Waffenruhe mit Hisbollah wankt: Israel greift libanesische Orte an und fordert Evakuierung
Die fragile Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah gerät zunehmend ins Wanken. Nach wiederholten Raketenangriffen der Miliz auf Nordisrael hat die israelische Armee die Bewohner von zehn libanesischen Dörfern zur Evakuierung aufgefordert und gleichzeitig Angriffe auf Ziele im Libanon gestartet. Ein baldiges Ende der Gewaltspirale ist derzeit nicht absehbar.
Die israelischen Streitkräfte begründeten die Aufforderung zur Evakuierung mit fortgesetzten Verletzungen der Waffenruhe durch die Hisbollah. Ein Armeesprecher betonte, dass die Angriffe der Miliz eine Reaktion auf die anhaltenden Spannungen seien.
Arabische Medien berichteten zudem von Luftangriffen Israels auf die libanesische Stadt Nabatija und deren Umgebung. Laut dem libanesischen Fernsehsender LBC sollen dabei mindestens drei Menschen ums Leben gekommen sein. Eine offizielle Bestätigung steht bislang aus.
Nach Angaben der israelischen Armee startete die Hisbollah in der vergangenen Nacht etwa zehn bis fünfzehn Raketen in vier Angriffswellen auf Nordisrael. Die israelische Tageszeitung „Haaretz“ berichtete unter Berufung auf lokale Behörden, dass allein zehn Raketen auf die grenznahe Stadt Kiriat Schmona abgefeuert wurden. Die Luftabwehr konnte neun Raketen abfangen, während eine im Stadtzentrum einschlug und Sachschäden verursachte. Verletzte gab es dabei nicht.
Die Hisbollah teilte über Telegram mit, sie habe israelische Truppen im Südlibanon mit Sprengfallen, Artilleriegeschossen und Raketen angegriffen, wobei israelische Soldaten verletzt worden sein sollen. Diese Angaben konnten bislang nicht unabhängig verifiziert werden.
Seit April gilt zwischen Israel und der Hisbollah ein Waffenruheabkommen, das jedoch von beiden Seiten immer wieder gebrochen wird. Das Abkommen sollte die seit dem 2. März wieder aufflammenden Kampfhandlungen beenden, die infolge eines Angriffs der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar entstanden sind. Israelische Truppen sind weiterhin im Südlibanon stationiert. Die von Iran unterstützte Hisbollah lehnt Verhandlungen mit Israel ab. Israels Ministerpräsident kündigte zuletzt an, die Armee werde mit aller Entschlossenheit gegen die Hisbollah vorgehen und die Angriffe verstärken.