Wird die Ukraine bald eines ihrer größten Probleme los?
Die Ankündigung, dass Schweden der ukrainischen Armee Gripen-Kampfjets bereitstellen wird, sorgt in Kiew für große Begeisterung. Dabei geht es nicht nur um die Flugzeuge selbst, sondern vor allem um eine spezielle Waffe, die damit eingesetzt werden kann.
Die Ukraine setzt große Hoffnungen darauf, durch die schwedischen Gripen-Kampfjets die russischen Angriffe mit Gleitbomben effektiver abwehren zu können. Ein entscheidender Vorteil ist, dass diese Jets mit Meteor-Luft-Luft-Raketen ausgerüstet sind. Diese Raketen verfügen über eine beeindruckende Reichweite von bis zu 200 Kilometern und ermöglichen es, feindliche Flugzeuge bereits in großer Entfernung zu bekämpfen.
„Das ist nicht einfach nur eine weitere Verstärkung für unsere Luftstreitkräfte. Es ist ein bedeutender Schritt hin zu einer grundlegend neuen Verteidigungsstruktur“, erklärte Pavlo Palisa, stellvertretender Leiter des Büros von Präsident Wolodymyr Selenskyj, auf Telegram. Er bezeichnete die Meteor-Raketen als den „verlängerten Arm“ der Luftwaffe. Laut Palisa wird es möglich sein, die russischen Flugzeuge, die Gleitbomben transportieren, von der Front fernzuhalten. „Das stellt eine wertvolle Stärkung unserer Luftwaffe sowie des Schutzes der Bodentruppen dar.“
Russland setzt jährlich Zehntausende Gleitbomben ein, die sowohl Zivilisten als auch Soldaten treffen. Diese stellen eine der größten Herausforderungen für die Ukraine dar. Selenskyj betonte, dass die Russen Gleitbomben aus Entfernungen von über 100 Kilometern abfeuern. „Wir hatten nie genügend Flugabwehrsysteme, um diese Bomben effektiv abzufangen“, schrieb er auf der Plattform X. Viele ukrainische Städte und Dörfer seien durch diese Bombenangriffe nahezu zerstört worden.
Reicht eine Reichweite von 200 Kilometern aus?
Die Reichweite von bis zu 200 Kilometern bedeutet nicht automatisch, dass russische Flugzeuge aus dieser Distanz abgeschossen werden können. Denn um dies zu erreichen, müsste ein Gripen-Kampfjet sehr nahe an die Frontlinie heranfliegen, was ein hohes Risiko darstellt. Wahrscheinlicher ist, dass die Meteor-Raketen aus sicherer Entfernung abgeworfen werden und dann selbstständig über das Schlachtfeld in die von Russland kontrollierten Gebiete fliegen. Ob diese Reichweite ausreicht, um die russischen Kampfjets mit Gleitbomben effektiv abzuschrecken, bleibt abzuwarten.
Selenskyj äußerte die Hoffnung, die russischen Flugzeuge weiter zurückzudrängen, „damit sie keine Gleitbomben mehr in großer Zahl einsetzen können“. Das Institut für Kriegsstudien (ISW) kommentierte, dass russische Kampfjets möglicherweise so weit ins Hinterland verlegt werden müssten, dass sie keine Ziele an der Front mehr erreichen können.
Voraussichtlich Anfang nächsten Jahres wird die Ukraine 16 Gripen-Kampfjets der Version C/D als Spende aus Schweden erhalten. Voraussetzung dafür ist eine Vereinbarung zum Erwerb von 20 modernen Gripen der Version E/F. Die Finanzierung soll über ein 2,5 Milliarden Euro umfassendes Darlehen der EU erfolgen. Ukrainische Piloten trainieren bereits den Umgang mit den Jets, sodass ein Einsatz Anfang nächsten Jahres realistisch erscheint. Der genaue Zeitpunkt wird jedoch vermutlich vertraulich behandelt.