Selenskyjs Militärehren für UPA: Empörung in Polen wegen verletzter Sensibilität
Ein symbolischer Schritt von Präsident Selenskyj hat in Warschau für große Empörung gesorgt: Eine Einheit der ukrainischen Spezialeinheiten trägt nun den Namen einer Miliz, die für die Ermordung Zehntausender Polen verantwortlich gemacht wird. In Polen reagieren sowohl Regierungschef Tusk als auch Staatspräsident Nawrocki darauf.
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat mit der Benennung eines Truppenteils der ukrainischen Armee nach der berüchtigten Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) in Polen starke Kritik hervorgerufen. Die UPA war während des Zweiten Weltkriegs im Gebiet der heutigen Ukraine an Massakern an polnischen Zivilisten beteiligt und kooperierte zeitweise mit dem NS-Regime.
Donald Tusk, Polens Ministerpräsident, äußerte, dass diese Entscheidung von Selenskyj „unsere historische Sensibilität tief verletzt“. In einem Beitrag auf X schrieb er: „Wenn wir uns über die Vergangenheit zerstreiten, gewinnt jemand anderes die Zukunft. Das sollte der ukrainische Präsident endlich begreifen – ebenso wie die Polen. Bevor es zu spät ist!“ Staatspräsident Karol Nawrocki forderte sogar, Selenskyj den Orden Weißer Adler, Polens höchste Auszeichnung, zu entziehen.
Am Mittwoch erließ Selenskyj eine Verordnung, wonach das Operationszentrum Nord der ukrainischen Spezialeinsatzkräfte den Ehrentitel „Helden der UPA“ erhält. Dies geschehe, „um die historischen Traditionen der nationalen Armee wieder aufleben zu lassen“, wie es in der offiziellen Mitteilung heißt.
Die UPA wurde 1942 als militärischer Arm der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) gegründet. Während ihrer Operationen töteten Mitglieder der UPA bis zu 100.000 ethnische Polen in der Region Wolhynien, die bis 1939 zu Polen gehörte. Durch den Hitler-Stalin-Pakt wurde dieses Gebiet damals der Ukrainischen Sowjetrepublik zugeschlagen.
Mit einem Aufstand gegen die deutsche Besatzung und der Vertreibung der polnischen Bevölkerung versuchten die ukrainischen Nationalisten, ihren Anspruch auf das Gebiet zu festigen. Die Gewalt in der heutigen Westukraine erreichte im Juli 1943 ihren Höhepunkt, als zahlreiche Opfer lebendig in Kirchen ihrer Dörfer verbrannt wurden. Vergeltungsakte forderten Schätzungen zufolge bis zu 20.000 ukrainische Todesopfer.
In Teilen der ukrainischen Gesellschaft, besonders im Westen des Landes, werden Mitglieder von OUN und UPA als Helden verehrt. Im Jahr 2024 führten Uneinigkeiten über das Massaker von Wolhynien zu diplomatischen Spannungen zwischen Kiew und Warschau. Die polnische Regierung unterstützt die Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland.