„Juden haben hier Hausverbot!!!“: Flensburger Händler wegen antisemitischem Plakat zu Bewährungsstrafe verurteilt
Im Herbst des vergangenen Jahres entfachte ein Flensburger Ladenbesitzer mit einem antisemitischen Aushang in seinem Schaufenster Empörung, die bis ins Ausland reichte. Auf dem Plakat wurde Jüdinnen und Juden Hausverbot erteilt – ein klares Echo auf die Boykottaufrufe der Nazis im Dritten Reich. Nun wurde der Mann von einem Gericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Das Amtsgericht Flensburg sprach den 60-jährigen Deutschen schuldig und verhängte eine sechsmonatige Bewährungsstrafe. Zusätzlich muss er als Auflage eine Geldstrafe von 1200 Euro an die KZ-Gedenkstätte Ladelund zahlen. Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte am 17. September 2025 für ungefähr vier Stunden einen Aushang in seinem Trödelladen anbrachte, auf dem unter anderem stand: „Juden haben hier Hausverbot!!!“
Die Richterin betonte, dass der Aushang dazu diente, Hass gegen die in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden zu schüren und ihre Menschenwürde durch Verachtung zu verletzen. Der Mann sei sich der Bedeutung seiner Worte bewusst gewesen. Das Plakat war absichtlich an die nationalsozialistischen Boykottaufrufe gegen Juden angelehnt. Es handelte sich weder um eine spontane Äußerung noch um durch die Meinungsfreiheit gedeckte Äußerungen. Vielmehr sei es eine gezielte Hetze gewesen, erklärte die Richterin und verurteilte den Angeklagten wegen Volksverhetzung. Gegen das Urteil steht ihm der Rechtsweg offen.
Der Beschuldigte gab zu, das Plakat aufgehängt zu haben, und ließ eine Erklärung seines Anwalts verlesen. Er zeigte Reue und betonte, die Gefühle der jüdischen Gemeinde nicht verletzen zu wollen. Solche Vorfälle wolle er künftig vermeiden. Während der polizeilichen Vernehmung rechtfertigte er das Hausverbot damit, dass seiner Ansicht nach alle ihm bekannten Juden den Gaza-Krieg unterstützten. Nachträglich räumte er ein, dass er hätte differenzieren müssen zwischen Juden, die für und solchen, die gegen den Krieg seien.
Der Vorfall löste nicht nur in Deutschland, sondern auch international Empörung aus. Zahlreiche Medien berichteten darüber, auch aus dem Ausland. Nach Angaben der Richterin gingen zahlreiche Anzeigen aus dem In- und Ausland ein. Der Mann hatte das Plakat erst nach massivem Polizeidruck von der Schaufensterscheibe entfernt und es anschließend vorübergehend im Ladeninneren aufgehängt.