Kuba erlebt täglich 20 Stunden Stromausfall: Diesel und Heizöl vollständig erschöpft
Seit vier Monaten blockieren die USA die Treibstoffzufuhr nach Kuba, wodurch das öffentliche Leben zunehmend zusammenbricht. Der Energieminister Kubas bestätigt, dass viele Stadtteile täglich 20 bis 22 Stunden ohne Strom auskommen müssen. In einer großen Protestnacht äußerten die Menschen ihren Unmut.
In der Hauptstadt Havanna kam es infolge der schwersten Stromausfälle seit Jahrzehnten zu Demonstrationen. Hunderte Bewohner strömten am Mittwochabend (Ortszeit) in verschiedenen Außenbezirken auf die Straßen. Aufgrund der im Januar verschärften US-Sanktionen ist Kuba von internationalen Treibstofflieferungen abgeschnitten. Energieminister Vicente de la O berichtete, dass Diesel und Heizöl komplett aufgebraucht sind und das Stromnetz sich in einem „kritischen Zustand“ befindet.
„Wir verfügen über keinerlei Brennstoff, auch keinen Diesel“, erklärte de la O in staatlichen Medien. „Es gibt keine Reserven mehr.“ Die Stromausfälle hätten sich in dieser Woche massiv verschärft. Viele Stadtteile Havannas seien bis zu 20 bis 22 Stunden täglich ohne Strom, so der Minister. Dies verschärfe die ohnehin angespannte Lage in einer Stadt, die bereits unter Mangel an Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten leidet. Das Stromnetz wird derzeit ausschließlich mit heimischem Rohöl, Erdgas und erneuerbaren Energien versorgt. Kuba hat in den letzten zwei Jahren 1300 Megawatt Solarenergie installiert, doch ein großer Teil dieser Kapazität geht aufgrund von Netzinstabilitäten verloren.
In Havanna entzündeten Demonstranten Müllhaufen und blockierten Straßen. Zahlreiche Menschen protestierten lautstark, indem sie auf Töpfe schlugen und Parolen riefen wie „Schaltet das Licht ein“ und „Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden“. Reporter berichteten von mehreren meist friedlichen Versammlungen in der ganzen Stadt. Es war die größte Protestnacht in der Hauptstadt seit Beginn der massiven Energiekrise zu Jahresbeginn.
US-Präsident Trump warnt Handelspartner
Die US-Blockade der Treibstofflieferungen nach Kuba dauert nun schon vier Monate an. Dadurch sind die öffentlichen Dienstleistungen auf der karibischen Insel mit fast zehn Millionen Einwohnern faktisch zum Erliegen gekommen. Weder Mexiko noch Venezuela, Kubas bisher wichtigste Öllieferanten, haben seit Trumps Anordnung im Januar Treibstoff an Kuba geliefert.
Trump droht allen Ländern, die Treibstoff an den kommunistisch geführten Staat exportieren, mit Strafzöllen. Seit Dezember erreichte lediglich ein großer Öltanker, die unter russischer Flagge fahrende „Anatoli Kolodkin“, Kuba mit Rohöl.
Energieminister de la O betonte, Kuba führe trotz der Blockade weiterhin Gespräche über Treibstoffimporte. „Kuba ist offen für jeden, der uns Treibstoff verkaufen will.“ Allerdings erschweren die weltweit steigenden Öl- und Transportpreise infolge des Konflikts zwischen den USA und Israel gegen den Iran diese Bemühungen zusätzlich.
Die Vereinten Nationen bezeichneten die US-Treibstoffblockade vergangene Woche als rechtswidrig. Sie behindere das „Recht des kubanischen Volkes auf Entwicklung“ und beeinträchtige zugleich seine „Rechte auf Nahrung, Bildung, Gesundheit sowie Wasser und sanitäre Einrichtungen“.