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Deutsches Waffensystem zählt zu den entscheidenden Vorteilen im Krieg

Waffensystem aus Deutschland ist einer der Trümpfe im Krieg

Das Iris-T gilt als eines der deutschen Waffensysteme mit der längsten Einsatzdauer in der Ukraine. Es überzeugt durch eine herausragende Trefferquote, ist jedoch nicht gegen sämtliche Luftbedrohungen effektiv. Eine Brigade schildert ihre Erfahrungen im Einsatz.

Im Juni erhielt die Ukraine laut Bundesregierung erneut ein Iris-T-SLM-System aus Deutschland, vermutlich bereits das zehnte seit Oktober 2022. Damals, rund ein halbes Jahr nach Beginn der russischen Großoffensive, wurde die erste Einheit an die ukrainischen Streitkräfte übergeben. Zu diesem Zeitpunkt war kein bodengestütztes Iris-T-System weder bei der Bundeswehr noch in anderen Ländern im Einsatz. Dennoch zeigte die süddeutsche Technologie schnell ihre Leistungsfähigkeit bei der Abwehr russischer Luftangriffe.

Insbesondere bei der Abwehr der gefährlichen Marschflugkörper der russischen Streitkräfte hat sich das Iris-T bewährt. Die ukrainische Flugabwehr gelingt es regelmäßig, den Großteil dieser Raketen abzufangen, wobei das Iris-T einen bedeutenden Beitrag leistet. Trotzdem findet das System vergleichsweise wenig Beachtung. Im Gegensatz zu anderen bodengestützten Flugabwehrsystemen wie Patriot bleibt das Iris-T eher im Hintergrund. Besonders die Variante Iris-T-SLS wird selten erwähnt oder sichtbar.

Die Raketen treffen fast immer ihre erfassten Ziele. Gelingt dies nicht, wird unverzüglich ein weiterer Abschussversuch gestartet. Die Soldaten müssen dabei in Bruchteilen von Sekunden Entscheidungen treffen. Bei starken Angriffen, die häufig nachts erfolgen, können problemlos mehr als zehn Marschflugkörper erfolgreich abgewehrt werden. Auch Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Drohnen lassen sich mit dem Iris-T bekämpfen.

Für die Vernichtung ballistischer Raketen ist das System technisch jedoch nicht ausgelegt. Diese stellen seit Jahren das Hauptproblem für die Ukraine dar, besonders bei den jüngsten schweren Angriffen auf Kiew. Für deren Abwehr werden vor allem mehr Patriot-Flugabwehrraketen benötigt, die jedoch knapp sind. Berichten zufolge gelang es nur vereinzelt, ballistische Raketen mit dem Iris-T zu zerstören.

Technische Unterschiede zwischen SLM und SLS

Eine vollständige Iris-T-Einheit des Herstellers Diehl Defence aus Baden-Württemberg besteht aus einem Radarsystem zur Zielerfassung, einem Gefechtsstand sowie mehreren Startgeräten (Launchern), von denen die Flugabwehrraketen abgefeuert werden. Ergänzt wird die Einheit durch weitere Komponenten wie Nachladefahrzeuge.

Die Anzahl der eingesetzten SLM- und SLS-Startgeräte variiert grundsätzlich. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, berichtete der „European Prawda“ im vergangenen Jahr, dass jedes in Deutschland hergestellte Iris-T-System für die Ukraine aus drei SLM-Startgeräten (Reichweite bis zu 40 Kilometer) und zwei SLS-Startgeräten (Reichweite bis zu 12 Kilometer) besteht.

SLM-Launcher können jeweils bis zu acht Flugabwehrraketen aufnehmen, SLS bis zu vier. Ein weiterer Unterschied liegt im Fahrgestell: „Das SLM-Startgerät basiert auf einem MAN-Fahrgestell, das SLS auf einem Iveco-Fahrgestell“, erklärt Wladyslaw.

Mehr Raketen dringend benötigt

Ein gemeinsames Merkmal von Iris-T und vielen anderen westlichen Flugabwehrsystemen ist der Wunsch der Ukrainer nach mehr Exemplaren. Denn bei groß angelegten Angriffen gelingt es den russischen Streitkräften weiterhin, durch den Einsatz von Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen Lücken im Luftraum zu nutzen oder die ukrainische Flugabwehr zu überlasten.

Es gebe eine begrenzte Anzahl an Flugabwehrraketen, während die Angriffe unvermindert und mit hoher Intensität fortgesetzt würden, erklärt Jewhen. „Natürlich versuchen wir, jede feindliche Rakete abzufangen“, so der Kommandeur. „Bisher spricht der Erfolg für uns.“

Sein Land fungiere zudem als Schutzschild für Europa und gleichzeitig als Schlachtfeld. „Sollte die Ukraine fallen und unter russische Kontrolle geraten, könnte sich der Krieg weiter nach Westen ausdehnen. Wir wollen verhindern, dass der Krieg bis an die Grenzen Europas gelangt“, betont Roman.

Permanent im Einsatz

Die hohe Mobilität des Iris-T ist laut Kommandeur Jewhen eine seiner großen Stärken. Gemeint ist die Geschwindigkeit, mit der die Stellung gewechselt werden kann. „Ich schätze besonders, dass die Startgeräte mobil sind und sich schnell verlegen sowie ebenso zügig wieder abbauen lassen“, berichtet Roman.

Mit dem Iris-T sind die Soldaten vollauf zufrieden, sagt Jewhen. Größere Probleme habe es bisher nicht gegeben. Er weist darauf hin, dass das System kontinuierlich im Einsatz ist. „Wie jede Technik benötigt es regelmäßige Wartung und Pflege.“ Technische Schwierigkeiten können die Soldaten häufig selbst mit Ersatzteilen beheben. Die Ausbildung erfolgte unter anderem in Deutschland.

„Wir überwachen das System ständig und prüfen den einwandfreien Zustand der Ausrüstung. So halten wir es jederzeit einsatzbereit“, erklärt Roman. „Defekte Komponenten werden meist einfach ausgetauscht und anschließend zur Reparatur in Partnerländer geschickt“, ergänzt Jewhen. „Es ist nicht nötig, das gesamte Iris-T-System ins Ausland zu bringen – nur einzelne Baugruppen.“

SLX-Variante in Entwicklung

Die Ukraine hat insgesamt 18 Iris-T-SLM-Systeme in Deutschland bestellt, die auch von dort finanziert werden. Acht Systeme fehlen somit noch. Die Bundeswehr nahm die erste Iris-T-SLM-Einheit 2024 in Schleswig-Holstein in Dienst. Insgesamt sind 50 Einheiten geplant.

Auch Estland, an der Nato-Ostflanke und an Russland angrenzend, erhielt im Juni dieses Jahres das erste Iris-T-System aus Deutschland. Der Luftwaffenchef Riivo Valge bezeichnete den Tag als „wichtig für die estnischen Streitkräfte und die Luftwaffe“. Estland soll insgesamt drei Einheiten erhalten, die restlichen zwei werden für 2027 erwartet.

Der Hersteller Diehl Defence arbeitet derzeit an einer Weiterentwicklung namens Iris-T SLX. Die Flugabwehrraketen dieses Systems sollen eine Reichweite von bis zu 80 Kilometern erreichen. Medienberichten zufolge wird die SLX-Variante auch in der Lage sein, ballistische Bedrohungen abzuwehren – welche genau, ist bislang nicht bekannt. Bis zur Marktreife des Iris-T SLX werden jedoch noch mehrere Jahre vergehen.

(Übersetzungen von Oleksiy Obolenskyj)