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Streeck fordert Verbot von Aromastoffen: „Vapes verleiten Jugendliche rasch zur Nikotinsucht“

Streeck fordert Aromen-Verbot: "Vapes führen Jugendliche schnell in eine Nikotinsucht"

Aktuelle Daten zeigen, dass Rauchen bei Jugendlichen wieder an Beliebtheit gewinnt. Hendrik Streeck, Drogen- und Suchtbeauftragter, sieht vor allem die verführerischen Geschmacksrichtungen von E-Zigaretten und Vapes als treibenden Faktor.

Der Anteil rauchender Jugendlicher stieg in den letzten Jahren deutlich an. Laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit raucht inzwischen fast jeder zehnte Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren – ein signifikanter Anstieg gegenüber 2021. Vor fünf Jahren lag dieser Wert noch bei 6,1 Prozent.

Über die genauen Ursachen lässt sich nur spekulieren, erklärt Hendrik Streeck, Drogen- und Suchtbeauftragter der Bundesregierung. Einen wesentlichen Einfluss hätten jedoch neue E-Zigaretten und Vapes mit verlockenden Aromen. „Der Geruch und Geschmack erinnert nicht mehr an Rauch, sondern an Strawberry-Kiwi oder Coca-Cola. Dennoch führen sie sehr schnell zur Abhängigkeit“, erläuterte Streeck in der gemeinsamen Morgensendung von RTL und ntv, „Deutschland am Morgen“.

„Vapes wirken eher wie Süßigkeiten“

Die vermeintlich harmlosen Vapes „ziehen Jugendliche rasch in eine Nikotinsucht“, so Streeck weiter. Die Bundesregierung müsse daher sicherstellen, dass Aromen und Zusatzstoffe künftig verboten werden.

Auch die Gestaltung und Vermarktung dieser Produkte sieht Streeck kritisch. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation greifen Kinder und Jugendliche neunmal häufiger zu E-Zigaretten als Erwachsene. „Man muss gegen diese Aufmachung vorgehen. Die Vapes sehen eher aus wie Süßigkeiten als wie Produkte für Erwachsene“, betont der Suchtbeauftragte.

Zusätzlich fordert Streeck eine deutlich höhere Tabaksteuer. Rauchen verursacht jährlich etwa 131.000 Todesfälle und belastet das Gesundheitssystem mit Kosten von rund 100 Milliarden Euro. „Wenn Produkte teurer werden, greifen weniger Menschen dazu. Außerdem fließen Mehreinnahmen durch höhere Steuern direkt ins Gesundheitssystem“, argumentiert Streeck.

Tabakindustrie lehnt Steuererhöhungen ab

Jan Mücke, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands der Tabakwirtschaft, sieht die Lage anders. Er weist darauf hin, dass Zigaretten bereits das am höchsten besteuerte Genussmittel sind – was dazu führt, dass rund 20 Prozent der in Deutschland konsumierten Zigaretten unversteuert sind. „Etwa jede fünfte Zigarette, die hier geraucht wird, ist nicht in Deutschland versteuert“, erklärte Mücke im RTL- und ntv-Frühstart. Drastische Steuererhöhungen würden Konsumenten noch mehr in den Schwarzmarkt oder ins Ausland treiben. „Das ist problematisch, denn der Schwarzmarkt fragt nicht nach Altersnachweisen und dem Staat entgehen dadurch erhebliche Steuereinnahmen. Das ist keine sinnvolle Politik.“

Statt Verbote und Steuererhöhungen fordert Mücke eine konsequentere Umsetzung bestehender Gesetze. „Der Erfolg hängt stark davon ab, wie der Staat seine Regeln durchsetzt. Dabei sind zu wenige Mitarbeiter in den Kontrollbehörden tätig“, so Mücke. In seinem Landkreis habe es in fünf Jahren lediglich zwei Verfahren wegen Verstößen gegen Jugendschutzbestimmungen gegeben. Zudem seien die Bußgelder zu gering. „Wer Nikotinprodukte an Jugendliche verkauft, muss mit sehr hohen Strafen rechnen“, fordert Mücke.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Zulassung sogenannter Nikotin-Pouches – kleine Beutelchen, die unter die Oberlippe gelegt werden und bei denen kein Rauch eingeatmet wird. Mücke spricht sich für eine Legalisierung dieser Produkte aus. „Das würde gesundheitliche Vorteile bieten und erwachsenen Rauchern alternative Optionen ermöglichen.“

In einem Punkt sind sich Streeck und Mücke einig: Der Anstieg des Rauchens unter Jugendlichen ist eine ernsthafte Herausforderung, die politisches Handeln erfordert.