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Kritische Mehrheit zweifelt an Union-Aufschwung durch Merz-Ablösung

"Scheindebatte" um Merz-Ablösung: Knappe Mehrheit glaubt nicht an Union-Aufschwung durch Kanzlerwechsel

Wird ein Wechsel auf dem Kanzlerposten die Union stärken? Die Mehrheit der Deutschen zeigt sich skeptisch und erwartet kaum einen Zuwachs an Zustimmung durch eine Ablösung von Friedrich Merz. Führende Christdemokraten unterstützen Merz und bezeichnen die Diskussion als „Scheindebatte“. Trotzdem ist das Thema weiterhin präsent.

Eine aktuelle Forsa-Umfrage, durchgeführt im Auftrag von „Stern“ und RTL, zeigt, dass eine knappe Mehrheit der Befragten nicht glaubt, die Union würde bei einem anderen Kanzler als Merz mehr Wählerstimmen erhalten. 41 Prozent der Teilnehmer sind der Ansicht, die Union könnte profitieren, wenn Merz das Kanzleramt abgibt und ein anderer Christdemokrat die Führung übernimmt. Demgegenüber stehen 53 Prozent, die daran zweifeln.

Auch unter den CDU/CSU-Anhängern ist die Meinung gespalten: 42 Prozent meinen, mit einem anderen Kanzler aus den eigenen Reihen hätte die Union bessere Chancen auf mehr Zustimmung, während 56 Prozent diese Einschätzung ablehnen. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte für diese repräsentative Studie am 28. und 29. Mai insgesamt 1.008 Personen.

Mehrere Medien, unter anderem der „Stern“, berichteten angesichts der herausfordernden Situation für Schwarz-Rot über Überlegungen innerhalb der Union, ob Merz als Kanzler durch einen anderen Politiker ersetzt werden könnte. Dabei fiel auch der Name des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und Landesvorsitzenden Hendrik Wüst. Aus dem Umfeld von Merz wurden diese Spekulationen als „naive Idee“ zurückgewiesen.

„Eine etwas absurde“ Diskussion

Zahlreiche führende Christdemokraten, darunter Wüst und Unionsfraktionschef Jens Spahn, haben sich in den letzten Tagen hinter Merz gestellt. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann bezeichnete die Debatte in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ als „Scheindiskussion“. Er berichtete, dass er in seinem Wahlkreis drei Tage unterwegs war und niemand ihn auf das Thema angesprochen habe. Die Bürger interessierten vielmehr, wie Energiekosten und Steuern gesenkt werden könnten.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther verneinte entschieden, dass Merz ein Problem mit seiner Autorität habe. In der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ bezeichnete Günther die Spekulationen über einen Kanzlertausch als „ein wenig absurd“ und eher von außen aufgezwungen. Für ihn entbehre diese Debatte jeglicher Grundlage.

Günther rief die schwarz-rote Koalition dazu auf, bei den anstehenden Reformen gemeinsam zu agieren. Alle Beteiligten seien gut beraten, den Reformkurs mitzutragen. „Es darf niemand mit dem Finger auf den anderen zeigen. Alle tragen Verantwortung“, betonte der CDU-Politiker im ARD-„Bericht aus Berlin“. Dies gelte gleichermaßen für SPD, CDU und CSU. „Jetzt müssen wir liefern und der Bevölkerung zeigen, dass wir die Herausforderungen meistern“, mahnte Günther.

Heute werden bei einer internen Klausur der nordrhein-westfälischen CDU in Meschede Merz und Wüst erwartet. Wie aus CDU-Kreisen verlautete, ist die zweitägige Veranstaltung bereits seit Monaten geplant, zu der auch der Bundesvorsitzende der CDU seine Teilnahme zugesagt hat und als Gast eine Rede halten wird. Das Treffen stehe in keinem Zusammenhang mit der aktuellen politischen Situation.