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FCAS weiterentwickelt: Das Ende des Kampfjets eröffnet neue Perspektiven

FCAS lebt: Das Aus für den Kampfjet birgt auch Chancen

Das gemeinsame Kampfjetprojekt von Deutschland und Frankreich ist gescheitert – aber war dieses Mammutvorhaben überhaupt noch zeitgemäß? Die wichtigsten Fakten und Antworten zum FCAS.

Ist das FCAS-Projekt wirklich beendet?

Nein, diese oft verbreitete Schlagzeile unterschätzt die Dimension des Vorhabens, das Deutschland gemeinsam mit Frankreich und Spanien verfolgt. Entwickelt wird das Future Combat Air System (FCAS), ein Luftkampfsystem der nächsten Generation. Im Mittelpunkt sollte der sogenannte Next Generation Fighter (NGF) stehen – ein Kampfflugzeug, das von Dassault auf französischer Seite und Airbus auf deutscher Seite konzipiert werden sollte. Dieses gemeinsame Flugzeug wird es jedoch nicht geben.

Das übergeordnete System, in das der NGF eingebunden werden sollte – Drohnen in der Luft und am Boden, sowohl bewaffnet als auch unbewaffnet, sowie ein Netzwerk mit Schnittstellen zum Informationsaustausch zwischen Waffensystemen – bleibt von der Absage unberührt. Die sogenannte Combat Cloud wird weiterhin vorangetrieben und spielt für FCAS die zentrale Rolle.

Warum fällt der Kampfjet weg? Erstes Hindernis: Technische Differenzen

Das Scheitern des Next Generation Fighter hat vielfältige Ursachen, von denen einige von Beginn an bestanden – etwa technische Herausforderungen.

Es ist kompliziert, wenn zwei Länder gemeinsam ein Kampfflugzeug entwickeln, das jedoch ganz unterschiedliche Einsatzprofile erfüllen soll. Frankreichs Marine betreibt den Flugzeugträger Charles de Gaulle und möchte, dass der neue Jet auch von dort starten kann. Das erfordert ein besonders robustes Fahrwerk und eine stabile Flugzeugzelle, da die Landung auf einem Träger sehr harte Belastungen mit sich bringt.

Die Bundeswehr hingegen verfügt über keinen Flugzeugträger und benötigt daher diese spezielle Stabilität nicht. Stattdessen stellt sie andere Anforderungen an Größe und Geschwindigkeit des Jets. Da ein deutscher Jet ohne Flugzeugträger oft größere Distanzen zwischen Heimatstützpunkt und Einsatzgebiet zurücklegen müsste, ist ein größerer Treibstofftank erforderlich – ein Bedarf, den Frankreich nicht teilt.

Frankreich möchte mit dem neuen Flugzeug auch die Fähigkeit erhalten, seine Atomwaffen zu transportieren. Deutschland verfügt hingegen nicht über eigene Atomwaffen, sondern nutzt im Rahmen der Nuklearen Teilhabe US-amerikanische Bomben, die in Büchel stationiert sind. Diese sollen künftig mit der bereits bestellten US-F-35 geflogen werden. Ein europäisches Flugzeug würde voraussichtlich nicht von den USA für den Atomwaffentransport zertifiziert werden. Die Anforderung, Atomraketen tragen zu können, bestand daher ausschließlich auf französischer Seite.

Obwohl es grundsätzlich möglich ist, solch unterschiedliche Ansprüche in einem Flugzeug zu vereinen, ist das nicht optimal. Eine Lösung mit zwei verschiedenen Versionen hätte die Entwicklung erheblich verteuert und verzögert. Daher ist es wenig überraschend, dass das Projekt seit seinem Start 2017 kaum Fortschritte erzielte.

Zweites Hindernis: Éric Trappier

Der Geschäftsführer von Dassault zeigte sich in der Zusammenarbeit wenig kompromissbereit. Für ein solch komplexes Gemeinschaftsprojekt ist es notwendig, klare Zuständigkeiten zu definieren, aber auch Vertrauen und Offenheit, um sensible Informationen zu teilen. Aus deutscher Sicht fehlte diese Bereitschaft bei Trappier.

Man hatte vereinbart, dass Dassault federführend den Kampfjet entwickeln sollte, während Airbus Defence and Space die Drohnen-Cloud verantwortet. Doch „federführend“ wurde von den Deutschen als partnerschaftliche Führung verstanden, während Trappier auf größtmögliche Autonomie pochte – auch in wirtschaftlichen Belangen. Dassault wollte das Flugzeug bauen, verkaufen und daraus Gewinne erzielen – ein Weg, den Airbus nicht mitgehen konnte.

Trotz zahlreicher Verhandlungen zeigte Trappier keine Zugeständnisse. Bundeskanzler Friedrich Merz versuchte persönlich, ihn umzustimmen – ohne Erfolg. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron blieb erfolglos. Der Sicherheitsexperte Frank Sauer zieht das Fazit: „Letztlich hat Éric Trappier das Kampfjet-Projekt zum Scheitern gebracht. Verantwortlich ist in erster Linie Dassault.“

Der Frust in Berlin über Trappiers Haltung wurde bereits in der Bekanntgabe der Absage deutlich. Merz und Macron erklärten, die Unternehmen könnten sich nicht einigen. „Bundeskanzler Merz hat Präsident Macron deshalb empfohlen, das gemeinsame Kampfflugzeug-Projekt nicht weiterzuverfolgen.“

Diese diplomatische Formulierung ist bemerkenswert deutlich. Denn der Großteil der FCAS-Entwicklung bleibt erhalten. Man hätte die Zusammenarbeit an der Combat Cloud hervorheben und das Aus für den Kampfjet eher beiläufig kommunizieren können. Die Bundesregierung wählte jedoch eine klare Sprache, was den Ärger über Trappiers Blockadehaltung offenbart.

Fehlt der Kampfjet – wie schlimm ist das?

Die gute Nachricht: Insgesamt ist das nicht gravierend. Natürlich wirft das Scheitern eines solchen Projekts einen Schatten auf die deutsch-französische Partnerschaft – gerade in Zeiten, in denen der Kreml die Stärke der europäischen NATO-Partner genau beobachtet. Ein Prestigeprojekt wie der Next Generation Fighter, das scheitert, schwächt die Abschreckungskraft.

Zudem hat eine gute Kooperation auch innenpolitischen Wert, und es wird einige Anstrengungen brauchen, die Risse zwischen Deutschland und Frankreich zu kitten – insbesondere da Frankreich bei Verteidigungsinvestitionen mittlerweile spürbar hinter Deutschland zurückbleibt. Ein gemeinsamer Kampfjet hätte für mehr Ausgleich gesorgt.

Abseits dieser Nachteile eröffnet das Ende des gemeinsamen Kampfjets auch neue Chancen. Zum Beispiel kann das Vorhaben nun schlanker gestaltet werden. Je mehr Partner beteiligt sind, desto teurer wird es. Deutschland kann prüfen, ob ein Einstieg in bereits bestehende Konsortien sinnvoll ist – etwa mit Großbritannien, Italien und Japan, die gemeinsam einen neuen Flieger entwickeln. Auch Schweden könnte ein Partner sein. Airbus bietet eine Entwicklung im Verbund von acht Firmen an, darunter Hensoldt, Diehl Defence und MBDA.

Da der NGF nun gestoppt ist, stellt sich für pragmatische Planer auch die grundsätzliche Frage: War dieses Mega-Projekt überhaupt noch zeitgemäß? FCAS sollte mit reinen Entwicklungskosten von 100 Milliarden Euro den Luftkampf revolutionieren – das teuerste Rüstungsprojekt Europas, einsatzbereit ab 2040. Aber wie viel wird der Luftkampf 2040 wirklich mit den heutigen Vorstellungen zu tun haben?

Die ukrainische Armee hat sich mithilfe von Künstlicher Intelligenz des US-Unternehmens Palantir innerhalb weniger Monate eine überlegene Position gegenüber Russland verschafft. Die technische Entwicklung schreitet rasant voran und beeinflusst unmittelbar das Kräfteverhältnis der Konfliktparteien.

Vor diesem Hintergrund hinterfragt Frank Sauer, Forscher an der Universität der Bundeswehr, vorsichtig aber grundlegend den Sinn eines teuren Großprojekts. „Ein bemannter Next Generation Fighter würde in Europa nur in niedriger dreistelliger Stückzahl produziert. Überspitzt gesagt, würde jeder einzelne Flieger von Hand gefertigt. Im Zeitalter von KI und preiswerten unbemannten Systemen ist das noch zeitgemäß?“

Sauer richtet den Blick auf neue, agile Drohnenhersteller, die KI-gesteuerte Flugkörper entwickeln, die nicht in 14 Jahren, sondern in 14 Monaten einsatzbereit sind. „Diese Drohnen haben zwar nicht die Qualität oder Leistungsfähigkeit eines Kampfjets der sechsten Generation, sind aber günstiger und können in großer Stückzahl produziert werden. Wenn von zehn Drohnen drei abgeschossen werden, erreichen immer noch sieben ihr Ziel und verursachen Schaden.“ Deshalb müsse man offen diskutieren, „wie wir langfristige Technologieentwicklung und kurzfristigen militärischen Nutzen im Hinblick auf Europas Verteidigungsfähigkeit gewichten wollen.“

Das Aus für den deutsch-französischen Kampfjet bietet also die Chance, das Projekt neu zu justieren und an Erkenntnisse anzupassen, die 2017 noch nicht verfügbar waren. Vielleicht zeigt sich, dass ein einfacheres, robusteres oder optional bemanntes Flugzeug, unterstützt von einer hochmodernen KI-Cloud, die bessere Lösung ist. Dass der Teil von FCAS, der Schnittstellen, Clouds, KI und Kommunikationssysteme umfasst, weiterentwickelt wird, ist derzeit die wichtigste Nachricht.