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Bovenschulte fordert klare Prioritäten: Warnung vor zu vielen Reformen in kurzer Zeit

"Prioritäten setzen": Bovenschulte warnt vor zu vielen Reformen in zu kurzer Zeit

Die Koalition plant, bis zur Sommerpause nahezu alle wichtigen Reformvorhaben umzusetzen. Bundesratspräsident Bovenschulte hält dies für zu viel auf einmal und plädiert für eine klare Priorisierung. Nicht alle Themen müssten sofort entschieden werden. Zudem weist er auf die Bedeutung der Länderkammer hin.

Andreas Bovenschulte, Präsident des Bundesrats, warnt vor einer Überfrachtung mit Reformen: „Steuerreform, Gesundheitsreform, Pflege, Rente, Arbeit, Energie – das erscheint mir, vorsichtig formuliert, zu viel für die verbleibenden sechs Wochen bis zur politischen Sommerpause“, erklärte der Bremer Bürgermeister im Gespräch mit dem „Spiegel“.

Er betonte, dass es zwar lobenswert sei, dass die Bundesregierung sich endlich Themen widmet, die lange liegen geblieben sind. Doch angesichts der Komplexität jedes einzelnen Bereichs sei die Anzahl der Aufgaben zu hoch. Besonders hob er die Rentenfrage hervor: „Innerhalb weniger Tage eine Rentenreform durchzusetzen, an der eine Expertenkommission monatelang gearbeitet hat, halte ich für keine gute Idee.“

Bovenschulte empfiehlt eine klare Priorisierung mit besonderem Fokus auf die Steuerpolitik: „Ich rate der Regierung, sich auf jene Maßnahmen zu konzentrieren, die in der aktuellen wirtschaftlichen Situation dringend notwendig sind, da sie Wachstum fördern und Arbeitsplätze sichern.“ Für ihn steht die Steuerreform an oberster Stelle: „Hier brauchen wir tatsächlich noch vor dem Sommer eine Einigung.“ Die mittel- und langfristigen Herausforderungen der Rentenversicherung könnten dagegen auch im späteren Jahresverlauf angegangen werden.

„Derzeit sind wir Weltmeister im Ankündigen“, kritisierte er weiter. Gleichzeitig warnte er, dass die Länder im Bundesrat Reformvorhaben blockieren könnten, sollten finanzielle Nachteile befürchtet werden. Kanzler Friedrich Merz zeigte sich zuvor zuversichtlich: „Die Koalition in Berlin besitzt die Kraft und die notwendige Geschlossenheit“, sagte der CDU-Chef. „Wir schaffen das, wir können das schaffen.“

Die schwarz-rote Koalition strebt an, bis Anfang Juli vor der Sommerpause mehrere große Reformvorhaben zu beschließen. Am Mittwoch treffen sich Gewerkschaften und Arbeitgeber auf Einladung von Bundeskanzler Merz zum Dialog mit dem Koalitionsausschuss im Kanzleramt. Bei einem weiteren Koalitionstreffen am 30. Juni sollen Union und SPD sich auf Reformen im Rentensystem, bei der Einkommensteuer und weiteren Bereichen verständigen. Kurz davor wird eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission ihre Empfehlungen zur Rentenreform präsentieren.