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Der Fluch der Titelverteidiger: Alle amtierenden Weltmeister mit überraschendem Aus in der Gruppenphase

Der Fluch der Titelverteidiger: Alle amtierenden Weltmeister mit überraschendem Aus

Der amtierende Weltmeister reist zu jedem folgenden Turnier meist mit enormen Erwartungen an. Als Titelträger gelten sie oft als das Team, das es zu schlagen gilt, gestärkt durch das Selbstvertrauen des vorangegangenen Triumphs vier Jahre zuvor. Doch die Geschichte der Weltmeisterschaft zeigt, dass Erfolg schnell verfliegen kann. Tatsächlich haben genug Titelverteidiger ein überraschendes frühes Aus erlitten, um vom sogenannten „Fluch der Champions“ zu sprechen.

Von den bisher 22 abgeschlossenen Weltmeisterschaften wurden sechs Mal die amtierenden Weltmeister bereits in der Gruppenphase eliminiert. Das jüngste Beispiel war Deutschland im Jahr 2018. Während sich das Turnier 2026 seinem Höhepunkt nähert, droht Argentinien, das in Katar den Pokal gewann, in diese unerwünschte Liste aufgenommen zu werden.

Italien: der erste und einzige Doppel-Opfer

Italien war die erste Nation, die den Fluch zu spüren bekam, und ist bis heute das einzige Land, das ihn gleich zweimal erlitt.

Der erste Rückschlag erfolgte 1954. Bei damals nur 16 teilnehmenden Teams trafen die Azzurri in ihrer Gruppe auf England, die Schweiz und Belgien. Trotz des Status als Titelverteidiger reichte es nur zum dritten Platz, was das frühe Aus vor dem Viertelfinale bedeutete.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später wiederholte sich die Geschichte bei der WM 2010 in Südafrika. Italien konnte in der Gruppenphase gegen Paraguay, die Slowakei und Neuseeland keinen Sieg erringen und schied damit auf dramatische Weise aus – ein herber Rückschlag für eine Nation, die bereits vier WM-Titel vorweisen konnte.

Brasiliens Herrschaft endet 1966

Der nächste amtierende Weltmeister, der scheiterte, war Brasilien.

Die Seleção reiste 1966 als zweifacher Weltmeister nach England, nachdem sie 1958 und 1962 triumphiert hatten. Die Erwartungen waren enorm, besonders mit Stars wie Pelé und Garrincha in der Mannschaft. Doch Brasilien tat sich schwer in einer starken Gruppe mit Portugal, Ungarn und Bulgarien.

Statt ihre Dominanz auszubauen, schieden die Südamerikaner überraschend früh aus – eine der größten Überraschungen jener Zeit und ein Beleg dafür, dass selbst legendäre Teams verwundbar sind.

Frankreichs unvergesslicher Zusammenbruch 2002

Frankreich lieferte bei der WM 2002 in Korea/Japan eine der schockierendsten Titelverteidigungen der Turniergeschichte.

Les Bleus traten nicht nur als amtierende Weltmeister nach ihrem Triumph 1998 an, sondern auch als Europameister nach dem Sieg bei der EM 2000. Viele sahen sie als Favoriten auf die Titelverteidigung.

Doch die Mannschaft von Roger Lemerre erlebte eine katastrophale WM. Sie starteten mit einer unerwarteten Niederlage gegen Senegal, spielten anschließend torlos gegen Uruguay und verloren schließlich gegen Dänemark.

Frankreich wurde Gruppenletzter und schied ohne ein einziges Tor zu erzielen aus – ein erstaunliches Ergebnis für eines der talentiertesten Teams seiner Generation.

Spaniens goldene Ära endet abrupt

Auch Spanien blieb vom Fluch nicht verschont.

Nach dem Gewinn der WM 2010 und zwei aufeinanderfolgenden Europameisterschaften reiste La Roja 2014 nach Brasilien mit der Hoffnung, eine der erfolgreichsten Phasen im internationalen Fußball zu verlängern.

Doch der Traum zerplatzte schnell. Spanien wurde im ersten Spiel von den Niederlanden mit 5:1 deklassiert und erlitt anschließend eine weitere Niederlage gegen Chile.

Ein 3:0-Sieg gegen Australien im letzten Gruppenspiel verhinderte nur die Gruppenletztenposition und markierte das symbolische Ende einer goldenen Generation, die den Weltfußball beherrscht hatte.

Deutschland gesellt sich 2018 zur Liste

Deutschland wurde zum jüngsten Titelverteidiger, der dem Trend zum Opfer fiel.

Das Team von Joachim Löw ging als einer der Favoriten in die WM 2018 in Russland, nachdem es vier Jahre zuvor in Brasilien den Titel gewonnen hatte. Stattdessen erlebten sie eines der größten Turnier-Überraschungen.

Deutschland startete mit einer historischen Niederlage gegen Mexiko. Toni Kroos rettete mit einem dramatischen Freistoß in der Nachspielzeit gegen Schweden noch die Hoffnungen.

Doch diese Erholung währte nur kurz. Eine 0:2-Niederlage gegen Südkorea bedeutete das frühe Aus in der Gruppenphase – das erste Mal in der Geschichte des Teams. Die Mannschaft belegte den letzten Platz und schrieb ein weiteres Kapitel zum Mythos des Fluchs der Titelverteidiger.

Könnte Argentinien 2026 folgen?

Die Beispiele verteilen sich über Jahrzehnte, Generationen und Kontinente, was darauf hindeutet, dass es keine einfache Erklärung für das Phänomen gibt. Selbstzufriedenheit, alternde Kader, taktische Stagnation und der Druck, den Titel zu verteidigen, werden als mögliche Ursachen genannt.

Fest steht, dass die Geschichte der Weltmeisterschaft amtierende Champions nur begrenzt schützt. Argentiniens Schicksal bei der WM 2026 ist noch offen, doch die Statistik zeigt: Den Pokal einmal zu gewinnen, garantiert keinen Erfolg vier Jahre später.