Ein Gipfeltreffen, zwei Perspektiven: Auffälligkeiten beim Treffen von Trump und Xi
Der Gipfel zeichnet sich durch höfliche Zeremonien und eindrucksvolle Bilder aus. Beide Seiten legen großen Wert auf Inszenierung. Inhaltlich könnten die USA und China die Resultate des Treffens in Peking kaum gegensätzlicher darstellen. Insbesondere der Iran-Konflikt und dessen Auswirkungen sowie die Taiwan-Frage werden unterschiedlich interpretiert. Auffällige Aspekte des Staatsbesuchs sind:
Ein Gipfeltreffen, verschiedene Schwerpunkte
Am ersten Tag von Donald Trumps Aufenthalt in Peking entstand zeitweise der Eindruck, als ob der US-Präsident und der chinesische Staatschef Xi Jinping an getrennten Veranstaltungen teilnahmen. Besonders markant zeigte sich dies beim Thema Iran und der Straße von Hormus. Laut US-Angaben herrscht Einigkeit darüber, dass die Meerenge für Energietransporte offen bleiben muss. Xi habe sich gegen eine militärische Präsenz in der Straße sowie gegen Durchfahrtgebühren ausgesprochen. Zudem habe er Interesse am Kauf zusätzlicher US-Öl-Lieferungen signalisiert, so die US-Seite. In den chinesischen Erklärungen wurde dieses Thema hingegen komplett ausgelassen.
Umgekehrt verhielt es sich beim seit Jahrzehnten demokratisch regierten Taiwan, das China beansprucht und von den USA unterstützt wird. Peking rückte diese Frage früh und deutlich in den Fokus. Laut chinesischer Darstellung warnte Xi davor, die Taiwan-Frage nur mit größter Vorsicht anzugehen, da eine Fehlbehandlung zu einem Konflikt zwischen beiden Ländern führen könnte. Die US-Erklärungen enthielten hingegen keine Erwähnung Taiwans.
Insgesamt wirkt es, als wolle Trump schnelle Erfolge hervorheben, während die chinesische Darstellung eher auf die langfristige Gestaltung der bilateralen Beziehungen abzielte. Xi sprach von einer „konstruktiven strategischen Stabilität“ zwischen China und den USA.
Trump zeigt Zurückhaltung
Obwohl Trump in seiner zweiten Amtszeit sonst häufig seine Plattform Truth Social nutzt, fiel seine Zurückhaltung während des China-Besuchs auf. Auch bei den offiziellen Terminen war dies spürbar: In Washington reagiert der US-Präsident oft spontan auf Journalistenfragen, in Peking hingegen hielt er sich strikt an vorbereitete Redebeiträge. Seine beiden Ansprachen waren vergleichsweise kurz. Trump schien sich mehr als sonst auf das Manuskript zu stützen.
Am ersten Gipfeltag fand außerdem keine Pressekonferenz statt. Ob dies auf eine Forderung Chinas oder eine Empfehlung des US-Teams zurückzuführen ist, bleibt unklar.
Statt spontaner Äußerungen wählte Trump den Weg eines Interviews mit seinem bevorzugten Sender Fox News nach einem Gespräch mit Xi. Darin berichtete er, dass der chinesische Staatschef Unterstützung im Iran-Konflikt angeboten habe: „Er würde es begrüßen, wenn ein Abkommen zustande kommt. Und er sagte, ‚wenn ich irgendwie helfen kann, tue ich das gerne'“, so Trump. Auf Nachfrage bestätigte er ausdrücklich, dass Xi dies so geäußert habe.
Große Worte trotz angespannter Lage
Der Konflikt um Iran, Taiwan, gegenseitige Zölle, Handelshemmnisse und Chinas Kontrolle über seltene Erden – die Liste der Herausforderungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften ist lang.
Doch bei den öffentlichen Auftritten in Peking war davon wenig zu merken. Stattdessen dominierten Lob und Respekt. „Wir sollten Partner statt Konkurrenten sein“, sagte Xi zu Trump beim Eröffnungsgespräch. „Wir hatten eine großartige Beziehung“, erwiderte Trump, ergänzt um: „Sie sind eine herausragende Führungspersönlichkeit.“
Im Fox-News-Interview lobte Trump Xi zudem mit den Worten: „Ich sage über ihn, dass, wenn man in Hollywood nach einer chinesischen Führungspersönlichkeit für eine Filmrolle suchen würde, man keinen besseren finden könnte.“ Er hob Xis Erscheinung hervor: „Er ist groß, sehr groß, vor allem für dieses Land, in dem die Menschen tendenziell kleiner sind.“
Steht ein Gegenbesuch an?
Nach dem Staatsbesuch könnten in diesem Jahr noch weitere Treffen folgen. Beim Staatsbankett lud Trump Xi für den 24. September nach Washington ein. Ob Xi die Einladung annimmt, ist bisher unklar. Sollten Trump im November zum Treffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) nach Shenzhen reisen oder Xi im Dezember zum G20-Gipfel nach Miami in Florida kommen, wären weitere Begegnungen möglich.