16. Jahrhundert Königsring: Deutschland gibt Nazi-Raubgut an Polen zurück
Während des Zweiten Weltkriegs raubten deutsche Soldaten Schätze aus einem polnischen Königshaus. Ein jahrhundertealter Ring gelangte so in die Sammlung eines Schmuckmuseums in Baden-Württemberg. Jetzt übernimmt Deutschland laut Außenminister Wadephul Verantwortung und gibt das Schmuckstück zurück.
Deutschland hat einen historischen Ring des polnischen Königshauses, der im Zweiten Weltkrieg entwendet wurde, an Polen restituiert. Die Übergabe erfolgte im Rahmen des Deutsch-Polnischen Forums in Berlin an die polnische Kulturministerin Marta Cienkowska. „80 Jahre nach Kriegsende können wir dank enger Zusammenarbeit mit den bewahrenden Einrichtungen und der polnischen Seite Kulturgüter zurückgeben, die während Krieg und Besatzung geraubt wurden“, erklärte Bundesaußenminister Johann Wadephul. Diese Rückgabe symbolisiere gegenseitigen Respekt und die andauernde deutsche Verantwortung.
Der Goldring mit einem 3,5 Karat schweren Diamanten stammt aus dem 16. Jahrhundert und wird König Sigismund I. aus der Jagiellonen-Dynastie zugeschrieben. Kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen 1939 wurde der Ring aus Warschau in den Ort Sienawa gebracht, wo deutsche Truppen die Sammlung plünderten. 1963 gelangte der Ring als Teil einer größeren Kollektion ins Schmuckmuseum Pforzheim.
Peter Boch, Oberbürgermeister der Schmuckstadt, bezeichnete die Rückgabe als Zeichen historischer Verantwortung. „Wir sehen diesen Schritt als Ausdruck von Respekt und Freundschaft gegenüber unserem polnischen Nachbarn“, betonte er.
Handschrift der historischen polnischen Hymne
Aus der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin wird eine mittelalterliche Handschrift nach Polen zurückgeführt, die einen Teil des Textes der alten polnischen Hymne „Gaude Mater Polonia“ enthält. Das Heft mit sechs Pergamentseiten stammt aus der Bibliothek des Priesterseminars in Płock, deren Bestände im Zweiten Weltkrieg geplündert und größtenteils zerstört wurden.
Zudem wurden Eisenbahnmodelle und Zubehörteile zurückgegeben, die dem Verkehrsmuseum Warschau gehörten, jedoch 1940 entwendet wurden. Diese wurden in den Beständen des Deutschen Technikmuseums Berlin entdeckt.