Russische Truppen sollen im Mai schwere Rückschläge erlitten haben
An der Front schaffen es russische Soldaten inzwischen kaum noch, Geländegewinne zu erzielen – trotz tausender Sturmangriffe. Ukrainische Angriffe auf Nachschubwege erschweren den Kreml-Truppen die Lage erheblich. Dennoch geraten Kiews Streitkräfte an einigen Frontabschnitten weiterhin unter starken Druck.
Nach Angaben ukrainischer Experten von Deepstate haben die russischen Streitkräfte den Mai „komplett vermasselt“. So sei seit Oktober 2023 kaum noch neues Gebiet erobert worden, die besetzten Flächen beliefen sich auf lediglich 14 Quadratkilometer. Berücksichtigt man das von der ukrainischen Armee zurückeroberte Terrain, ergibt sich sogar ein negativer Nettozuwachs.
Laut Deepstate führten die russischen Truppen im Mai zwar rekordverdächtige 7000 Sturmangriffe durch – ein großer Erfolg blieb jedoch aus. Zahlreiche Videos zeigen, dass russische Soldaten meist nur paarweise angreifen, oft sogar nur einzeln. „Bevor sie ihr Ziel erreichen, werden sie mit allen verfügbaren Mitteln bekämpft“, so Deepstate weiter.
Die Analysten heben hervor, dass die ukrainische Reaktionsfähigkeit auf Infiltrationen erheblich zugenommen hat. Dennoch stehen Kiews Truppen an mehreren Frontabschnitten weiterhin unter erheblichem Druck. Besonders genannt wird Kostjantyniwka in der Region Donezk, wo die Lage als äußerst kritisch eingeschätzt wird.
Verschiedene Indikatoren deuten darauf hin, dass die ukrainische Armee derzeit so stark dasteht wie seit Langem nicht mehr. Präsident Wolodymyr Selenskyj und General Oleksandr Syrskyj berichteten im vergangenen Monat, dass die ukrainischen Streitkräfte zeitweise mehr Angriffe als die russischen durchführen würden. Dies spiegelt sich auch in den Meldungen des Generalstabs wider. Zuvor hatten die Kreml-Truppen stets die Mehrzahl der Gefechte bestritten. Die Angaben lassen sich jedoch nicht unabhängig verifizieren.
Ukrainische Angriffe auf Nachschub zeigen Wirkung
Ein wesentlicher Grund für die Schwierigkeiten der russischen Seite sind gezielte Angriffe der Ukrainer auf die logistischen Verbindungen hinter der Front. In den letzten Wochen veröffentlichten Armeeeinheiten zahlreiche Videos, die Angriffe auf russische Lkw und andere Fahrzeuge dokumentieren. Möglich werden diese durch Drohnen mit großer Reichweite, die wichtige Autobahnen überwachen können.
Das Institut für Kriegsstudien (ISW) berichtet, dass die ukrainische Kampagne mit Angriffen mittlerer Reichweite die russische Logistik vom besetzten Gebiet in der Region Luhansk bis hin zur Krim massiv stört. Dies habe „immer umfassendere Auswirkungen auf das Schlachtfeld und erschwere den russischen Truppen ihre Angriffsvorstöße“.