Ex-Olympionike vor Gericht: Fortsetzung der Farce um den Reflecting Pool und Trump-Pfusch
David Hearn, der die USA mehrmals bei Olympischen Spielen vertreten hat, sieht sich nun mit einer möglichen Haftstrafe von bis zu zehn Jahren konfrontiert. Grund dafür ist seine Berührung eines Wasserspiegels in Washington, dessen missglückte Sanierung US-Präsident Donald Trump erzürnt hat. Der Verteidiger des Beschuldigten äußert sich deutlich zu dem Fall.
Der US-Präsident ließ das bekannte Reflecting Pool in Washington renovieren – inzwischen ist die Justiz wegen der entstandenen Schäden involviert: Der ehemalige US-Olympiateilnehmer David Hearn bestritt heute bei einer Gerichtsverhandlung die Vorwürfe des Vandalismus und erklärte sich für nicht schuldig. Dem 67-Jährigen droht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren.
Am 19. Juni wurde Hearn während eines Besuchs am sogenannten Reflecting Pool festgenommen, in dem sich der Obelisk zu Ehren George Washingtons sowie das Lincoln-Denkmal spiegeln. Die von Trump eingesetzte Staatsanwältin Jeanine Pirro wirft ihm vor, öffentliches Eigentum vorsätzlich beschädigt zu haben. Nach einer von Trump veranlassten Neulackierung mit Schwimmbadfarbe löste sich der Bodenbelag teilweise ab. Trump machte dafür „Vandalen“ verantwortlich, ohne jedoch Belege vorzulegen.
Hearn berichtete der „Washington Post“ nach seiner Festnahme, er habe im Rahmen einer Fahrradtour am Wasserbecken angehalten, um die von Trump beauftragten Arbeiten zu begutachten. Als er sich hinunterbeugte, um ein Stück der sich ablösenden blauen Farbe zu berühren, sei er festgenommen worden. Die Anklageschrift beschreibt hingegen, dass Mitarbeiter des Nationalparkdienstes (NPS) beobachteten, wie Hearn „kraftvoll und gewaltsam etwa zwei Quadratfuß Farbe vom Beckenboden ablöste und entfernte“.
Norm Eisen, Hearns Anwalt, kritisierte Trump scharf und warf ihm vor, unschuldige Bürger als „Sündenböcke“ für misslungene Renovierungen zu benutzen. „Wenn Herr Hearn wegen eines Verbrechens angeklagt werden kann, weil er den Reflecting Pool berührt hat, ist jeder Amerikaner gefährdet“, erklärte Eisen.
Proteste vor dem Gericht
Vor dem Gericht versammelten sich zahlreiche Demonstranten, um Hearns Freispruch zu fordern. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie „Trump schiebt jedem die Schuld zu – nur nicht sich selbst“. Neben dem ehemaligen Leistungssportler wurden rund ein halbes Dutzend weitere Personen festgenommen und warten auf ihren Prozess. Hearn war bis zum Jahr 2000 dreimal als Kanufahrer für die USA bei Olympischen Spielen am Start.
Seit der Wiedereröffnung ist das Wasserbecken zudem von Algen befallen. Um diese zu bekämpfen, sollen öffentliche Angestellte Chemikalien ins Wasser gegeben haben, was laut Experten das Ablösen des Bodenbelags begünstigen kann.
Medienberichten zufolge beliefen sich die Renovierungskosten auf etwa 14 Millionen Dollar (rund zwölf Millionen Euro). Die Arbeiten fanden kurz vor den 250-Jahr-Feierlichkeiten der USA am 4. Juli statt. Den Auftrag erhielt ein Unternehmer, der mit Trump befreundet ist, ohne öffentliche Ausschreibung. Dasselbe Unternehmen soll nun die entstandenen Schäden beheben.