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Der Hund, der die Weltmeisterschaft rettete: Die unglaubliche Geschichte von Pickles und dem Turnier 1966

Der Hund, der die Weltmeisterschaft rettete: Pickles und das WM-Turnier 1966

Die originale Weltmeisterschaftstrophäe, bekannt als Jules-Rimet-Pokal, war stets von einem Hauch von Unglück umgeben – manche glaubten sogar an einen Fluch. Der 14 Zoll hohe, goldplattierte Sterling-Silber-Pokal hat eine bewegte Geschichte: Er wurde zweimal gestohlen und verschwand vor über 40 Jahren spurlos, um nie wieder gesehen zu werden.

Das berüchtigtste Ereignis in seiner kurzen Existenz ereignete sich 1966. Trotz rund um die Uhr bestehender Sicherheitsmaßnahmen wurde der Pokal auf mysteriöse Weise gestohlen – ausgerechnet im Land, das den Fußball erfunden hatte, nur vier Monate vor der Austragung der Weltmeisterschaft.

England wurde gegenüber Spanien und Westdeutschland als Gastgeber der achten WM-Finals 1966 ausgewählt. Der Pokal kam im Januar 1966 in London an und wurde im Westminster Central Hall im Rahmen der Stanley Gibbons Stampex-Ausstellung präsentiert.

Der Weltpokal verschwindet

Zwei uniformierte Sicherheitsbeamte waren während der Öffnungszeiten für den Schutz der Vitrine verantwortlich. Doch am Sonntag, dem 20. März, wurden sie durch eine andere öffentliche Veranstaltung im Gebäude abgelenkt. Kurz nach Mittag entdeckte einer der Wächter nach seiner Mittagspause, dass die Holzausstellungsvitrine eingeschlagen und der Jules-Rimet-Pokal verschwunden war.

Der Verlust des Weltpokals war eine große Blamage für die Gastgebernation. Scotland Yard wurde mit der Aufklärung des Diebstahls und der Wiederbeschaffung des Pokals betraut. Eine Woche lang führten die Ermittlungen zu keiner Spur, während die öffentliche Unruhe wuchs.

Pickles, der Spürhund, eilt zur Rettung

Am Sonntag, dem 27. März, konnte das ganze Land endlich aufatmen. Der örtliche Bewohner David Corbett ging mit seinem Hund Pickles in Beulah Hill, Süd-London, abends spazieren. Pickles, ein vierjähriger Collie, begann, an einem in Zeitungspapier eingewickelten Paket zu schnüffeln, das unter einer Hecke im Garten eines Nachbarn versteckt war.

Zunächst befürchtete Corbett, es könne sich um eine IRA-Bombe handeln. Bei genauerer Betrachtung erkannte er jedoch eine Metallplakette mit der Gravur: „Brasilien – Uruguay – Deutschland.“ Es war der Weltmeisterschaftspokal, den die Diebe angesichts des zunehmenden Polizeidrucks zurückgelassen hatten.

Pickles wurde zum Nationalhelden. Als Belohnung erhielt er eine Jahresration Hundefutter, die Silbermedaille der National Canine Defence League und den Titel „Hund des Jahres“.

Auch sein Besitzer wurde großzügig entlohnt und bekam etwa 5.000 Pfund (6.700 US-Dollar), was heute inflationsbereinigt über 150.000 US-Dollar entspricht – mit diesem Geld kaufte er sich ein Haus.

Leider verstarb Pickles im Alter von nur fünf Jahren, wenige Monate nach seinem WM-Einsatz als Held. Für den Jules-Rimet-Pokal gab es ebenfalls kein glückliches Ende: Im Dezember 1983 wurde er erneut gestohlen, diesmal aus dem Hauptquartier des brasilianischen Fußballverbands in Rio de Janeiro. Seitdem fehlt jede Spur. Die Behörden vermuten, dass der Pokal eingeschmolzen wurde, um das Gold zu verkaufen.

Das letzte Team, das den Jules-Rimet-Pokal in den Händen hielt, war Brasilien bei der WM in Mexiko – als dreimaliger Weltmeister durfte es ihn dauerhaft behalten.

Ein neuer Weltpokal wurde 1974 eingeführt

Für die WM 1974 in Westdeutschland wurde ein neuer Pokal in Auftrag gegeben. Entworfen von Silvio Gazzaniga zeigt er zwei menschliche Figuren, die die Erde hochhalten. Seit FIFA 2006 mit der Trophy Tour den Pokal vor jedem WM-Turnier präsentiert, wird er verstärkt bewacht. Nach zwei Diebstählen ist die Sicherheit erheblich verschärft worden, sodass es sehr unwahrscheinlich ist, dass der neue Pokal dasselbe Schicksal wie der von Pickles gefundene erleidet.