Diese 79-Dollar-WM-„Erfahrung“ sorgt bei Fans für Verwunderung: Für wen ist das gedacht?
FIFAs neuester Versuch, die Weltmeisterschaft zu monetarisieren, sorgt aus den falschen Gründen für Aufsehen. Während das Turnier diese Woche in den USA, Kanada und Mexiko startet, sehen sich Fans bereits mit Rekord-Ticketpreisen, steigenden Unterkunftskosten und Reiseproblemen konfrontiert.
Doch ein besonderes Angebot sorgt online für Verwirrung: der 79-Dollar-„Super Shoutout“, der Fans erlaubt, ihren Namen vor Spielbeginn auf den Stadionbildschirmen anzeigen zu lassen.
FIFAs jüngstes Einnahmemodell
Theoretisch bietet es eine unterhaltsame, personalisierte Möglichkeit, Teil der WM-Atmosphäre zu sein. Tatsächlich ist der Nutzen jedoch deutlich eingeschränkter, als viele vermuten würden – besonders für 79 Dollar. Laut FIFAs eigenen Bedingungen wird die bezahlte Nachricht nicht während der Live-Spielphase gezeigt. Stattdessen erscheint der „Shoutout“ ausschließlich im Vorfeld des Spiels, sodass Fans, die hoffen, ihren Namen während der globalen TV-Übertragung zu sehen, wahrscheinlich enttäuscht werden. Zudem garantiert FIFA keine bestimmte Dauer oder Position der Anzeige innerhalb der Stadionbildschirme.
Fans zahlen also für einen Moment, der lediglich in der Vorbereitungsphase existiert, nicht während des Spiels selbst, und auch nicht unbedingt auf eine Weise, die viele Zuschauer überhaupt bemerken würden. Selbst wenn, ist der Preis recht hoch.
Das Programm umfasst alle 72 Gruppenspiele und ermöglicht es Nutzern, ein Spiel auszuwählen, ihren Namen einzugeben und bis zu vier Shoutout-Plätze pro Bestellung zu erwerben. Bei einem Preis von 79 Dollar pro Platz vor Steuern könnten Fans, die mehrere Nachrichten buchen, über 300 Dollar für eine im Grunde genommen nur vor dem Spiel sichtbare Stadionanzeige ausgeben.
FIFA erklärt, dass die Buchungen nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ abgewickelt werden und die Verfügbarkeit begrenzt ist. Zudem wird die Kreditkarte erst nach Genehmigung belastet und die Aufnahme liegt letztlich im Ermessen von FIFA.
Dies geschieht zu einer Zeit, in der FIFA bereits wegen der Preisgestaltung für das Turnier 2026 unter Beobachtung steht. Die Ticketpreise werden von Fangruppen und Kontrollorganisationen kritisiert, die das Preismodell als zunehmend unzugänglich für durchschnittliche Fans bewerten. FIFA verteidigt sich, indem es auf die Standards des nordamerikanischen Marktes und die erforderlichen Investitionen für das erweiterte Turnier verweist, wobei Einnahmen teilweise in die weltweite Fußballentwicklung reinvestiert werden.
Dennoch ist der „Super Shoutout“ ein weiterer Streitpunkt in der anhaltenden Diskussion darüber, wie weit Sportorganisationen Mikrotransaktionen während Live-Events treiben können, bevor das Erlebnis selbst in kostenpflichtige Ebenen fragmentiert wird. Für manche Fans mag der Gedanke, ihren Namen in einem WM-Stadion zu sehen, noch einen gewissen Reiz haben. Andere hingegen fragen sich, wofür genau sie bezahlen, wenn es nicht während des eigentlichen Spiels passiert.