festigten seine starken Leistungen bei der Europameisterschaft seine Bedeutung im französischen Team erneut. Er zeigte eindrucksvoll, warum seine Partnerschaft mit Paul Pogba eines der prägendsten Mittelfeldduos bei Frankreichs WM-Sieg 2018 war.
Die Geschichte von Pogba verlief hingegen anders. Nach seinem Wechsel zu Monaco, um seine Karriere neu zu beleben und seine Chancen auf eine WM-Teilnahme in den USA zu wahren, verhinderten Verletzungen und mangelnde Spielpraxis letztlich diese Ambitionen.
Kanté kehrte im Januar mit seinem Transfer zu Fenerbahçe zurück ins europäische Fußballgeschehen.
Dieser Schritt schien seine Chancen auf einen Platz im WM-Kader zu verbessern. Das Verhältnis zu Deschamps war stets ausgezeichnet. Kanté zählte zu den vertrauenswürdigsten Spielern des Trainers während der glanzvollen Ära Frankreichs und trotz seines Ausfalls bei der WM 2022 in Katar blieben die beiden eng verbunden.
In der Türkei wurde Kanté wieder zum Stammspieler, verließ die Startelf kaum und bewies, dass seine charakteristische Ausdauer nach wie vor vorhanden ist.
Doch das Mittelfeld Frankreichs hat sich weiterentwickelt.
Manu Koné, Aurélien Tchouaméni und Adrien Rabiot zeigen durchgängig starke Leistungen, während Zaïre-Emery, der in der vergangenen Saison meistgenutzte Feldspieler von PSG, seinen rasanten Aufstieg fortsetzt. Diese Leistungen haben Kantés Chancen erheblich eingeschränkt, sich in die Startelf zu spielen.
Ein bleibendes Vermächtnis bei Les Bleus
Dies dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit Kantés letztes großes Turnier im Trikot Frankreichs sein.
Bei der WM 2030 wäre er 39 Jahre alt, und mit der erwarteten Ernennung von Zinedine Zidane zum Nationaltrainer würde vermutlich eine neue Ära beginnen.
Selbst wenn Kanté bei dieser WM nicht zum Einsatz kommt, ist sein Platz in der Geschichte des französischen Fußballs sicher.
Seine unvergesslichen Auftritte während des WM-Triumphs 2018 machten ihn zu einem der weltbesten Mittelfeldspieler, und sein Erbe bei Les Bleus reicht weit über die Minuten hinaus, die er auf dem Platz verbringt.
Kanté ist, war und wird stets eines der prägenden Symbole der französischen Nationalmannschaft bleiben.