Arsenals Pechsträhne in der Champions League setzt sich mit erneutem Elfmeter-Drama fort
Man müsste ein Herz aus Stein haben, um nicht zumindest ein kleines Fünkchen Mitgefühl für Arsenal zu empfinden, nachdem sie das heutige Champions-League-Finale auf die grausamste und willkürlichste Weise verloren haben – im Elfmeterschießen.
Das ist für jede Mannschaft schwer zu verkraften, doch für die Gunners ist es besonders schmerzhaft, da das Fußballschicksal erneut gegen sie zu sein scheint. Es war bereits das vierte Mal, dass Arsenal ein europäisches Finale nach Verlängerung verlor, und das dritte Mal, dass sie im Elfmeterschießen scheiterten.
Arsenal ist der dritterfolgreichste englische Klub hinter Liverpool und Manchester United, gemessen an den heimischen Titeln. Umso erstaunlicher ist es, dass sie trotz ihrer Geschichte und Tradition nur zwei europäische Titel gewonnen haben – beide Wettbewerbe sind mittlerweile eingestellt.
Die Gunners gehörten zu den letzten Siegern des Inter Cities Fairs Cup und des Europapokals der Pokalsieger – den Ersteren gewannen sie 1970, den Letzteren 1994. Diese Wettbewerbe existieren heute nicht mehr.
Werfen wir einen genaueren Blick auf Arsenals Bilanz im UEFA-Wettbewerb.
Arsenals Qualen im Elfmeterschießen
In 42 europäischen Spielzeiten gab es viele knappe Niederlagen – das Team wurde häufig in den späteren Runden, im Halbfinale oder sogar im Finale ausgeschieden.
Die Gunners erreichten neun UEFA-Endspiele und verloren sieben davon.
Einige waren besonders schmerzhaft – etwa das Finale des Europapokals der Pokalsieger 1994/95 gegen Zaragoza, das in der letzten Minute der Verlängerung durch ein kurioses 40-Meter-Tor von Nayim verloren ging – und als ob das nicht genug wäre, erzielte der Ex-Spurs-Spieler diesen Treffer…
Das Finale des Pokals der Pokalsieger 1979/80 gegen Valencia endete nach 90 Minuten plus Verlängerung torlos und wurde im Elfmeterschießen entschieden. Die ersten Schützen beider Teams, Mario Kempes und Liam Brady, scheiterten jeweils an den Torhütern, doch die folgenden vier Spieler verwandelten sicher, sodass es ins Sudden Death ging. Pereira parierte schließlich den Elfmeter von Graham Rix, womit Arsenal ohne Titel blieb.
Auch das UEFA-Cup-Finale 1999/2000 gegen Galatasaray endete torlos nach 120 Minuten und wurde erneut vom Punkt entschieden. Galatasaray ging durch Ergün Penbe in Führung, doch schnell zeichnete sich ab, dass es nicht Arsenals Abend werden würde. Davor Sukers Schuss prallte vom Pfosten zurück, während Ray Parlour seinen Elfmeter verwandelte. Patrick Vieira traf hingegen nur den Pfosten, sodass die Gunners eine weitere bittere Niederlage hinnehmen mussten.
Tränen in Paris
In der Champions League 2005/06 kam ein von Arsène Wenger betreutes Arsenal-Team mit Stars wie Thierry Henry, Van Persie, Bergkamp und Cesc Fàbregas dem Gewinn der „Großen Ohren“ am nächsten. Die Mannschaft meisterte die Gruppenphase ungeschlagen, schaltete Real Madrid, Juventus und Villarreal aus und erreichte das Finale gegen Frank Rijkaards Barcelona.
Schon nach 15 Minuten kam der Schock: Torwart Jens Lehmann wurde nach einem Foul an Samuel Eto’o am Strafraumeck des Feldes verwiesen. Arsenal musste die restliche Spielzeit zu zehnt bestreiten. Trotz Unterzahl kämpfte das Team tapfer. Sol Campbell brachte die Gunners kurz vor der Pause in Führung, doch Eto’o glich 15 Minuten vor Schluss aus. Wenig später erzielte Juliano Belletti am kurzen Pfosten das 2:1 für Barca. Eine weitere Niederlage bedeutete, dass Arsenal nun zu den drei Klubs gehört, die in allen drei großen UEFA-Wettbewerben Finalspiele bestritten und verloren haben.
Arsenals Bilanz in der Champions League
Insgesamt nahm Arsenal 24-mal an Europas größtem Vereinswettbewerb teil – zweimal im alten Europapokal und 22-mal in der Champions League. Dabei schieden sie neunmal in der K.o.-Phase aus und erreichten fünfmal das Viertelfinale.
Das Finale am Samstag in Budapest war Arsenals 240. Spiel in diesem Wettbewerb.