Mehrheit befürwortet Wochenarbeitszeit: Auch SPD-Anhänger sprechen sich gegen den Acht-Stunden-Tag aus
Der Acht-Stunden-Tag ist in Deutschland nahezu ein kulturelles Erbe. Die Bundesregierung strebt an, diese starre Regelung durch eine flexiblere Wochenarbeitszeit zu ersetzen. Im RTL/ntv-Trendbarometer zeigen sich auch Anhänger von SPD und AfD positiv gegenüber diesem Vorhaben. Nur eine Partei bildet eine Ausnahme.
Eine Mehrheit der Bevölkerung steht der Abschaffung der festen Arbeitszeitgrenzen und damit des Acht-Stunden-Tags offen gegenüber. Laut RTL/ntv-Trendbarometer befürworten 57 Prozent der Befragten grundsätzlich die Abschaffung der bisherigen Regelung. Stattdessen wünschen sie sich eine wöchentliche Höchstarbeitszeit, die es erlaubt, an einzelnen Tagen mehr als acht Stunden zu arbeiten und an anderen Tagen entsprechend weniger.
Nach der derzeit gültigen Arbeitszeitrichtlinie darf die tägliche Arbeitszeit nur in Ausnahmefällen acht Stunden überschreiten. Paragraf 3 des Arbeitszeitgesetzes besagt konkret: „Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.“
Die Bundesregierung plant eine Reform: Statt des Acht-Stunden-Tages soll künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas beabsichtigt, zeitnah einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen.
Dreifache Zustimmung mit Ausnahme
Die Mehrheit der Zustimmung für die Reform zeigt sich parteiübergreifend – mit einer Ausnahme. Unter den Anhängern von CDU/CSU befürworten 74 Prozent eine Neuregelung des Arbeitszeitgesetzes. Auch die Wählerinnen und Wähler von SPD (61 Prozent) und Grünen (58 Prozent) unterstützen das Vorhaben, ebenso wie die Anhänger der AfD, bei denen die Zustimmung mit 51 Prozent jedoch recht knapp ausfällt.
Die Anhänger der Linken lehnen die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeitregelung mehrheitlich ab. Lediglich 37 Prozent begrüßen die Änderung der gesetzlichen Arbeitszeit, während 61 Prozent eine wöchentliche Höchstarbeitszeit anstelle des Acht-Stunden-Tags ablehnen.
Ähnliche Ablehnung zeigt sich in Ostdeutschland sowie unter Gewerkschaftsmitgliedern: Jeweils 53 Prozent sind gegen die Pläne der Bundesregierung. Gewerkschaften warnen vor gesundheitlichen Gefahren: „Zu lange Arbeitstage führen nachweislich zu Erkrankungen, die letztlich nicht nur den Beschäftigten schaden, sondern auch der Wirtschaft und dem Gesundheitssystem“, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Jede Lockerung der Vorschriften würde einseitig zulasten der Arbeitnehmer gehen.“
Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schlägt als Kompromiss vor, die Ausweitung der Arbeitszeit zunächst nur für ausgewählte Berufsgruppen zu ermöglichen. „Wer ernsthafte Bedenken hinsichtlich des Arbeitsschutzes hat, könnte zunächst die gesetzliche Anpassung auf Beschäftigte beschränken, bei denen keine Gesundheitsrisiken bestehen, etwa Bürobeschäftigte“, erläuterte IW-Arbeitsmarktexperte Oliver Stettes ebenfalls gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Für die Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa am 14. und 15. Mai 2026 im Auftrag von RTL/ntv insgesamt 1004 Personen. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 3 Prozentpunkten.