Grüne Lang kritisiert Autobauer scharf: „40-Stunden-Woche bedeutet Lohnverlust“
VW erwägt möglicherweise den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen, während Mercedes eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnkompensation ins Auge fasst. Die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang übt heftige Kritik an diesen Vorschlägen der Autoindustrie.
Ricarda Lang, einst Vorsitzende der Grünen, verurteilte die Pläne der Autobauer, die Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche bei gleichbleibendem Gehalt anzuheben. In der ntv-Sendung Frühstart erklärte sie: „Das ist schlichtweg eine Lohnkürzung.“ Steige die Arbeitszeit, ohne dass sich das Gehalt erhöht, sinke der Stundenlohn der Beschäftigten. „Das muss man auch klar so benennen.“ In der deutschen Automobilbranche gilt bislang die 35-Stunden-Woche als Norm. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Mercedes hatte gefordert, dass die Arbeitnehmer bei gleichem Gehalt fünf Stunden mehr pro Woche arbeiten sollen.
Lang räumte ein, dass innerhalb der Unternehmen über eine längere Arbeitszeit verhandelt werden müsse. Dies könne jedoch nur in enger Zusammenarbeit mit den Betriebsräten gelingen. Die Probleme in der Autobranche seien nicht länger einfach zu verwalten, sondern müssten aktiv bewältigt werden. „Das gelingt aber nur gemeinsam mit den Beschäftigten.“ Das Ziel müsse sein, Entlassungen so weit wie möglich zu vermeiden.
Der mögliche Abbau von bis zu 100.000 Stellen bei VW erscheint Lang übertrieben. Die Schließung von Werken könne dazu führen, dass wertvolles Know-how und Fachwissen verloren gehen. Eine solche Entscheidung werde der Konzern womöglich bereuen. Stattdessen sollte VW auf innovative und kostengünstige Technologien setzen und bezahlbare Elektroautos produzieren. „VW muss das Unternehmen sein, das erschwingliche E-Autos herstellt.“
Lang fordert mehr Zeit für Reformen der gesetzlichen Krankenversicherung
In der Debatte um Reformen der Bundesregierung verteidigte Lang den Versuch der Grünen, die Abstimmung zum Krankenkassen-Sparpaket im Bundestag juristisch zu verhindern. „Wir erleben ein völliges Durcheinander, wenn wir die Bundesregierung betrachten“, sagte die Abgeordnete. Das Gesetz sei inhaltlich schlecht und zudem „sehr schlecht umgesetzt“. In einer Nacht- und Nebelaktion habe die Regierung 300 Seiten Änderungsanträge vorgelegt. Dabei betreffe das Gesetz Millionen Menschen und handle von Milliardenbeträgen. „Ich erwarte, dass der Bundestag sich verantwortungsvoll mit dem Thema auseinandersetzt – ein Durchpeitschen darf es nicht geben.“
Lang kritisierte zudem die geplante Abschaffung des Kindersofortzuschlags. Die Bundesregierung spare gerade bei Familien mit geringem Einkommen und Kindern, die in Armut aufwachsen. „25 Euro mögen für viele wenig erscheinen, für diese Familien bedeuten sie aber die Mitgliedschaft im Sportverein oder einen Ausflug im Monat.“ Gleichzeitig scheue sich die Regierung, die Erbschaftsteuer anzupacken. „Das heißt, in Deutschland kann man weiterhin über 26 Millionen Euro erben, ohne einen Cent Steuern zu zahlen, während bei armen Kindern 25 Euro gestrichen werden – wie soll das noch jemand nachvollziehen?“