Netanjahu: Israels Abzug aus Südlibanon nur nach Rückzug der Hisbollah
Der israelische Premierminister hat der Armee den Befehl gegeben, das Tunnelsystem der Hisbollah im Südlibanon vollständig zu vernichten. Die iranisch unterstützte Miliz müsse verstehen, dass sie dort nicht mehr willkommen sei. Einen Rückzug der israelischen Truppen aus der Pufferzone wird es laut Netanjahu erst geben, wenn diese Bedingung erfüllt ist.
Nach Angaben von Regierungschef Benjamin Netanjahu bleibt die israelische Armee im Libanon stationiert, solange die pro-iranische Hisbollah eine „Gefahr“ für Israel darstellt. „Unsere Position ist eindeutig: Wir werden den Südlibanon nicht räumen, solange die Bedrohung weiterhin besteht“, erklärte Netanjahu laut einer Mitteilung seines Büros. „Solange die bewaffnete Hisbollah hier präsent ist und uns bedroht, bleiben wir vor Ort“, unterstrich der Premierminister.
„Der Libanon erkennt Israel an, Israel erkennt den Libanon an, und wir richten die klare Botschaft an den Iran und die Hisbollah: Verlasst diesen Ort, ihr habt hier nichts mehr verloren“, erklärte Netanjahu. Es gebe „zwei souveräne Staaten, die friedlich miteinander leben wollen“. Die Hisbollah bezeichnete er als das zentrale Element einer Achse iranischer Verbündeter. Von ehemals 150.000 Raketen und Geschossen seien nach seinen Angaben noch rund acht Prozent vorhanden.
Er habe die Streitkräfte angewiesen, die gesamte Infrastruktur der Hisbollah im Südlibanon zu zerstören. Laut Regierungspresseamt bezog sich Netanjahu bei einem Truppenbesuch auf sämtliche ober- und unterirdischen Anlagen, die die Miliz für Angriffe auf Israel genutzt habe, darunter auch Tunnel. „Das ist der Auftrag: Keine Spuren zurücklassen, und genau das wird umgesetzt“, so Netanjahu.
Israel kontrolliert etwa sechs Prozent des libanesischen Staatsgebiets
In der vergangenen Woche unterzeichneten Israel und der Libanon unter US-Vermittlung ein Rahmenabkommen, das den Weg für eine Friedenslösung zwischen beiden Ländern ebnen soll. Dieses Abkommen knüpft einen israelischen Rückzug aus den besetzten libanesischen Gebieten an die Entwaffnung der Hisbollah durch Beirut. Hierfür sind sogenannte „Pilotzonen“ vorgesehen, in denen die libanesische Armee die Kontrolle übernehmen soll.
Die Hisbollah hatte den Libanon in den Konflikt mit dem Iran hineingezogen, indem sie nach Kriegsbeginn Raketen auf Israel abfeuerte. Israel reagierte mit Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Libanon. Nach Angaben der israelischen Armee wurde eine „Sicherheitszone“ eingerichtet, die etwa zehn Kilometer tief ins libanesische Gebiet reicht. Libanesische Medien schätzen, dass Israel inzwischen rund 620 Quadratkilometer kontrolliert, was ungefähr sechs Prozent der libanesischen Landesfläche entspricht.
Die libanesischen Behörden berichten, dass seit Beginn des Krieges am 2. März bei israelischen Angriffen über 4200 Menschen ums Leben gekommen sind. Die israelische Armee verzeichnete im gleichen Zeitraum 39 Todesfälle, fast ausschließlich Soldaten.